Am Montag haben sich der philippinische Präsident Duterte und der israelische Premier Netanjahu in Jerusalem getroffen

Am Montag haben sich der philippinische Präsident Duterte und der israelische Premier Netanjahu in Jerusalem getroffen

Umstrittener philippinischer Präsident in Israel

Rodrigo Duterte ist der erste philippinische Präsident, der Israel besucht. In der Vergangenheit fiel er durch einen kruden Hitler-Vergleich und rabiates Vorgehen gegen Drogendealer auf.

JERUSALEM (inn) – Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat Adolf Hitler bei seinem Staatsbesuch in Israel als „geistesgestört“ bezeichnet. Eigentlich wäre diese Aussage keine Nachricht wert. Aber Duterte war in der Vergangenheit durch einen kruden Hitler-Vergleich bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität in seinem Land aufgefallen. Sein viertägiger Besuch stand deshalb auch im Fokus von Menschenrechtsgruppen.

Bei seiner Rede in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Montag sagte Duterte laut der Online-Zeitung „Times of Israel“: „Das ist Wahnsinn, was in Europa passiert ist. Ich kann mir kein Land vorstellen, das einem wahnsinnigen Führer gehorcht. Ich werde niemals diesen Blutrausch eines menschlichen Wesens begreifen, das alte Menschen, Männer, Frauen und Kinder umgebracht hat.“ Weiter sagte er: „Ich hoffe, das wird niemals wieder passieren. Ich hoffe, die Welt hat daraus gelernt. Mein Land wird sicherstellen, dass so etwas nie wieder passieren kann.“

Dutertes Hitler-Vergleich

Duterte hatte im Jahr 2016 einen internationalen Skandal verursacht, als er seinen Anti-Drogen-Krieg auf den Philippinen mit dem Mord an sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges verglich: „Hitler hat drei Millionen Juden massakriert. Nun, es gibt hier drei Millionen Drogenabhängige. Ich würde sie gerne abschlachten.“ Der philippinische Präsident entschuldigte sich später für den Vergleich. Wobei er sich für die Erwähnung der Juden, nicht für die geplante massenhafte Tötung im Anti-Drogen-Krieg entschuldigte.

Staatliche Statistiken besagen, dass Dutertes Regierung seit dem Amtsantritt im Jahr 2016 rund 5.000 Tode und 50.000 Festnahmen im Anti-Drogen-Krieg verzeichnet hat. Menschenrechtsgruppen schätzen die Zahlen noch deutlich höher. Die Exekutierung der Drogendealer per Kopfschuss ist dabei eine gängige Praxis der Polizei.

Duterte mit seiner Tochter Sara Duterte-Carpio in Yad Vashem

Duterte mit seiner Tochter Sara Duterte-Carpio in Yad Vashem

Wo Israel und die Philippinen Gemeinsamkeiten haben

Mit dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu sprach Duterte über die Gemeinsamkeiten der beiden Staaten: „Wir teilen die gleiche Leidenschaft für Frieden und Menschen. Aber wir teilen auch die gleiche Leidenschaft dafür, dass ein Land nicht von denjenigen zerstört wird, die in ihren korrupten Ideologien nichts anderes als Mord und Zerstörung verbreiten.“ Duterte ist der erste philippinische Präsident, der Israel besucht hat.

Netanjahu und Duterte versicherten sich gegenseitig „historisch gute bilaterale Beziehungen“. Der israelische Premier thematisierte die Zehntausenden von Philippinos, die in Israel vor allem im Pflegebereich tätig sind. Er erzählte, wie sich eine philippinische Pflegekraft um seinen über 100-jährigen Vater „unglaublich gut kümmerte“. Als sein Vater mit 102 Jahren verstarb, übernahm die Pflegerin auch die Betreuung seines Onkels. Netanjahu sei „tief berührt“ von der Menschlichkeit, die philippinische Einwanderer in Israel gegenüber den Senioren zeigten.

Außergewöhnliche Rolle im Zweiten Weltkrieg

Wichtig war es auch für Netanjahu, die „außergewöhnliche Rolle“ zu betonen, welche die Philippinen bei der Aufnahme von jüdischen Flüchtlingen im Zweiten Weltkrieg gespielt haben. Außerdem seien die Philippinen das einzige asiatische Land, das im Jahr 1947 für den UN-Teilungsplan von Palästina unter britischem Mandat gestimmt habe. „Wir erinnern uns an unsere Freunde. Diese Freundschaft ist besonders über die vergangenen Jahre aufgeblüht“, sagte Netanjahu.

Auf die Reise hatte Duterte auch seine Tochter Sara mitgebracht. Deren jüdischer Großvater war vor den Nazis geflohen und wurde von den Philippinen aufgenommen. Die beiden Regierungschefs unterzeichneten verschiedene Abkommen. Eines soll die Arbeitsbedingungen für philippinische Pflegekräfte in Israel verbessern, indem die mehrere Tausend Euro teure Vermittlungsgebühr für diese Arbeitskräfte wegfällt.

Gegenüber dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin zeigte sich Duterte am Dienstag dankbar für die Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus. Wenn es um den Kauf von Waffen gehe, gebe es nur ein Land – Israel. Die Ausrüstung habe seinen Truppen im fünfmonatigen Kampf gegen Terroristen des „Islamischen Staat“ bei der Stadt Marawi geholfen. Israel habe auch Geheimdienstinformationen geliefert. Das internationale Friedensforschungsinstitut in Stockholm schätzt die israelischen Waffenverkäufe an die Philippinen im vergangenen Jahr auf umgerechnet 18 Millionen Euro.

Menschenrechtler hatten Rivlin aufgefordert, das Treffen mit Duterte abzusagen. Vor seinem Anwesen protestierten einige Dutzend Demonstranten. Sie hielten Schilder hoch, auf denen beispielsweise der philippinische Präsident abgebildet war. Darunter stand „Stoppt das Töten“.

Von: mm

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