JERUSALEM (inn) – Die israelische Regierung hat die Charakterisierung des jüdischen Staates als „Krebsgeschwür“ und „Fluch für die Menschheit“ durch den pakistanischen Verteidigungsminister Chajawa Asif (Muslimische Liga) verurteilt. Es handele sich um antisemitische Schmähungen, erklärte der israelische Außenminister Gideon Sa’ar (Neue Hoffnung) am Donnerstag.
Diese Charakterisierung bedeute letztlich die Forderung der Auslöschung Israels, sagte Sa’ar weiter und ergänzte mit Blick auf die Terrormiliz Hisbollah: „Israel wird sich gegen Terroristen verteidigen, die dessen Zerstörung beschwören.“ Das israelische Regierungsamt kritisierte die Äußerung Asifs ebenfalls: „Das ist keine Stellungnahme, die eine Regierung tolerieren kann, besonders wenn sie von jemandem kommt, der sich als neutraler Friedensvermittler präsentiert.“
In dem inzwischen gelöschten Beitrag auf X hatte Asif Israel außerdem vorgeworfen, im Libanon einen Genozid zu verüben. Der 76-Jährige betonte: „Ich hoffe und bete, dass die Menschen, die diesen krebsartigen Staat auf palästinensischem Land geschaffen haben, um sich der europäischen Juden zu entledigen, in der Hölle schmoren.“
Trauertag nach heftigen Angriffen
Israel hatte mit einem heftigen Angriff in Beirut am Mittwoch internationale Kritik hervorgerufen. Das libanesische Gesundheitsministerium sprach zuletzt von mehr als 300 Todesopfern. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz (Likud) gab an, mehr als 200 der Getöteten seien Hisbollah-Mitglieder gewesen.
Der libanesische Premier Nawaf Salam (parteilos) hatte in einer Reaktion für Donnerstag einen Trauertag „für die Märtyrer und Verwundeten der israelischen Angriffe“ angeordnet. Er tue über diplomatische Kanäle alles dafür, „um die israelische Tötungsmaschinerie zu stoppen“.
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Netanjahu drängt auf Verhandlungen mit dem Libanon
Der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) erklärte am Donnerstag, er habe seine Mitarbeiter angewiesen, so bald wie möglich direkte Verhandlungen mit der libanesischen Regierung zu beginnen. Ziel sei die Aufnahme friedlicher Beziehungen und die Entwaffnung der Hisbollah.
Der Schritt erfolge nach „wiederholten Bitten des Libanon“, erklärte Netanjahu weiter. Die Gespräche koordinieren soll der israelische Botschafter in den USA, Jechiel Leitner, gemeinsam mit dem amerikanischen Botschafter im Libanon, Michel Issa. Sie sollen kommende Woche im amerikanischen Außenministerium beginnen.
Armee: Hisbollah ist isoliert
Die israelische Armee erklärte indes, sie führe die intensiven Kämpfe gegen die Hisbollah fort. Ziel sei es, die direkte Bedrohung für die Israelis im Norden des Landes zu beseitigen.
Armeechef Ejal Samir machte sich am Donnerstag im Südlibanon ein Bild von der Lage. Er erklärte, die Hisbollah sei innerhalb des Libanon isoliert und getrennt von ihrer „strategischen Ader“, dem Iran. „Die libanesische Regierung versteht wie nie zuvor, was für ein gewaltiges Problem die Präsenz einer radikalen, fanatischen Terror-Organisation auf ihrem Land darstellt.“
Am Freitagmorgen setzte die Hisbollah ihren Beschuss auf Israel fort. Die Terrormiliz schoss eine Rakete auf die Küstenstadt Aschdod ab, die Israel abfangen konnte. Im Großraum Tel Aviv wurde Alarm ausgelöst wegen möglicher Schäden durch Trümmerteile.
Die Armee hatte zuvor schon gewarnt, dass die Hisbollah Raketen über Nordisrael hinaus feuern könnte. Das Militär beschoss zudem etwa zehn Raketenstandorte, die für den Beschuss Nordisraels gedacht sind. Am Nachmittag fing Israel eine Salve von fünf Raketen ab, die die Hisbollah auf Karmiel abgefeuert hatte.
Vorbereitungen auf Verhandlungen
Unterdessen bereitet sich Pakistan auf die anstehenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA vor. Laut Medienberichten ist die Hauptstadt Islamabad am Freitag wegen großräumiger Absperrungen ungewöhnlich ruhig. Die Stadtverwaltung rief zudem zwei Ruhetage aus, um das Verkehrsaufkommen zu senken.
Die iranische Delegation ist bereits eingetroffen. Sie wird angeführt von Außenminister Abbas Aragschi und Parlamentspräsident Bagher Ghalibaf. US-Vizepräsident JD Vance (Republikaner) will sich im Verlauf des Freitags auf den Weg machen, begleitet vom Sondergesandten der US-Regierung Steve Witkoff und Jared Kushner, Regierungsberater und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump (Republikaner). (df)
2 Kommentare
Pakistan als Vermittler? Lächerlich.
Hisbollah ist isoliert? Die Hisbollah setzt ihren Beschuss auf Israel fort, die libanesische Bevölkerung, 70% islamisch, steht zu Hisbollah.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „Friedensvermittler nennt Israel ein Krebsgeschwür und Fluch der Menschheit.“
Das Gleiche hatte der iranische Präsident Rohani 2018 auch schon mal gesagt. Also das ist keine Neutralität, das ist unakzeptabel. Ich würde es verstehen, wenn Trump nicht weiter verhandeln würde. Aber ihn stört diese Aussage wohl nicht, ebenso andere Staaten der Welt. Oder verurteilt irgendjemand diese Aussage ausser den Israelis? Damals hatte die UN diese Äusserung kritisiert.
Der Pakistani entpuppt sich als waschechter Antisemit: „Ich hoffe und bete, dass die Menschen, die diesen krebsartigen Staat auf palästinensischem Land geschaffen haben, um sich der europäischen Juden zu entledigen, in der Hölle schmoren.“ Ich bin echt fassungslos, dass die Welt dazu schweigt.
Hochachtung für Nethanjahu, der trotz weiteren Beschuss auf Aschdod und Tel Aviv durch die Hisbollah mit dem Libanon verhandeln will. Die 300 liban. Todesopfer sind zu beklagen und zu bedauern.