Nationalbibliothek zeigt Fundstücke zum Ramadan

Anlässlich des Ramadans stellt die Israelische Nationalbibliothek Handschriften und Fotos aus. Auch historische Zeitungsartikel und musikalische Beiträge ermöglichen dem Online-Besucher einen Zugang zum muslimischen Fastenmonat.
Von Israelnetz

Foto: Israelische Nationalbibliothek

Die Zeitung „Ad-Difaa“, „Die Verteidigung“, listet die Gebetszeiten zum Ramadan 1939

JERUSALEM (inn) – Zum dritten Mal in Folge zeigt die Israelische Nationalbibliothek (NLI) anlässlich des Fastenmonats Ramadan digitale Inhalte. Neben seltenen Koranmanuskripten bietet die Homepage ausgewählte Bilder von betenden Muslimen auf dem Tempelberg aus den vergangenen Jahrzehnten und künstlerisch gestaltete Frontseiten palästinensischer Zeitungen.

Die Ausstellung ist klein, doch Samuel Thrope, Kurator der Islam und Nahost-Sammlung, hofft, künftig weitere Inhalte auf der Seite veröffentlichen zu können: „Die Ausstellung wendet sich an das lokale und globale Publikum und ist weltweit frei verfügbar.“

Zwei Juden mit großer Islam-Sammlung

Die Islam- und Nahost-Sammlung ist eine der größten Sammlungen der Region. Sie enthält etwa 2.500 Handschriften in Arabisch, Persisch und Türkisch aus dem 9. bis 20. Jahrhundert. 1924 hatte die Nationalbibliothek als Teil der neu gegründeten Hebräischen Universität die ersten islamischen Bücher erworben. Vorheriger Besitzer war der ungarische Jude und Islamkundler Ignac Goldziher, dessen 6.000 Bücher die Basis für die Arabische und Islam-Sammlung der Bibliothek bilden.

Der Großteil der heutigen Sammlung ist allerdings Abraham Shalom Yahuda zu verdanken. Dieser war 1877 in Jerusalem in eine irakisch-aschkenasische Familie hineingeboren. Er gilt als großer Forscher des 20. Jahrhundert von jüdischen und islamischen Studien sowie als wichtiger Sammler und Händler arabischer Handschriften.

Sein gutes Auge habe ihm den Kauf von wertvollen Handschriften möglich gemacht. Neben seltenen und künstlerisch gestalteten Koranausgaben habe er auch Ausgaben von Hadithen, den Sammlungen über die Traditionen des Leben des Propheten Muhammad, besessen.

Handschriften mit Charakter

„Eine Handschrift ist so viel mehr als ein Buch“, sagt Thrope gegenüber der Tageszeitung „Jerusalem Post“: „Eine Handschrift zu studieren kommt einer archäologischen Exkursion gleich. An dem Text kannst du die Geschichte, das Material, die Kunst und die Herkunft ablesen.“

Thrope ergänzt: „Zwar ist sie nicht Teil unserer Ramadan-Ausstellung, doch eine Handschrift von Goldziher, die in Ägypten angefertigt wurde, sticht besonders aus der Sammlung. Die Handschrift enthält Goldzihers handschriftliche Notizen, Gedanken und Korrekturen in arabischer und deutscher Sprache.“

Für die Bibliothek sei dies ein besonderer Schatz, denn: „Es ist ein Zeichen dafür, wie die islamisch-intellektuellen Traditionen sich weiterentwickelt und Grenzen überquert haben. Goldziher war ungarischer Jude und Islamexperte. Das ist der Geist, zu dem wir in der NLI Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen und mit verschiedenen Geschichten zu animieren versuchen.“ (mh)

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