Kinderbuchautor Uri Orlev gestorben

Die Bücher von Uri Orlev helfen Kindern und Erwachsenen, die Situation der Juden im Holocaust besser zu verstehen. Nun ist der israelische Autor mit 91 Jahren gestorben. Er stammte ursprünglich aus Polen.
Von Israelnetz

Foto: Yad Vashem

Der nun verstorbene Schriftsteller Uri Orlev veröffentlichte mehr als 30 Kinderbücher

JERUSALEM (inn) – Der israelische Kinderbuchautor Uri Orlev ist tot. Er starb am Dienstag im Alter 91 Jahren in Jerusalem. Viele seiner Bücher befassen sich mit der Scho’ah, dabei nimmt er die Perspektive von Kindern ein.

Orlev wurde 1931 als Jerzy Henryk Orlowski in der polnischen Hauptstadt Warschau geboren. Sein Vater war Arzt. Nach dem deutschen Einmarsch wurde auch seine Familie Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Seine Mutter wurde im Warschauer Ghetto von den Nazis ermordet. Der Vater geriet als Offizier der polnischen Armee in russische Gefangenschaft. Die Tante Stefa kümmerte sich um Jerzy und seinen Bruder Kazik – im Ghetto und auch im Konzentrationslager Bergen-Belsen, wohin sie 1943 deportiert wurden.

Im Frühjahr 1945 wurde das Lager von den Briten befreit. Stefa gelang es, für die beiden Jungen Einreisedokumente ins damalige Mandatsgebiet Palästina zu erhalten. Von da an waren sie auf sich allein gestellt. Orlev arbeitete im Kibbutz Ginegar im Kuhstall. Doch 1954 kam der Vater aus der Kriegsgefangenschaft nach Israel. Dort trafen sie sich wieder.

Mit dem Schreiben von Kinderbüchern begann Orlev in den 1970er Jahren. Das Buch „Lauf, Junge, lauf“ (2001) erzählt die wahre Geschichte eines jüdischen Jungen, der in Wäldern und auf Bauernhöfen der Vernichtung entgeht. Es wurde von Oscar-Preisträger Pepe Danquart verfilmt. Ein weiteres Buch, „Die Insel in der Vogelstraße“ (1981), spielt im Warschauer Ghetto. Zudem übersetzte der Autor polnische Literatur ins Hebräische.

Lapid: Bücher lehren Kinder über Geschichte

Der israelische Premierminister Jair Lapid (Jesch Atid) würdigt den Verstorbenen als „einen der größten Kinderbuchautoren“. Die Online-Zeitung „Times of Israel“ zitiert ihn mit den Worten: „Unsere Kinder sind mit ihm aufgewachsen. Seine Erinnerungen an den Holocaust und die Staatsgründung lehrten sie viel über Geschichte.“

Kulturminister Hili Tropper (Blau-Weiß) schrieb, Orlevs Bücher schafften es, „seine Jugend im Holocaust und seine Einwanderung nach Israel zu schildern und die Schwierigkeiten durch seinen einzigartigen Schreibstil Kindern und Jugendlichen zugänglich zu machen“.

Uri Orlev hat mehr als 30 Bücher veröffentlicht, sie wurden in viele Sprachen übersetzt. 1996 erhielt er den Hans-Christian-Andersen-Preis. Dieser gilt als die renommierteste Auszeichnung für Kinderliteratur. (eh)

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