Israelische Wissenschaftler für Verbleib der „Judensau“

Seit Jahren wird um den richtigen Umgang mit der Wittenberger „Judensau“ gerungen. Nun haben sich rund 50 israelische Wissenschaftler gemeldet und sprechen sich gegen die Abnahme der Schmähplastik aus.
Von Israelnetz
Seit 1290 befindet sich die „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche

JERUSALEM / WITTENBERG (inn) – Die Debatte um die „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche zieht auch international weite Kreise. In einem Schreiben wenden sich nun rund 50 Wissenschaftler israelischer Universitäten, darunter zahlreiche Kunst- und Kulturhistoriker, an den Wittenberger Gemeindekirchenrat.

In dem auf Englisch verfassten Brief sprechen sich die Unterzeichner für einen Verbleib der „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche aus. Antisemitismus lasse nicht durch einen Bildersturm stoppen, schreiben die Wissenschaftler.

Aus ihrer Sicht stelle die Präsenz der „Judensau“ im öffentlichen Raum eine wichtige Erinnerung an die Vergangenheit dar. Würde man die Schmähplastik von der Kirche entfernen, käme dies einer Leugnung der Vergangenheit gleich. Daher sei auch die Versetzung der Skulptur in ein Museum keine Option. Vielmehr müsse die „Judensau“ an Ort und Stelle genutzt werden, um über das Verhältnis von Christen und Juden im Mittelalter aufzuklären. Die Wissenschaftler schlagen vor, die Informationen an der Gedenkstätte weiterzuentwickeln.

Bundesgerichtshof hat geurteilt

Im Juni hatte bereits der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass die „Judensau“ nicht entfernt werden müsse. Aus Sicht der Richter fehle „eine gegenwärtige Rechtsverletzung“, da durch Informationstafeln über das „Mahnmal“ aufgeklärt werde.

Die Plastik von 1290 zeigt eine Sau, die zwei Menschen säugt, die Juden darstellen sollen. Ein Rabbiner hebt den Schwanz des Tiers und blickt ihm in den After. Darüber findet sich der Schriftzug „Schem HaMephoras“ –der hebräische Ausdruck bedeutet „Der festgelegte Name“ und steht für den vierbuchstabigen Gottesnamen, den religiöse Juden nicht auszusprechen pflegen. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein. In der Wittenberger Stadtkirche hatte später auch er Reformator Martin Luther gepredigt und antijüdische Schriften veröffentlicht. (mas)

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9 Antworten

  1. Das passt mal wieder, u.a. Kulturelle. Hier wie dort.
    Am besten hängen sie unter die Judensau ein BDS Plakat.
    OT
    Hier in der Nähe ist eine wirklich wunderschön thronende Kirche, die nicht nur von Einwohnern,
    sondern auch von Pilgern besucht wird. Mit Judensau.
    Das ist dermaßen ekelhaft.

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  2. Laut Wikipedia gibt es in ganz Europa an vielen Kirchen diese Skulpturen In D nicht nur in Wittenberg. Warum wird dies nicht ebenfalls angeprangert? Ich finde dies allerdings nicht mehr zeitgemäß.

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      1. Liebe Maria, es sind ca. 40 (das sind 40 zuviel) im deutschsprachigen Raum.
        Andererseits ist es natürlich wahr – das Verschwinden dieser Schandflecke beseitigt nicht den Antisemitismus, das ist Vogel-Strauß-Verhalten.
        Normalerweise bin ich auch gegen Bilderstürmerei, aus o.g. Gründen, aber da in D gerade bücher-bilder-und gendergestürmt wird was das Zeug hält, sehe ich nicht ein, wieso gerade dieses davon ausgenommen werden sollte.
        LG
        Agnes

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        1. Muss mich entschuldigen, liebe Agnes. Hatte bereits geantwortet, wurde nicht frei geschaltet.
          700 war wohl ein Internet -Fake. Es sind wohl etwas mehr als 40. Danke.
          Natürlich beseitigt eine Beseitigung nicht den Antisemitismus.
          Die documenta ist ein Beispiel.
          OT
          Es wurden hier wieder ein Rabbi und sein Sohn tätlich angegriffen.
          Gehört mittlerweile zum Alltag in Deutschland, der gestiegene Wahnsinn gegen IL.

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  3. Meiner Meinung nach zeigt die “ganze Geschichte” (inklusive der heutige Umgang damit!) dass jeder Mensch erlösungsbedürftig ist, auch gläubige Juden und Christen!!! Dafür starb Jeschua (Jesus) Messias Israels und Christus der Nationen. Am 3.Tag auferweckt von JAHWE aus den Toten, zum Zeichen für uns Menschen, dass SEINE Barmherzigkeit jedem Menschen gilt, der diesem Gott bedingungslos vertraut! Warum ist das so schwer zu glauben (vertrauen)? Jesus spricht: Einer achte den anderen höher als sich selbst! In diesem Sinn lasst uns miteinander leben und umgehen! Schalom Israel und allen, die JAHWE – Gott ehren aus den Nationen!

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  4. Ich bin aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche ausgetreten und trete solange nicht wieder ein, bis die Kirche den Namen Luther aus ihrer Bezeichnung streicht. Luther hat eine Anleitung zum Umgang der Christen mit den Juden “Von den Juden und ihren Lügen” gechrieben, die an Menschenverachtung in Deutschland nur durch die Greueltaten der Nazideutschen und ihrer Helfer übertroffen wurde.
    Die Schmähplastiken an Kirchen in Deutschland müssen aus meiner Sicht alle entfernt werden. es sollte darauf hingewiesen werden, dass es diese Judenverachtung an dieser Stelle gab. Das durch die Plastiken eine Auseinandersetzung über den Umgang mit Juden im Mittelalter stattfinden könnte, halte ich für eine Illusion und für merkwürdige Gedankengänge der Wissenschaftler. Hätten diese sich im Interesse einer gesellschaftlichen Außeinandersetzung auch für den Erhalt von Hakenkreuzen an öffentlichen Gebäuden ausgesprochen?
    Ich denke eher, dass jeder Judenfeind sich innerlich auf die Schenkel klopft und diebisch freut, wenn er an so einer Bild gewordenen Judenverachtung vorbei kommt.

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  5. Natürlich beseitigt eine einzige bösartige Darstellung nicht den Antisemitismus. Ich bin allerdings der Meinung, dass in Deutschland ein umfassender Reinigungsprozess notwendig ist. Dabei speziell die Bestrafung von Hetze durch Arbeitsauflagen, denn andere Strafen machen in Zweifel nur bockiger. Im Gefängnis trifft man sogar gleichgesinnte.

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  6. Eine einzige bösartige Darstellung beseitigt nicht den Antisemitismus. Absolut richtig ausgedrückt von Herrn Peter Bauer. Auch Ich bin der Meinung, dass in Deutschland ein umfassender Reinigungsprozess notwendig ist, denkt man nur an die vor kurzem organisierte Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck, welche niemals stattfinden hätte können, wenn die von jüdischen Hinterbliebenen an die deutsche Regierung strikt geforderten 28 Millionen Euro nicht ganz schnell bezahltt worden wären. Damit hat sich die deutsche Regierung eine beachtliche Vermehrung von Antisemiten eingehandelt, wo die BRD doch stets beteuert, diese bekämpfen zu wollen. Konterkarierter gehts wohl nicht.

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