Israels Justizministerin Ajelet Schaked äußert sich besorgt zum Erfolg der AfD

Israels Justizministerin Ajelet Schaked äußert sich besorgt zum Erfolg der AfD

Israel beäugt AfD skeptisch

Der Stimmenzuwachs der AfD ist neben Angela Merkels Wahlsieg das Thema in den israelischen Medien. Israelische Spitzenpolitiker halten sich zurück – und klingen doch besorgt.

JERUSALEM/BERLIN (inn) – Israelische Politiker halten sich aktuell zurück, wenn es um den Einzug der AfD in den Bundestag geht. Wenn sie sich äußern, klingen sie jedoch besorgt. Die israelischen Medien schauen derweil genau auf die Aussagen der AfD-Spitzenkandidaten.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu gratulierte Angela Merkel: „Glückwünsche für Angela Merkel, eine wahre Freundin Israels, zu ihrer Wiederwahl als Kanzlerin von Deutschland.“ Er enthielt sich aber eines Kommentars zur AfD. Der Premier äußerte sich allgemein zu Antisemitismus in Deutschland: „Israel ist besorgt über den zunehmenden Antisemitismus in den vergangenen Jahren unter politischen Elementen rechts und links und auch bei islamischen Elementen“.

Die israelische Justizministerin Ajelet Schaked äußerte sich dagegen zum Erfolg der AfD besorgt: „Ich hoffe, dass die Deutschen sorgfältig die Geschichte ihres Landes studieren, des Holocaust gedenken und an alle Gründe denken, die zu dieser Tragödie geführt haben.“

„Riesiges Warnsignal für Israel“

Beobachter wie der „Welt“-Korrespondent Gil Yaron erklären die Zurückhaltung einiger israelischer Politiker bei der AfD damit, dass sie nationalistische Kräfte in europäischen Staaten als potenzielle Verbündete im Kampf gegen den radikalen Islam betrachten. Bislang meldeten sich vor allem israelische Politiker aus der zweiten und dritten Reihe.

Der Knesset-Abgeordnete der Arbeitspartei, Nachman Schai, nannte den Einzug der AfD in den Bundestag ein „riesiges Warnsignal für Israel und das gesamte jüdische Volk“. Der Vorsitzende der Freundschaftsgruppe Deutschland-Israel sieht die „Eroberung eines wichtigen Teils der deutschen Öffentlichkeit durch Rechtsextreme und Rassismus“ als klares Zeichen, dass die „demokratische Hülle“ zerbrechlich sei.

Die Erinnerungsarbeit und die Lehren, die Deutschland aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen hat, lobte das Mitglied der Oppositionspartei Jesch Atid, Elazar Stern. Gleichzeitig wünscht er sich als Sohn von Holocaust-Überlebenden mehr Investitionen in Aufklärung. „Heute ist die AfD gegen Muslime, morgen gegen Israelis, die in Berlin wohnen“, sagte Stern.

Wachsende AfD könnte israelische Investoren abschrecken

Der Präsident der israelisch-deutschen Gesellschaft, Grischa Alroi-Arloser, glaubt, dass das gute Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl nicht dem Ansehen Deutschlands schade. Allerdings könnte sich das ändern, wenn die Partei weiter wachse: „Sollte die AfD in Zukunft bei Landtagswahlen in Ostdeutschland stärkste Kraft werden, könnte das israelische Investoren abschrecken.“

Die israelischen Medien werten das Ergebnis der AfD als Teil eines globalen Trends, die deutsch-israelischen Beziehungen sehen sie aber nicht in Gefahr. Die Aussage des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland, Deutschland stehe zwar an der Seite Israels, aber es sei schwierig zu beantworten, ob das Existenzrecht zur deutschen Staatsräson gehöre, findet sich in vielen israelischen Zeitungen wieder. Die auflagenstärkste Tageszeitung „Israel Hayom“ hob Gaulands Aussagen hervor, Juden in Deutschland hätten von der AfD nichts zu befürchten und seine Partei stehe positiv zu Israel.

Israelische Zeitung: Altbekanntes Provokationsmuster

Die Tageszeitung „Ha‘aretz“ analysiert Gaulands neueste Äußerungen im Gesamtkontext. „Wie schon die antisemitischen und rassistischen Kommentare zur Wehrmacht orientieren sich Gaulands Bemerkungen an dem geleakten 13-seitigen Strategiepapier der Partei.“ Danach seien Mitglieder angehalten, sorgfältig geplante Provokationen zu äußern, um die etablierten Parteien zu schwächen. Umso mehr die Altparteien die AfD dann stigmatisierten, umso positiver sei das für das Profil der AfD. Die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ wiederum schreibt in ihrem Kommentar, dass eine nationalistische Partei wie die AfD nicht automatisch mit den Nationalsozialisten gleichzusetzen sei. Nationalisten als Nazis oder Faschisten zu beschreiben, führe einen dunklen Weg hinab, der letztlich die Abschaffung der Meinungsfreiheit bedeute.

Von: mm

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