Im Gazastreifen zerstört die Hamas archäologische Stätten

Im Gazastreifen zerstört die Hamas archäologische Stätten

Älteste kanaanäische Stadt zerstört

Die Hamas hat die Stätte einer antiken Stadt endgültig zerstört. An dem Ort entstanden erst Militärbasen, jetzt sollen Hamas-Beamte mit dem Land entschädigt werden.

GAZA (inn) – Tel Es-Sakan, die antike Stadt an der Mittelmeerküste südlich von Gaza-Stadt, existiert nicht mehr. Sie war einst die größte kanaanäische Stadt. Mit Bulldozern ebnete die Hamas das Gebiet ein. Der Abraum wurde mit Lastwagen entfernt.

Anders als die Terror-Organisation Islamischer Staat, die zahlreiche archäologische Stätten, Museen und ganze Städte wie Palmyra aus ideologischen Gründen zerstört, vernichtet die Hamas archäologische Stätten in ihrem Herrschaftsgebiet im Gazastreifen schlicht aus Gier: Nach Angaben der Islamisten ist der Hügel gebraucht worden, um mit dem Land hochrangige Beamte der Hamas zu kompensieren, weil diese wegen der andauernden Finanzkrise nur einen Teil ihrer Gehälter erhalten hätten.

Viele Jahre Arbeit landen im Schutt

„Hier wurde eine sehr bedeutende archäologische Stätte zerstört“, beklagte der palästinensische Archäologie- und Geschichtsprofessor Muin Sadek. Zusammen mit dem französischen Archäologen Pierre de Miroschedji hatte er drei Ausgrabungsperioden auf Tel Es-Sakan durchgeführt. Auf dem zehn Hektar großen Hügel haben die Archäologen die erste und älteste mit einer Stadtmauer befestigte Stadt gefunden, eine 6.500 Jahre alte Ansiedlung aus der Bronzezeit. Sie existierte schon vor den ersten Pharaonen Ägyptens und eintausend Jahre vor der ersten Pyramide. Die Stadt lag an der Handelsroute zwischen Ägypten und der Levante. Der Hügel mit den Überresten der alten Stadt wurde 1998 durch Zufall entdeckt und ab dem Jahr 2000 wissenschaftlich erforscht und teilweise ausgegraben.

Die Ausgrabungen mussten wegen der ausgebrochenen Intifada und den militärischen Spannungen 2002 abgebrochen werden. Seitdem ruhte das Projekt. Nach ihrer Machtübernahme 2007 begann die Hamas, die Fundstätte Stück für Stück für sich zu nutzen – etwa durch den Bau von Militärlagern. Es war nicht die einzige antike Stätte, die den Machthabern im Gazastreifen zum Opfer fiel: Auch der 3.000 Jahre alte Hafen Anthedon sowie byzantinische Kirchen und Klöster im Gebiet der Stadt Gaza wurden ein Raub der Hamas.

Jetzt fiel der letzte Teil der Stadtmauer

Als die Bulldozer der Hamas schon im Einsatz waren und Archäologen versuchten, das Zerstörungswerk zu stoppen, konnte als erster Experte Jean-Baptiste Humbert von der Jerusalemer École biblique den Ort erreichen. Er hatte zuvor schon an anderen Stätten in Gaza ausgegraben. „Heute wurde die komplette südliche Befestigungsmauer abgerissen“, sagte der Archäologe vor einigen Tagen. Damit sei die älteste kanaanäische Stadtmauer rundum zerstört worden. Auch ein Vertreter der Kultur-Organisation UNESCO, Dschunaid Sorosch-Wali, inspizierte die zerstörte Stätte. Gegen die Landverwaltungsbehörde unter Kontrolle der Hamas konnte er aber nichts ausrichten.

Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) fordert gleichwohl, diese und andere historische Stätten unter den Schutz der Vereinten Nationen zu stellen, nämlich als Weltkulturerbe.

Von: Ulrich W. Sahm

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