Israeli sorgt für Trubel in Jakarta

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta kämpft der Muslim Anies Baswedan für eine anti-israelische Partei um den Posten des Gouverneurs. Nun soll der israelfeindliche Politiker für sein Wahlkampflied ausgerechnet bei einem jüdischen Israeli abgekupfert haben.
Freut sich über Aufmerksamkeit in Indonesien: der israelische Musiker Gad Elbas

Foto: Gad Elbaz, Facebook

Freut sich über Aufmerksamkeit in Indonesien: der israelische Musiker Gad Elbas

JAKARTA (inn) – Bei einem Wahlkampf auf Emotionen zu setzen, ist nicht nur in Deutschland das Rezept der Stunde. In der indonesischen Hauptstadt Jakarta versucht es der muslimische Anwärter auf den prestigeträchtigen Gourverneursposten, Anies Baswedan, mit dem Lied „Mut“, um die Herzen anzusprechen. Indonesische Medien werfen ihm nun aber vor, das Original stamme aus der Feder des israelischen Musikers Gad Elbas – von dessen Lied „HaSchem Melech“ (Der Herr ist König), das 2013 ein Hit in Israel war.

Baswedan muss sich derzeit auch anderen Vorwürfen erwehren: Nachdem der frühere Bildungsminister Anfang des Jahres eine Rede vor Islamisten der „Islamischen Verteidigungsfront“ gehalten hatte, steht er im Verdacht, mit den Extremisten gemeinsame Sache zu machen. Die „Islamische Verteidigungsfront“ rekrutiert Kämpfer für die Hamas im Gazastreifen, die Israel auslöschen will. In Indonesien nimmt sie sich vor, die Scharia einzuführen. Auch Baswedans „Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei“ gilt als islamistisch. Sie unterstützt ebenfalls die Hamas in ihrem Kampf gegen Israel.

In dem Musikvideo zu dem angeblich geklauten Lied präsentiert sich Baswedan jedenfalls tanzwütig und volksnah: Er schüttelt Leuten auf der Straße die Hände und tanzt ausgelassen zur Musik.

Das Lied von Gad Elbas ähnelt dem Stück sehr und ist auch in derselben Tonart geschrieben. Gegenüber der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“ sagte Elbas: „Gott lacht dort oben: Wie jemand, der Israel von der Karte ausradieren will, ein Lied nimmt, das HaSchem zum König macht. Sogar Nichtjuden verstehen, dass das ein Lied ist, in dem Gott gepriesen wird.“ Der Musiker sagte weiter, er habe in den vergangenen Tagen zahlreiche Nachrichten von Indonesiern erhalten, die auf die Ähnlichkeit hingewiesen haben.

Baswedan weist die Plagiatsvorwürfe zurück. Eigentlich habe er auf ein Lied seiner Partei zurückgegriffen, das im Präsidentschaftswahlkampf von 2014 verwendet wurde – damals jedoch ohne Erfolg.

Zurück zum Ursprung

Wie dem auch sei – auch Eldas Lied ist kein Original. Auf seiner Facebook-Seite schrieb der Musiker, es handele sich um eine Coverversion des Lieds „C’est la vie“ des algerischen Musikers Chab Khaled aus dem Jahr 2012, zu der er einen eigenen Text beisteuerte. In dem Lied betont er unter anderem, dass Gott einer ist, ein für Juden wichtiger Grundsatz. Nicht ohne Stolz nennt er sein Werk „das großartigste Lied der jüdischen Gemeinschaft in aller Welt“. Seine „HaSchem Melech“-Tour brachte ihn 2014 in 180 Städte in 53 Ländern.

In jedem Fall freut sich Eldas über die neu gewonnene Aufmerksamkeit für seine Musik in Indonesien. Und er gibt unumwunden zu: Wenn er könnte, würde er den christlichen Gegner Baswedans, Amtsinhaber Basuki Tjahaja Purnama, im Wahlkampf unterstützen. „Wir arbeiten daran, um zu sehen, ob es möglich ist, dass ich dorthin komme. Aber für Israelis ist das sehr schwer.“ Zwischen Israel und Indonesien bestehen keine diplomatischen Beziehungen.

Purnama muss sich derzeit vor Gericht wegen „Blasphemie“ veranworten. Der Christ soll den Koran beleidigt haben. Der Fall gilt als Test für Religionsfreiheit in dem überwiegend muslimischen Land.

Die erste Runde der Gouverneurswahlen wurde bereits am 15. Februar abgehalten. Purnama kam auf 43 Prozent der Stimmen, Baswedan erhielt 40 Prozent. Die Stichwahl ist für den 19. April angesetzt.

Von: df

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