Gantz (l.) bezeichnete den Iran als Bedrohung für die Welt, die Region und Israel; sowohl er als auch Lapid forderten die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

Gantz (l.) bezeichnete den Iran als Bedrohung für die Welt, die Region und Israel; sowohl er als auch Lapid forderten die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

„Iran kurz vor Entwicklung von Atomwaffen“

Bei einem Treffen mit ausländischen Botschaftern warnen zwei israelische Minister vor dem Iran. Die internationale Gemeinschaft müsse schleunigst handeln, um eine iranische Atombombe zu verhindern.

JERUSALEM (inn) – Der Iran braucht noch etwa zehn Wochen, um die Voraussetzungen für die Herstellung von Atomwaffen zu schaffen. Dies sagte der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz (Blau-Weiß) am Mittwoch bei einem Treffen mit ausländischen Botschaftern in Jerusalem. Die Diplomaten vertreten in Israel Staaten, die dem UN-Sicherheitsrat angehören. Auch Außenminister Jair Lapid (Jesch Atid) nahm teil.

Anschließend veröffentlichten die beiden Minister eine gemeinsame Erklärung. Darin heißt es laut Mitteilung des Außenministeriums: „In der vergangenen Woche hat Israel auf allen möglichen Kanälen von Diplomatie und Sicherheitswesen agiert, um die internationale Gemeinschaft aufzurufen, dem Iran klare Grenzen zu setzen und sein aggressives Verhalten zu beenden.“

Bei dem Treffen mit den Botschaftern im Außenministerium betonten die Minister, die jüngsten Angriffe seien nicht Teil eines örtlichen oder bilateralen Konfliktes. Es handele sich vielmehr um einen Angriff auf die internationale Gemeinschaft, und diese müsse entsprechend reagieren. „Eine solche Aktion erfordert Einheit innerhalb der internationalen Gemeinschaft.“ Dabei könne der Sicherheitsrat oder ein anderes internationales Gremium handeln, um den Iran für seine Taten zur Verantwortung zu ziehen.

Gantz: Revolutionsgarden hinter zahlreichen Angriffen

Gantz führte aus: „Amir Ali Hadschisadeh, der Kommandeur der Luftwaffe des Corps’ der Islamischen Revolutionsgarden, steckt hinter Dutzenden Terrorangriffen in der Region. Dabei kommen Drohnen und Raketen zum Einsatz. Zum ersten Mal überhaupt enttarne ich den Mann, der direkt für den Abschuss von Selbstmorddrohnen verantwortlich ist – er heißt Said Ara Dschani und ist Leiter des Drohnenkommandos der Revolutionsgarden.“ Dieses habe den Angriff auf den Öltanker „Mercer Street“ in der vergangenen Woche verübt. „Said Ara Dschani plant und liefert Training und Ausrüstung, um Terroranschläge in der Region auszuführen.“

Der Iran habe alle Richtlinien im Atomabkommen verletzt, fügte der Verteidigungsminister hinzu. „Er ist etwa zehn Wochen davon entfernt, Materialien mit Waffenqualität zu erlangen, die für eine Atomwaffe nötig sind. Jetzt ist es Zeit für Taten – Worte sind nicht genug. Es ist Zeit für diplomatische, wirtschaftliche und sogar militärische Taten – sonst werden die Angriffe weitergehen.“ Das iranische Regime bedrohe Israel und entzünde ein Wettrüsten in der Region.

Lapid: Angriff auf Handelsrouten der Welt

Außenminister Lapid sagte, es handele sich nicht um einen Konflikt zwischen Armeen in Syrien oder eine Operation gegen eine militärische Einrichtung. „Es ist ein Angriff auf die Handelsrouten der Welt, ein Angriff auf die Bewegungsfreiheit. Das ist ein internationales Verbrechen.“

An die Botschafter gewandt, fragte Lapid: „Was wird die internationale Gemeinschaft dagegen tun? Gibt es noch so etwas wie internationales Recht? Und ist die Welt noch fähig und gewillt, das Recht umzusetzen? Wenn die Antwort ‚ja‘ lautet, sollte die Welt jetzt handeln.“ Wenn die internationale Gemeinschaft nicht auf den Angriff reagiere, existiere sie nicht mehr. Stattdessen werde gelten: „Jeder für sich selbst“.

Am Donnerstag wurde Gantz in einem Interview der Zeitung „Yediot Aharonot“ konkret gefragt, ob Israel bereit sei, den Iran notfalls anzugreifen. Der Verteidigungsminister antwortete mit einem Wort: „Ja“.

Von: eh