Pew-Studie gibt Israel schlechte Noten

Laut einer Studie werden nicht-jüdische Religionen in Israel stark benachteiligt. Die Einschränkungen für die Minderheiten sollen laut den Autoren zu den schärfsten der Welt gehören.
Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Israel nicht-jüdische Religionsgemeinschaften benachteilige

Foto: zanskar, thinkstock

Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Israel nicht-jüdische Religionsgemeinschaften benachteilige

WASHINGTON (inn) – Das Pew-Forschungszentrums hat am Montag eine Studie veröffentlicht, der zufolge Israel zu den religiös restriktivsten Ländern der Welt zählt. Der jüdische Staat landet knapp hinter Syrien und dem Iran sowie vor Tunesien und der Türkei. Das Ergebnis stammt aus einer weltweiten jährlichen Studie zur Religionsfreiheit. Untersucht wurden acht verschiedene Bereiche, zum Beispiel interreligiöse Spannungen im Land oder die Bevorzugung einer bestimmten Religion von staatlicher Seite. Die schlechte Platzierung erhielt Israel im Bereich „allgemeine Gesetzgebung und Politik, die Religionsausübung einschränkt“.

Darin wurde untersucht, ob die Verfassung des jeweiligen Landes oder die aktuelle Gesetzgebung bestimmte Religionsgemeinschaften benachteiligt. In Eritrea, dem Spitzenreiter in dieser Kategorie, sind zum Beispiel nur vier Religionsgemeinschaften staatlich anerkannt: Die eritreische orthodoxe Kirche, Katholiken, Lutheraner und Sunniten. Nur sie haben ein Recht auf Religionsausübung. Saudi-Arabien verbietet sogar „jeden Versuch, Zweifel an den Fundamenten des Islam zu säen“. Dort ist es gesetzlich verboten, vom Islam zu einer anderen Religion überzutreten.

Übergriffe von Ultra-Orthodoxen

Der Report des Washingtoner Forschungszentrums erwähnt nicht, warum Israel so weit oben auf der Liste steht. Israel definiert sich selbst als jüdischen Staat. Das Oberrabbinat des ultra-orthodoxen Judentums hat die Hoheit über Eheschließungen, Scheidungen, Beerdigungen und jüdische Konversionen im Land. Das hat für Juden zur Folge, dass etwa nicht-orthodoxe Hochzeiten vom Staat nicht anerkannt werden. Andererseits können etwa muslimische oder christliche Schulen die Ferien nach ihren jeweiligen Feiertagen ausrichten. Und jedem Bürger steht ein arbeitsfreier Tag in der Woche zu: wahlweise am Freitag, Samstag oder Sonntag.

Unter den ersten zehn Ländern erscheint Israel auch in der Kategorie „gesellschaftliche Feindseligkeit gegen religiöse Gruppen“. Die genaue Platzierung gibt der Report nicht an, da aufgrund mehrerer Gleichstände mehr als zehn Ländern gelistet werden. Als Grund für Israels schlechtes Abschneiden nennen die Wissenschaftler hier Berichte von Autofahrern, die von Ultra-Orthodoxen wegen Fahrens am Schabbat angegriffen wurden. Auf den Rängen hinter Israel folgen Afghanistan, Algerien, Ägypten und Frankreich.

Deutschland kommt schlecht weg

Deutschland erscheint in dieser Kategorie sogar an erster Stelle. Als „Feindseligkeit“ wird hier die Missionierung der seit 2015 ins Land gekommenen Migranten genannt, die zum Teil vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen waren. Deutsche Christen hätten ihnen etwa kostenlose Fahrdienste und Mahlzeiten angeboten. Damit hätten sie tausende Asylbewerber zu einer Taufe bewegt, indem sie deren Angst vor Abschiebung ausnutzten.

Gerügt wird Deutschland auch in der Kategorie „Einschränkungen für Aktivitäten religiöser Gruppen und Individuen“, obwohl es hier nicht unter die „Top Ten“ fällt. Grund ist ein Urteil des Landgerichts Köln aus dem 2012, das die Beschneidung von Jungen verbietet. Die Autoren merken an, dass die Beschneidung aus Rücksicht auf Juden und Muslime mittlerweile aus religiösen Gründen wieder erlaubt ist.

Die Pew-Studie zur Religionsfreiheit ist die zehnte ihrer Art. Sie umfasst 192 der 193 Mitglieder der Vereinten Nationen. Dazu kommen sechs selbstverwaltete Gebiete wie Hongkong oder auch die palästinensisch verwalteten Gebiete, womit insgesamt 99,5 Prozent der Weltbevölkerung abgedeckt werden.

Insgesamt ist die Zahl der Länder, die die Religionsfreiheit stark oder sehr stark einschränken, von 40 im Jahr 2007 auf 52 im Jahr 2017 gestiegen. Die Benachteiligung anderer oder die Bevorzugung einer bestimmten Staatsreligion sei ein weltweit wachsender Trend. Einzig im Nahen Osten wurde kein signifikanter Anstieg festgestellt, da die Bevorzugung der Staatsreligion „auf einem derart hohen Level ist, dass auf der Skala nicht viel Raum für einen Anstieg bleibt“. Weltweit handelt es sich in 63 Prozent der Fälle von Bevorzugung einer Staatsreligion um den Islam.

Von: tk

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