Die Vereinigten Arabischen Emirate sehen eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zu Israel durch eine Annexion gefährdet. Bild: Blick auf den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Abu Dhabi.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sehen eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zu Israel durch eine Annexion gefährdet. Bild: Blick auf den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Abu Dhabi.

Vereinigte Arabische Emirate warnen Israel vor Annexion

Die Vereinigten Arabischen Emirate appellieren an Israel, die wachsende Annäherung an arabische Staaten nicht durch eine Annexion des Westjordanlandes aufs Spiel zu setzen. Der Botschafter des Landes in den USA wendet sich für seinen Aufruf direkt an die Israelis.

ABU DHABI (inn) – In einem ungewöhnlichen Schritt hat sich der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in den USA, Jusef al-Otaiba, direkt an Israel gewandt. In einem Beitrag für die Zeitung „Yediot Aharonot“ warnte er den jüdischen Staat eindringlich vor einer Annexion des Westjordanlandes.

Israelische Politiker hätten in letzter Zeit aufgeregt über eine Normalisierung der Beziehungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten gesprochen. Doch die israelischen Pläne zur Annexion und die Rede von Normalisierung seien ein Widerspruch, schreibt Al-Otaiba. Sein Artikel erschien am Freitag auf der Titelseite von „Yediot Aharonot“ sowie in der Internetausgabe.

„Die Annexion ist eine einseitige und bewusste Handlung, sie ist die illegale Besitzergreifung palästinensischen Landes. Sie widerspricht dem arabischen – und in der Tat dem internationalen – Konsens über das palästinensische Recht auf Selbstbestimmung“, führt der Botschafter aus. Er warnt vor einem Aufflammen von Gewalt und vor „Schockwellen in der Region“, insbesondere in Jordanien. Die Stabilität des Haschemitischen Königreiches werde oft als selbstverständlich angesehen, komme aber der gesamten Region zugute, insbesondere Israel.

Die VAE seien seit Jahren ein unerschütterlicher Befürworter des Friedens im Nahen Osten. Sie hätten Engagement und Konfliktreduzierung gefördert.

„Wir haben uns konsequent und aktiv gegen Gewalt auf allen Seiten ausgesprochen: Wir haben die Hisbollah als terroristische Organisation bezeichnet, die Anstiftung der Hamas verurteilt und israelische Provokationen angeprangert“, schreibt Al-Otaiba in seinem Beitrag. Er betont, sein Land bleibe ein „leidenschaftlicher Verfechter des palästinensischen Volkes und ein langjähriger Verfechter der arabischen Friedensinitiative“.

Emirate könnten ein offenes Tor für Israel sein

Eine israelische Annexion des Westjordanlandes werde Israels Bemühungen „um mehr Sicherheit, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zur arabischen Welt und zu den VAE auf den Kopf stellen“, warnt der Botschafter. Dabei könnten erweiterte Beziehungen der „beiden am weitesten fortgeschrittenen und diversifizierten Volkswirtschaften der Region“ Wachstum und Stabilität im Nahen Osten beschleunigen.

Al-Otaiba wies auch auf die gemeinsamen Interessen in den Bereichen Klimawandel, Wasser- und Ernährungssicherheit sowie neue Technologien hin. Schon jetzt seien israelische Diplomaten in Abu Dhabi am Sitz der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien der Vereinten Nationen ständig präsent. „Als globales Zentrum für Fluglinien, Logistik, Bildung, Medien und Kultur könnten die VAE ein offenes Tor sein, das Israelis mit der Region und der Welt verbindet“, schreibt der Emirati.

Israels als Chance sehen, nicht als Feind

Seinen Beitrag schloss der Diplomat mit den Worten: „In den Vereinigten Arabischen Emiraten und in weiten Teilen der arabischen Welt möchten wir glauben, dass Israel eine Chance und kein Feind ist. Wir sind zu vielen gemeinsamen Gefahren ausgesetzt und sehen das große Potenzial wärmerer Beziehungen. Die Entscheidung Israels über die Annexion wird ein unverkennbares Signal dafür sein, ob Israel das genauso sieht.“

Al-Otaiba veröffentlichte zudem über den Kurznachrichtendienst Twitter ein Video. Darin erklärt auf Englisch, warum er einen Beitrag in einer israelischen Zeitung veröffentlicht hat. Die VAE wollten direkt zu den Israelis sprechen, sagt der Diplomat. Die Direktorin für strategische Angelegenheiten im Außenministerium, Hend al-Otaiba, verbreitete den Beitrag über Twitter auf Hebräisch.

Die Emirate habe keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Dennoch gibt es viele Zeichen der Annäherung und in vielen Bereichen hinter den Kulissen bereits eine Zusammenarbeit. Die neue israelische Regierung bereitet derzeit die Ausweitung ihrer Souveränität auf Teile des Westjordanlandes vor. International ist dieser Schritt heftig umstritten.

Von: dn

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