Während der Unterzeichnungszeremonie war der Bildschirm im israelischen Fernsehen zeitweise geteilt: Links sind Bilder aus Aschdod zu sehen

Während der Unterzeichnungszeremonie war der Bildschirm im israelischen Fernsehen zeitweise geteilt: Links sind Bilder aus Aschdod zu sehen

Ein geteilter Bildschirm

Während der Unterzeichnung zweier Abkommen mit Golfstaaten verdeutlicht ein geteilter Bildschirm, wie nah Krieg und Frieden aneinander liegen. Für die Palästinenser sind die neuen Verträge wegen der schwindenden arabischen Unterstützung ein Ärgernis, wie Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm beobachtet.

Da der Aufenthalt in Restaurants oder Pubs verboten war, blieb den Israelis keine Wahl, als die historische Zeremonie vor dem Fernseher zuhause zu verfolgen. Stundenlang standen die amerikanischen Marines unbewegt stramm vor dem Weißen Haus mit einer Flagge im rechten Arm. Schließlich tauchten US-Präsident Donald Trump, Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sowie die Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains auf für die Zeremonie der Vertragsunterzeichnung.

Der israelische Premier war allein nach Washington gereist. Kein einziger Minister hatte ihn begleitet und außer Netanjahu kannte niemand den Text des Abkommens. Der soll erst in der kommenden Woche dem Kabinett und dem Parlament zwecks Abstimmung vorgestellt werden. Es werden zwar keine Geheimparagrafen erwartet, aber es gab in Israel durchaus Diskussionen, weil allein der umstrittene Regierungschef voll informiert war.

Kaum hatte die Zeremonie in Washington auf dem Rasen vor dem Weißen Haus begonnen, wurde der Bildschirm am Fernseher geteilt. Rechts ging es weiter mit der Zeremonie, während links der Nachthimmel über dem Süden Israels eingeblendet wurde. Denn just in der Sekunde, als Trump seine Gäste zur Unterzeichnung einlud, schoss die Hamas im Gazastreifen zwei Raketen auf Israel ab.

Eine Rakete auf die südisraelische Küstenstadt Aschkelon konnte von dem Abwehrsystem Eisenkuppel abgeschossen werden. Am Himmel war ein großes Feuerwerk zu sehen, als die Raketentrümmer in alle Richtungen zerstoben. Eine zweite Rakete schlug auf dem Parkplatz vor einem Einkaufszentrum in der Hafenstadt Aschdod ein. Acht Menschen wurden mit Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert, unter ihnen eine schwangere Frau. Sämtliche Schaufenster des Einkaufszentrums waren zertrümmert und an mehreren Fahrzeugen entstand Totalschaden. Bei vielen anderen Autos zersplitterten die Fensterscheiben.

Palästinenser isoliert

Für die Palästinenser, in Gaza wie bei der Autonomiebehörde in Ramallah, gilt der „Friedensvertrag“ zwischen Israel und den Emiraten sowie das Abkommen mit Bahrain als „Verrat“, weil erstmals die Palästinenser außen vor gelassen worden waren. Bisher hatten die strikte Ablehnungspolitik der Palästinenser und der totale Boykott Israels die 22 arabischen Staaten zusammengekittet.

Plötzlich war dieser selbstverständliche Zusammenhalt gerissen, und niemand weiß im Moment, ob andere arabische Staaten dem Schritt der Emirate und Bahrains folgen werden. Schon ist die Rede von direkten Flügen nach Marokko, sowie der Aufnahme von Geschäftsbeziehungen Israels mit Tunesien. Sogar der Irak zeige „Interesse“ an dieser Entwicklung, vor allem wegen finanzieller Erwägungen.

Prominenten Widerstand leisten vor allem die Europäer mit ihrem Mantra der „Zwei-Staaten-Lösung“. Die hat freilich seit Jahrzehnten jeglichen Fortschritt in Richtung Frieden blockiert, weil sich die Palästinenser weigern, Israel als „jüdischen Staat“ anzuerkennen. In europäischen Medien war sogar von einer „Kapitulation“ vor der amerikanischen Politik die Rede, als wäre Frieden ein Kriegsakt. Dabei ist unklar, ob die Europäer dem derzeitigen Präsidenten den Erfolg nicht gönnen, oder ob sie tatsächlich die palästinensische Vernichtungspolitik gegenüber Israel blindlings gepachtet haben. Die Hamas und die „Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) in Ramallah verpassen keine Gelegenheit zu erklären, dass es Frieden in Nahost erst geben könne, sowie ganz „Palästina“ von Juden befreit sei.

Sie können sich über Disqus, Facebook, Twitter oder Google anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen ein, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die unsachliche Formulierungen oder externe Links enthalten. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1.600 Zeichen (einschließlich Leerzeichen) nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Die Freischaltung kann bis zu 24 Stunden in Anspruch nehmen. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus