WASHINGTON / TEHERAN (inn) – Seit Ende Dezember kommt es im Iran zu wütenden Protesten gegen die politische Führung. Sie fordern ein Ende des Regimes von Ajatollah Ali Chamenei. Die Menschen beklagen die Unterdrückung und leiden unter der Wirtschaftskrise. Nach Einschätzung von Beobachtern handelt es sich um die heftigsten Proteste seit der Errichtung der „Islamischen Republik“ im Jahr 1979.
Das Regime geht mit Gewalt und scharfer Munition gegen die Proteste vor. Nach Angaben der norwegischen Organisation „Iran Humans Rights“ vom Donnerstag wurden innerhalb von zwölf Tagen mindestens 45 Demonstranten getötet – darunter acht Minderjährige – und mehr als 2.000 verhaftet.
Zudem stellten die Behörden Strom, Telefon, Mobilfunk und Internet ab, um Protestaufrufe zu unterbinden. Dennoch drangen Bilder und Aufnahmen von den Demonstrationen nach außen. Sie zeigen große Protestaufläufe in Teheran, aber auch in anderen Landesteilen. Dabei riefen die Menschen unter anderem „Tod dem Diktator“.
Tehran today
— Masih Alinejad 🏳️ (@AlinejadMasih) January 8, 2026
A sea of people in the streets.
The patience of the Iranian people is over. Khamenei and his allies must leave Iran as soon as possible.#Iran pic.twitter.com/Wx2CddZ3YT
Chamenei: Proteste vom Ausland gesteuert
Am Donnerstagabend gingen wieder Tausende in Teheran auf die Straßen. Der im Exil lebende Kronprinz Reza Pahlevi hatte dazu aufgerufen. Am Freitag erklärte er, er sei stolz auf jeden einzelnen Teilnehmer. Wer bislang noch gezögert hab, solle bei der Demonstration am Freitagabend ab 20 Uhr Ortszeit mitmachen.
Ajatollah Chamenei erklärte in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede am Donnerstag, die Regierung werde nicht weichen. Die Proteste seien angefacht von „Saboteuren“ und agierten im Namen von US-Präsident Donald Trump (Republikaner), der aber bald seinen Sturz erleben werde. Er rief die jungen Menschen im Land auf, für die Nation Einigkeit zu zeigen.
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Trump erneuert Warnung
Indes warnte Trump das Regime erneut davor, Demonstranten zu töten. „Wir sind bereit, hart zuzuschlagen“, sagte er am Donnerstag in einem Interview des amerikanischen Senders „Fox News“. Allerdings führte er die meisten Todesfälle auf das Gedränge bei den Demonstrationen zurück.
Bereits am vergangenen Freitag hatte Trump eine Warnung gegen das Regime ausgesprochen: „Wenn der Iran auf friedliche Demonstranten schießt und sie gewaltsam tötet, werden die Vereinigten Staaten zu ihrer Rettung kommen.“
Unterdessen besuchte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi am Donnerstag den Libanon. Dort sagte er, der Iran wolle keinen Krieg mit den USA oder Israel, sei aber darauf vorbereitet. Zugleich sei der Iran offen für weitere Verhandlungen bezüglich des Atomprogramms, sofern die Gespräche auf „gegenseitigem Respekt“ anstatt auf einem „Diktat“ von Washington beruhten.
Terrorhilfe trotz Sanktionen
Die Weltgemeinschaft hatte Ende September eine Reihe von Sanktionen gegen den Iran erneut verhängt. Grund dafür sind Verstöße gegen das Nuklearabkommen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte in einem Bericht Anfang September angeprangert, dass der Iran erhebliche Menge hoch angereicherten Materials besitzt, mit dem der Bau einer Atombombe möglich sei.
Die Sanktionen tragen zur Wirtschaftskrise bei. Die iranische Währung Rial hatte Ende Dezember ein Rekordtief erreicht und verlor in den ersten Januartagen weiter an Wert.
Trotz der Wirtschaftskrise unterstützt der Iran, zu dessen Staatsziel die Vernichtung Israels gehört, weiterhin die Terrorgruppe Hisbollah. Nach Angaben des amerikanischen Finanzministeriums erhielt die Hisbollah im Jahr 2025 rund 1 Milliarde US-Dollar. (df)
5 Antworten
Ich hoffe, dass der Protest im Iran nicht wieder abflacht und im Sande verläuft. Ich hoffe auf eine zukünftig säkulare Regierung. Die Möglichkeit der Etablierung einer Demokratie halte ich derzeit für nicht realistisch. Aber alles ist besser als die derzeitige Regierung der alten, verbissenen, verbitterten und lebensabgewandten Männer.
Auf den Pro-Israel-Demos der letzten beiden Jahre wurden wir von vielen Exil-Iranern unterstützt, nun scheinen sich auch im Iran viele (junge) Menschen zu trauen, gegen das unterdrückende, bevormundende Regime aufzubegehren. Mir ist klar, dass das für viele leider große Risiken birgt. Aber wenn der Schmerz zu groß wird, steigt mit der Verzweiflung auch die Bereitschaft, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen.
In einem Bericht sah ich heute eine demonstrierende Frau mit blutig zerschlagenen Gesicht, die trotz ihrer Verletzungen (sinngemäß) laut schrie: „Tod dem Regime! Ihr könnt mich nicht töten! Ich bin schon vor Jahrzehnten gestorben!“
Schrecklich, was diese Menschen schon so lange durch dieses scheinheilige Terror-Regime im Namen Allahs zu erleiden haben.
Hallo caja!
Gab es echt auf Pro-Israel-Demos Unterstützung von Iranern? Wenn das so ist, bin ich ja wirklich im guten Sinne überrascht und habe mich eines Besseren belehren lassen. Ich dachte immer, Iraner (auch im Exil) hassen Israel, wobei ich privat auch die Erfahrung gemacht habe, dass mir unter den Muslimen in Deutschland oder jenen, die zumindest muslimisch geprägt sind, die Iraner immer positiver aufgefallen sind als zum Beispiel Türken, Syrer, Libanesen, Afghanen und andere …
Die iranischen Mullahs sind Mörder am eigenen Volk. Ich bete für die mutigen Demonstranten. Shabbat Shalom
Ich wünsche dem Persischen Volk alles Gute auf dem Weg zur Gerechtigkeit. Dieser Weg ist sehr steinig.
Es ist ein inneres Gefühl für ein Volk, das kaum von außen nachvollziehbar ist, denn was die Mullahs vom ersten Tag an alles sich erlaubten, das muss man bis dato (48 Jahre) in Erinnerung behalten und nicht vergessen. Unter Moslems – Faschisten zu erleben und kaum von Menschlichem und Tierischem Gefühl und Verstand etwas geerbt zu haben, war und ist kaum für mich nachvollziehbar.
Es ist vielleicht legitim, Trumps Politik zu kritisieren! Aber was Iran und sein Volk und Trumps Politik betrifft, sehe ich keine andere Möglichkeit, wenn ein Volk mit leeren Händen auf die Straßen geht und einfach anders leben und sein möchte. Genau wie die ganze Welt auch anders sein und leben mochte. Es muss von außen dem Volk geholfen werden, und die Welt wird auch viel friedlicher.