Mainzer Archäologen finden Spuren alter Siedlung am See Genezareth

Nach Erkenntnissen von Mainzer Forschern entstand der Kalifenpalastes Chirbat al-Minja doch in der Nähe einer Siedlung. Deren Bewohner hatten ein Faible für den Nil.
Von Israelnetz

Foto: JGU/Hans-Peter Kuhnen

Teilausschnitt des Mosaiks mit den Stängelblüten: Im Vordergrund sind Schlagspuren eines Pickels zu sehen, die auf eine mutwilligen Zerstörung der Mosaiken schließen lassen

MAINZ (inn) – Archäologen der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben neue Erkenntnisse zum Umfeld des antiken Kalifenpalastes Chirbat al-Minja am Nordwestufer des Sees Genezareth entdeckt. Demnach entstand der Palast am Rande einer Siedlung, in der Christen oder Juden lebten. Bislang waren die Forscher davon ausgegangen, dass der Palast in einem unbewohnten Gebiet entstand.

Wie die Universität Mainz am Mittwoch mitteilte, fanden die Archäologen unter Leitung von Hans-Peter Kuhnen Steinbauten aus unterschiedlichen Epochen mit verputzten Wänden, einer Zisterne und farbigen Mosaikböden. Als sensationell stuften sie die dort abgebildeten Blüten auf langen geschlungenen Stängeln ein. Diese seien im 5. bis 6. Jahrhundert für sogenannte Nilszenen-Mosaike typisch.

Bilder mit Nilszenen

Diese Mosaike symbolisierten mit Bildern der Tier- und Pflanzenwelt des Niltals die lebensschöpfende Kraft des großen Stroms, der durch die jährlich wiederkehrende Nilflut die Fruchtbarkeit Ägyptens sicherte. Nilszenen-Mosaike kommen deshalb in spätantiken Kirchen wie etwa im Pilgerheiligtum der nahen Brotvermehrungskirche von Tabgha vor, aber auch in luxuriösen Anwesen spätantiker Städte.

Zusammen mit Keramikfunden des 5. bis 7. Jahrhunderts beweise das neu entdeckte Mosaik, dass die Ortschaft am Seeufer bereits Jahrhunderte vor dem Bau des Kalifenplastes bestand. Nach den anfänglich jüdischen oder christlichen Bewohnern sei später eine kleine muslimische Gemeinde hinzugekommen, für die der Kalif im frühen 8. Jahrhundert extra einen Seiteneingang in seine Palastmoschee einbauen ließ.

Exportschlager Zuckerrohr

Den Keramikfunden nach blieb der Ort unter den Umayyaden- und Abbassidenkalifen des 7. bis 11. Jahrhunderts weiter besiedelt. In dieser Zeit fanden neue Baumaßnahmen statt, bei denen Teile der Mosaiken anscheinend der Spitzhacke von Bilderstürmern zum Opfer fielen, ältere Mauern abgebrochen und die Steine zur Wiederverwendung abtransportiert wurden. Zuletzt diente die Trümmerstätte als Gräberfeld, in dem nach typisch islamischer Sitte in Seitenlage mit Blick nach Mekka bestattet wurde.

In der Nachbarschaft legte das Mainzer Team außerdem einen Siedeofen frei, der der Verarbeitung von Zuckerohr diente. Dieser Stoff wurde ab dem frühen Mittelalter zu einem Exportschlager der Landwirtschaft des Heiligen Landes, der die Landbesitzer reich machte. Ökologisch führte dies aber aufgrund des Holz- und Wasserbrauchs durch Bodenerosion zu einer Umweltkatastrophe. Deren Folgen habe das Gebiet um den See Genezareth noch im 20. Jahrhundert zu spüren bekommen.

Kontinuierliche Besiedelung

Für Kuhnen zeigen die Forschungen, dass die Siedlung vor der Schwelle des Kalifenpalastes „über die Jahrhunderte hinweg einen Wechsel von Innovation und Niedergang, aber nie wirkliche Brüche erlebte“. Das Forschungsprojekt war als Lehrgrabung konzipiert. Neben anderen Einrichtungen unterstützte die Israelische Altertumsbehörde das Projekt.

Die Forscher setzten bei ihrer Suche nach Siedlungsresten geomagnetische Oberflächenerkundungen ein. Dabei erfassen und kartieren Magnetsonden feinste Veränderungen des Erdmagnetfeldes, die durch Bodeneingriffe beispielsweise bei Baumaßnahmen entstehen. So lassen sich vergrabene Mauern oder Feuerstellen voraussagen, ohne auch nur den Spaten anzusetzen. (df)

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