Eritreische Flüchtlinge sitzen im Levinsky-Park in Tel Aviv

Eritreische Flüchtlinge sitzen im Levinsky-Park in Tel Aviv

Protest gegen Abschiebung afrikanischer Flüchtlinge

In Tel Aviv gehen Aktivisten für Tausende afrikanische Flüchtlinge, die abgeschoben werden sollen, auf die Straße. Es gibt eine Gegendemonstration. Die UN wollen bei der Problemlösung helfen.

TEL AVIV (inn) – Aktivisten haben am Dienstagabend in Tel Aviv gegen die Abschiebung eritreischer und sudanesischer Migranten demonstriert. Die rund 200 Menschen gerieten laut der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ in ein Handgemenge mit Gegendemonstranten, welche die geplante Maßnahme der israelischen Regierung unterstützen.

Die Demonstration fand im Süden Tel Avivs statt, wo die Polizei die Straßen abgesperrt hatte. Seit der Bekanntgabe des Regierungsplans, die Migranten abzuschieben, hat sich dieser Teil der Stadt zum Zentrum des Protests und Gegenprotests entwickelt. Der Sprecher der Aktivisten, Jigal Rambam, erklärte: „Wir sind Pluralisten, 35.000 Menschen aus Afrika werden euch nicht stören.“ Israel habe schwarze Menschen noch nie gemocht. Rambam warf den Gegendemonstranten vor, gegen schwache Menschen ohne sozialen Status zu kämpfen: „Das ist eine Schande.“

Die Aktivisten wurden bei ihrem Protest von einigen Migranten unterstützt, welche die Abschiebung betrifft. „Yediot Aharonot“ zitiert einen Mann aus Eritrea namens Johnny: „Ich kann nicht in mein Land zurück. Wenn ich nach Schweden gehen könnte, würde ich das tun. Aber ich bin hier, weil ich keine Wahl habe. Lasst mich in Israel sein, weil ich sonst nirgendwo sein kann.“ Als Grund, nicht zurückzukönnen, gab er an, dass in seiner Heimat ein Diktator an der Macht sei.

Gegendemonstranten unterstützen Regierung

Die Gegendemonstranten nennen sich „Befreiungsfront von Süd-Tel Aviv“. Migranten wie Johnny werfen sie vor, Feiglinge zu sein, die Familie zurückzulassen und nicht für das eigene Land zu kämpfen. Die Position dieser Gruppe drückte ihre Sprecherin Scheffi Pas aus: „Wir kämpfen für die Regierung, um die Eindringlinge abzuschieben und um ihr Zeit für ihre Maßnahmen zu verschaffen.“ Die Befreiungsfront wolle jetzt ihre Kräfte auf die Wiederherstellung der Nachbarschaften und den Kampf gegen Menschen konzentrieren, die Asylsuchende in Tel Aviv unterstützen.

Durch die früher eher durchlässige südliche Grenze Israels sind etwa 27.000 Eritreer und 7.700 Sudanesen eingewandert. Zahlreiche dieser Migranten haben sich im Süden Tel Avivs angesiedelt. Das führte teilweise zu Vorbehalten unter den dort lebenden Israelis. Wegen der Masseneinwanderung hat das Land an der Grenze zu Ägypten einen Sicherheitszaun gebaut, der den Strom stoppte.

Geld und ein Flugticket nach Hause

Vergangenen Mittwoch hatte die Regierung den afrikanischen Migranten, die illegal in Israel leben, zum einen Geld für die Ausreise geboten. Umgerechnet rund 3.000 Euro und ein freies Flugticket in ihre Heimat oder ein Drittland sollen die Migranten bekommen. Zum anderen drohte die Regierung denjenigen mit Gefängnisstrafen, die sich ab April noch im Land aufhalten. Eine Großzahl dieser afrikanischen Migranten gibt als Grund der illegalen Einwanderung die Flucht vor dem Krieg, Verfolgung oder wirtschaftliche Not an. Israel behandelt die meisten der Migranten als Wirtschaftsflüchtlinge.

UN setzen auf Europa

Die Vereinten Nationen (UN) haben Israel aufgefordert, diesen Plan nicht umzusetzen und bieten stattdessen ihre Hilfe bei der Umsiedlung der Migranten an. Wie die Vertretungsstelle der UN für Flüchtlinge am Dienstag mitteilte, könnten einige dieser Migranten auf Europa und andere Länder der Welt verteilt werden. „In Europa haben Eritreer eine hohe Anerkennungsrate als Flüchtlinge, die vor Krieg und Verfolgung fliehen“, sagte der Hohe Kommissar der UN für Flüchtlinge, William Spindler.

Als Drittländer, in die Israel die Migranten abschieben will, haben Menschenrechtsgruppen Ruanda und Uganda ausgemacht. Beide Länder teilten vergangenen Freitag mit, dass sie bislang keinerlei Abmachungen mit Israel hätten, wonach sie afrikanische Flüchtlinge bei sich aufnehmen würden.

Von: mm

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