Unterstützte ihren Mann auf dem Weg zum Frieden mit Israel: Dschihan Sadat (1933–2021)

Unterstützte ihren Mann auf dem Weg zum Frieden mit Israel: Dschihan Sadat (1933–2021)

Dschihan as-Sadat mit 87 Jahren gestorben

Als Ehefrau des ägyptischen Präsidenten unterstützte sie die Schritte zum Frieden mit Israel. Er bezahlte dafür mit seinem Leben. Nun ist die Witwe Dschihan as-Sadat gestorben.

KAIRO (inn) – Die frühere First Lady Ägyptens, Dschihan as-Sadat, ist tot. Die Witwe von Präsident Anwar as-Sadat erlag am Freitag im Alter von 87 Jahren einem Krebsleiden. Sie wurde in einem Staatsbegräbnis neben ihrem Ehemann beigesetzt. Dieser hatte 1979 das Friedensabkommen mit Israel unterzeichnet.

Dschihan as-Sadat verteidigte 30 Jahre später den vielfach kritisierten Schritt des damaligen Präsidenten: „Mein Mann traf eine schwere Entscheidung, als er den Frieden an die Spitze seiner persönlichen und politischen Prioritätenliste stellte“, schrieb sie 2009 im „Wall Street Journal“. „Deshalb entschied ich, ihn mit aller Kraft zu unterstützen, auch wenn ich wusste, dass ich ihn verlieren könnte.“

Mit dem US-Sender CNN sprach sie ebenfalls 2009 über den Tag der Unterzeichnung in Camp David: „Es war unvergesslich, die israelische und die ägyptische und die amerikanische Delegation zu sehen. Statt Feinden waren sie Freunde, sie sprachen miteinander. Das werde ich nie vergessen. Die Tränen liefen mir herunter, ich konnte sie kaum kontrollieren, weil ich so glücklich war, zu sehen, dass wir alle wie eine Familie sind.“

Bei dem Besuch in Israel traf Dschihan as-Sadat auch Premierminister Menachem Begin

Bei dem Besuch in Israel traf Dschihan as-Sadat auch Premierminister Menachem Begin

In dem Beitrag im „Wall Street Journal“ bekundete sie die Hoffnung, dass auch Israelis und Palästinenser Frieden schließen würden: „Die Palästinenser verdienen es, frei in ihrem Staat zu leben, wie die Israelis es verdienen, sicher unter Millionen Arabern zu leben.“ 1979 begleitete sie ihren Mann nach Israel. Sie ist die bislang einzige ägyptische First Lady, die den jüdischen Staat bereiste.

Kritik an Mubarak, Unterstützung für Al-Sisi

Am 6. Oktober 1981 traf ein, was die Präsidentengattin befürchtet hatte: Während einer Zeremonie im Gedenken an den Oktoberkrieg (Jom-Kippur-Krieg) von 1973 wurde Anwar as-Sadat von Islamisten ermordet. Sie selbst verletzte sich leicht an der Hand, als Sicherheitskräfte das Feuer erwiderten.

Neuer Präsident wurde der bisherige Stellvertreter Hosni Mubarak, der 2011 gestürzt wurde. Ihm stand die Witwe seines Vorgängers kritisch gegenüber, was sie auch im Artikel von 2009 formulierte: „Mubarak war nicht mit seinem Volk verbunden, und das ist der Unterschied zwischen ihm und Sadat, der die Herzschläge der Straße wahrnahm und sich danach richtete.“

Den heutigen Staatspräsidenten Abdel Fattah al-Sisi unterstützte sie hingegen. Er würdigte die Verstorbene posthum mit der Wissam al-Kamal-Auszeichnung, die Frauen vorbehalten ist. Außerdem soll eine neue Hauptstraße im Raum Kairo nach Dschihan as-Sadat benannt werden, berichtet die israelische Zeitung „Yediot Aharonot“.

Der israelische Staatspräsident Jitzchak Herzog sprach am Freitag mit dem ägyptischen Botschafter Chaled Asmi und kondolierte. „Dschihan stand an der Seite von Präsident Sadat bei der historischen Tat seines Besuches in Jerusalem und des Schaffens von Friedens mit Israel“, sagte er. Auch Verteidigungsminister Benny Gantz (Blau-Weiß) bekundete den Ägyptern sein Beileid.

Ägyptischer Vater, britische Mutter

Dschihan kam 1933 als Tochter eines ägyptischen Vaters aus der Mittelschicht und einer britischen Mutter zur Welt. 1949 heiratete sie den Offizier Anwar as-Sadat. Sie bekamen die Töchter Noha, Gihan, Lobna sowie den Sohn Gamal. 1970 wurde Anwar als Nachfolger von Gamal Abdel Nasser, der an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben war, ägyptischer Präsident.

Als First Lady setzte sich Dschihan as-Sadat für Gleichberechtigung und Frauenrechte ein. Sie nahm Einfluss auf Reformen in der Verfassung. Die nach ihr benannten „Dschihan-Gesetze“ verbesserten die Rechtslage etwa für geschiedene Frauen. Zudem war sie Präsidentin des Ägyptischen Roten Halbmondes. An der Universität Kairo studierte sie Arabische Literatur und promovierte 1986 im Fach Vergleichende Literatur. Sie veröffentlichte zwei Bücher: „Eine Frau aus Ägypten“ und „Meine Hoffnung auf Frieden“.

Von: eh