Klage gegen Ikea wegen Katalog ohne Frauen

Einen Ikea-Katalog ganz ohne Fotos von Frauen hat es bisher nur in Israel gegeben: Für ultra-orthodoxe Juden. Eine progressiv-jüdische Organisation klagt nun dagegen. Frauen seien dadurch traumatisiert worden.
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Auch in familiären Situationen zeigte der Ikea-Katalog keine Frauen oder Mädchen

Foto: Israel Religious Action Center, Twitter

Auch in familiären Situationen zeigte der Ikea-Katalog keine Frauen oder Mädchen

JERUSALEM (inn) – Der Einrichtungskonzern Ikea sieht sich in Israel mit einer Klage wegen Diskriminierung konfrontiert. Das Unternehmen gab 2017 einen Möbelkatalog für ultra-orthodoxe Juden heraus, in dem auf die Abbildungen von Frauen gezielt verzichtet wurde. Aus Rücksicht auf religiöse Vorstellungen waren auch auf Fotos von Familiensituationen nur Männer und Jungen zu sehen. Eingereicht hat die Sammelklage das Israelische Religiöse Aktionszentrum (IRAC) im Namen von Hannah Katzman, einer orthodoxen Jüdin. Zunächst wurde das Jerusalemer Bezirksgericht am Dienstag gebeten, die Sammelklage anzunehmen.

In der Klage heißt es, der völlige Ausschluss von Frauen und Mädchen aus dem Katalog vermittele ihnen, dass sie nichts wert seien und an ihrer Anwesenheit etwas Falsches sei, sogar in heimisch-familiären Situationen. „Diese Diskriminierung hat die Empfänger des Katalogs schwer beleidigt, verärgert und traumatisiert“, lautet der Vorwurf weiter.

Kataloge ohne Menschen

Um den behaupteten Schaden zu messen, hat das IRAC ultra-orthodoxe Frauen befragt. Demnach sollen sich 20 Prozent von ihnen durch den Katalog angegriffen gefühlt haben. Die Kläger fordern eine Entschädigung in Höhe von umgerechnet 365 Euro für jede der 10.000 nach ihren Schätzungen betroffenen Frauen.

Die Zentrale in Schweden hat nach eigenen Angaben nichts davon gewusst und veröffentlichte sofort eine Entschuldigung. Ikea Israel hat angekündigt, zukünftigt von der Verbreitung von Katalogen ohne Frauenfotos abzusehen. In einem folgenden Katalog für die ultra-orthodoxe Gemeinschaft wurden überhaupt keine Menschen abgebildet. Die Kläger von IRAC fordern, dass Ikea Israel an ultra-orthodoxe Juden die gewöhnlichen Kataloge verteilt.

In Israel sind rund zehn Prozent der rund neun Millionen Einwohner strengreligiöse Juden. Die Abbildung von Frauen in der Öffentlichkeit ist bei ihnen verpönt. Das IRAC ist der öffentliche und gesetzliche Arm des Reformjudentums und setzt sich nach eigenen Angaben für eine tolerante jüdische Gesellschaft, für Frauenrechte und gegen Rassismus ein.

Von: tk

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