Aus aller Welt wandern Juden nach Israel ein - wie hier aus den USA und Kanada (Archivbild)

Aus aller Welt wandern Juden nach Israel ein - wie hier aus den USA und Kanada (Archivbild)

Prophetie – gesagt und getan?!

5. Ijar 5708 jüdischer Zeitrechnung: Ein neuer Staat betritt die Bühne der Welt. Drei Jahre nach dem Ende von Auschwitz und dem Massenmord an den europäischen Juden mit dem Ziel einer „Endlösung der Judenfrage“ beginnt eine neue Epoche der Geschichte Israels. Gläubige sehen darin die Erfüllung biblischer Verheißungen.

Wir sehen heute den modernen Staat Israel und die Einwanderungen von Juden aus aller Welt in dieses Land der Bibel. Ein Zufall in der Weltgeschichte? Die Staatsgründung auf UNO-Beschluss einfach ein günstiger Moment der Weltpolitik nach dem Ende des zweiten Weltkrieges? Oder doch die Erfüllung uralter Prophetenworte in unseren Tagen?

An dieser Stelle wird es spannend. Denn hier scheiden sich die Geister. Und zwar ganz grundsätzlich. Es geht um die Frage: Ist die Bibel Gottes Wort, Gottes Offenbarung – gesagt und aufgeschrieben von Menschen aus Fleisch und Blut auch mit Worten und Vorstellungen ihrer Zeit? Wobei Propheten im Blick auf die Zukunft oft vergleichend schreiben, weil ihnen genaue Begriffe fehlen. Welches Wort sollte der Prophet für ein Flugzeug, ein Auto oder einen Hubschrauber wählen? Im Magazin „Chrismon“ (12/2018) finden sich solche Gedanken im Zusammenhang mit der Geburt des Jesuskindes und der Sicht des Evangelisten Matthäus:

Ein eigenartiger Satz steht an dieser Stelle der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Matthäus. Das alles geschehe, damit sich ein Prophetenwort erfülle: „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben“, auf Deutsch: Gott mit uns (Matthäus 1,22f. mit Bezug auf Jesaja 7,14).

Da darf, da muss man stutzen. Kann es einen solchen Sprung über die Zeiten überhaupt geben, liegen doch Jahrhunderte – sechs bis sieben – zwischen der Lebenszeit der Propheten und der Geburt Jesu. Das müssen ja begabte Männer und Frauen sein, die so lange Zeit vor den Ereignissen wissen, was bevorsteht. Matthäus führt eine ganze Reihe solcher frühen Ankündigungen an: Was er über die Geburt Jesu und deren Umstände anführt, gilt ihm als Erfüllung alter Weissagungen.

Solch rückdatierte Prophetie ist auch heute sehr verbreitet. „Wir ahnten schon immer, dass dieses Kind einmal ein berühmter Mathematiker werden wird“, sagen Eltern.

Verheißungen werden Wirklichkeit!

Das ist Klartext genug mit der Kernaussage: Biblische Prophetie als Vorausschau über Jahrhunderte gibt es nicht. Niemand kann über lange Zeiten ankündigen, was in der Zukunft sein wird. Doch schauen wir ins Buch Hesekiel und in die Zeitung. Israel ist heute ein moderner Industriestaat mit einer Hightech-Branche von Weltniveau. Die landwirtschaftlichen Erfolge setzen Maßstäbe in der Nutzung der Wüsten mit einem Minimum an Wasserverbrauch. Die Tröpfchen-Bewässerung stammt aus Israel und der USB-Stick ebenfalls. Zufall oder sichtbar gewordene Verheißungen?

„Und ihr sollt wohnen im Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein. Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen und will das Korn rufen und will es mehren und will keine Hungersnot über euch kommen lassen. Ich will die Früchte der Bäume und den Ertrag des Feldes mehren, dass euch die Völker nicht mehr verspotten, weil ihr hungern müsst.“ (Hesekiel 36,28ff.).

Biblische Prophetie spannt einen Bogen weit in die Zukunft, aus der Zeit des Propheten gesehen. Es gibt eine Erfüllung auf einer kurzen zeitlichen Linie oft noch in dessen Lebenszeit. Zugleich ist eine lange Line zu entdecken. Hesekiel kündete das Ende Babylons und einen Neuanfang für Israel an. Es geschah so. Und der Prophet verheißt eine Sammlung des Volkes aus allen Ländern, die noch gar nicht geschehen war. Erfüllt sich das gegenwärtig in der Rückkehr von Juden und dem Neuanfang im modernen Staat Israel? Viele Juden und Christen sehen darin ein Zeichen der Treue Gottes in seinem Wort und sagen: Ja!

Von: Egmond Prill

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 1/2020 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5 66 77 00, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online.