Erhielt die Glückwünsche diesmal auf direktem Wege: Mahmud Abbas (Archivbild)

Erhielt die Glückwünsche diesmal auf direktem Wege: Mahmud Abbas (Archivbild)

Israelische Politiker gratulieren Abbas zum Opferfest

Offizielle Glückwünsche wegen muslimischer Feste von höchster israelischer Stelle sind nichts Ungewöhnliches. Doch zum diesjährigen Opferfest gibt es zum ersten Mal seit vier Jahren Telefongespräche mit der palästinensischen Führung.

JERUSALEM / RAMALLAH (inn) – Der israelische Präsident Jitzchak Herzog habt am Montag telefonisch dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas (Fatah), zum islamischen Opferfest gratuliert. Verteidigungsminister Benny Gantz (Blau-Weiß) schloss sich den Glückwünschen an.

In der Woche zuvor hatte Abbas Herzog angerufen und ihm zu seiner Präsidentschaft gratuliert. Herzog bedankte sich. Er hoffe auf regelmäßigen Kontakt und wolle den Frieden vorantreiben. Es waren die ersten Telefonate hochrangiger israelischer Regierungsbeamter mit Abbas seit vier Jahren. Das Büro des Verteidigungsministers meldete, Gantz habe mit Abbas darüber gesprochen, „vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde voranzubringen, die der Sicherheit und Wirtschaft der gesamten Region zugutekommen“. Anfang Juli hatte sich Abbas telefonisch von Herzogs Amtsvorgänger Reuven Rivlin verabschiedet.

Premierminister Naftali Bennett (Jamina) hatte sich am Montagmorgen mit Glückwünschen zum höchsten islamischen Fest „Eid al-Adha“ an die muslimischen und drusischen Bürger Israels und befreundeter arabischer Staaten gerichtet. Namentlich nannte er Ägypten, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan. Allgemeinde Glückwünsche an Muslime waren auch in den Vorjahren üblich. Telefonate zwischen offiziellen Stellen, noch dazu gespickt mit politischen Willensbekundungen, gab es aber nicht.

Abbas verliert an Zustimmung

Die Annäherungen fallen in eine Zeit, in der Mahmud Abbas viel Rückhalt eingebüßt hat, und zwar sowohl in der palästinensischen Bevölkerung als auch in der eigenen Partei als auch im Westen. Seit Wochen protestieren Palästinenser gegen die eigene Regierung. Auslöser war der gewaltsame Tod eines oppositionellen Regierungskritikers in palästinensischem Polizeigewahrsam.

Lange davor waren Abbas‘ Zustimmungswerte beständig gesunken und seine Fatah-Partei hat sich in mehrere Lager gespalten. Nachdem im Frühjahr die ersten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen seit mehr als 15 Jahren unter fadenscheinigen Gründen erst verschoben und dann abgesagt wurden, murren zunehmend auch die westlichen Geldgeber. Denn für die bedeuten abgesagte Wahlen auch eine Absage an demokratische Werte.

Doch genau an diesem Punkt teilen Israel und die PA ein gemeinsames Interesse: Zum jetzigen Zeitpunkt würden Wahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Sieg der terroristischen Hamas bedeuten. Im Vergleich dazu ist die antisemitische, korrupte Gewaltherrschaft von Abbas das mit Abstand kleinere Übel. Nur so ist nach Ansicht von Experten zu verstehen, dass hohe israelische Regierungsbeamte dem angeschlagenen Palästinenserchef gerade jetzt neue Legitimität verleihen.

Von: cs