HAIFA / EIN GEV (inn) – In den Ruinen einer Kirche aus dem 5. Jahrhundert an der Ostseite des Sees Genezareth haben israelische Archäologen einen rätselhaften Fund gemacht. Neben einem kleinen Taufbecken entdeckten sie auch einen Marmorblock mit drei Vertiefungen.
Gegraben wurde in der antiken Stadt Hippos (aramäisch: Sussita). Parallelen zu dem Fund gebe es nicht, erklärten die Forscher, weder innerhalb noch außerhalb der kirchlichen Sphäre. Ausgehend vom Fundort jedoch – der Marmorblock lag in unmittelbarer Nähe zum Taufbecken – nehmen sie an, dass er im Rahmen von Taufritualen zum Einsatz kam.
Antike Stadt Hippos
In der byzantinischen Zeit war Hippos die einzige christliche Stadt am See Genezareth und ab dem 5. Jahrhundert ein Anziehungspunkt für die Christen der Region. Aufgrund ihrer exponierten Lage auf einem Hügel war sie schon von Weitem sichtbar.
Ganze sieben Kirchen entstanden dort seit dieser Zeit. Die größte davon, die sogenannte Hippos-Basilika, diente wahrscheinlich auch als Bischofssitz. Sie war den frühchristlichen Zwillingen Kosmas und Damian gewidmet, die im 3. Jahrhundert den Märtyrertod starben. Im Jahr 749 wurde Hippos durch ein Erdbeben vollständig zerstört
Der neue Fund gebe möglicherweise Aufschluss über eine lokale Trauftradition. „Wir vermuten, dass die Vertiefungen des Steins Öl enthielten“, schreibt der Leiter der Ausgrabungsstätte Michael Eisenberg in der Fachzeitschrift „Palestine Exploration Quarterly“. „Taufriten umfassten dreimaliges Untertauchen, und die Salbung erfolgte oft vor und nach dem Untertauchen“, was die drei Vertiefungen erklären könne.
Geschichte der Ausgrabung
Eisenberg betreut die archäologische Stätte im Auftrag der Universität Haifa nun schon seit 26 Jahren. Seit 2023 arbeiten er und sein Team daran, die Südseite der Basilika freizulegen. Sie sind nicht die ersten, die sich der Erforschung der antiken Stadt widmen. Bereits in den 1950er Jahren fanden erste Ausgrabungen statt und ein Großteil der Basilika wurde freigelegt.
Schon damals fanden Archäologen ein Taufbecken. Es ist weit größer, als das nun freigelegte, hier konnten erwachsene Gläubige vollständig untergetaucht werden. Eine Wasserleitung versorgte das Becken mit frischem Wasser.
Die Täuflinge kamen aus der ganzen Region, denn die Basilika war dort die einzige Kirche, die über ein Taufbecken verfügte. „Sie hatten ein Monopol“, erklärte Eisenberg gegenüber der israelischen Nachrichtenseite „Times of Israel“. Überhaupt sei es das größte Taufbecken, das man in Israel bisher gefunden habe. (mw)