Die 29-jährige Israelin Salpeter hat auf der 5.000- und 10.000-Meter-Strecke im Berliner Olympiastadion Grund zur Trauer und zur Freude gehabt

Die 29-jährige Israelin Salpeter hat auf der 5.000- und 10.000-Meter-Strecke im Berliner Olympiastadion Grund zur Trauer und zur Freude gehabt

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

In ihren zwei Auftritten bei den European Championships findet sich die gesamte emotionale Palette des Sports wieder: Zuerst gewinnt die israelische Läuferin Salpeter triumphal eine Goldmedaille. Einige Tage später kann sie sich ihrer Tränen nicht erwehren.

BERLIN / GLASGOW (inn) – Die Israelin Lonah Chemtai Salpeter ist am Sonntag im Berliner Olympiastadion in Tränen aufgelöst. Am Mittwoch hatte die Läuferin noch triumphal über 10.000 Meter die Goldmedaille bei den European Championships gewonnen gehabt. Über 5.000 Meter hat sie aber einen mentalen Aussetzer, als sie glaubt, die vorletzte sei bereits die letzte Runde.

Salpeter befindet sich gerade im Sprint mit der späteren niederländischen Siegerin Sifan Hassan. Die Israelin hat beste Aussichten, sich mit ihr ein spannendes Finale zu liefern. Aber bei der Überquerung der Ziellinie, eine Runde vor Schluss, stoppt Salpeter, weil sie glaubt, dass Rennen sei bereits vorbei. Als sie den Fehler bemerkt, beginnt sie völlig entgeistert wieder loszulaufen. Sie schafft noch den vierten Platz, ist aber untröstlich ob der verpassten Chance, eine weitere Medaille gewonnen zu haben. Später wird sie wegen des frühzeitigen Wechsels ihrer Bahn auch noch disqualifiziert.

Die 29-jährige Israelin, die ihre Konkurrenz über die 10.000 Meter mit der Fabelzeit von 31 Minuten und 43,3 Sekunden weit hinter sich ließ, darf sich aber vor allem über ihre Goldmedaille freuen. Sie war die erste Israelin, die bei einer Europameisterschaft als Gewinnerin triumphieren konnte.

Arbeitete in der kenianischen Botschaft

Ihre Geschichte hat leicht märchenhafte Anklänge: Salpeter wurde in Kenia geboren. Sie kam das erste Mal im Jahr 2008 nach Israel. Dort arbeitete sie laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ in der kenianischen Botschaft in Tel Aviv. Als sie in einem Park joggte, entdeckte sie der Lauftrainer Moti Misrahi, der ihr vorschlug, professionell zu trainieren. Später traf sie den Trainer Dan Salpeter, die beiden heirateten. 2016 wurde sie israelische Staatsbürgerin. Staatspräsident Reuven Rivlin lobte die Läuferin: „Lonah hat uns gezeigt, was ein Sieg ist.“

Die zweite Medaille für Israel bei den European Championships holte am Sonntag der 21-jährige Turner Artem Dolgopyat. In das Finale hatten ihn die Teamkollegen Alex Shatilov und Andrey Medvedev begleitet, die sich mit guten Leistungen auch qualifizieren konnten. Dolgopyat, der in der Ukraine geboren wurde und dessen Familie, als er zwölf Jahre alt war, nach Israel auswanderte, gewann im Bodenturnen Silber hinter dem Briten Dominick Cunningham. Bei einem seiner Elemente trat er bei einer Landung nicht auf die Matte. Ansonsten wäre womöglich auch Platz eins eine Option gewesen. Bronze ging an den Russen Artur Dalaloyan.

Neuer Landesrekord im Marathon

Eine weitere bemerkenswerte Leistung schaffte der Israeli Marhu Teferi: Er brach den 15 Jahre alten Landesrekord im Marathon am Sonntag. Insgesamt erreichte er Platz sieben. Auf der Strecke in Berlin schaffte er eine Zeit von 2 Stunden und genau 13 Minuten. Der 26-Jährige, der Israel auch bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 vertrat, wurde in Äthiopien geboren.

Beim Hochsprung der Damen kam es in Berlin zu einem besonderen Moment: Bevor der Wettkampf losging, spielten die Veranstalter eine Videobotschaft der jüdischen Hochspringerin Gretel Bergmann ein. Der war vor 82 Jahren von den Nazis der Start bei den Olympischen Spielen in Berlin verweigert worden. Dabei galt sie als Titelfavoritin. Im vergangenen Jahr war Bergmann mit 103 Jahren in New York verstorben. An ihrem Geburtstag hatte sie davor aber eine kurze Grußbotschaft aufgenommen. Die Aktion war von den Veranstaltern als Zeichen gedacht, dass in Deutschland nie wieder ein solches Unrechtsregime geduldet werde.

Die European Championships haben dieses Jahr zum ersten Mal in dieser Form stattgefunden. Sie umfassten Europameisterschaften aus sieben Sportarten. Vom 2. bis 12. August fanden sie in Glasgow und Berlin statt. Während die Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin ausgetragen wurden, gab es die europäischen Meisterschaften im Schwimmen, Radsport, Rudern, Triathlon, Golf und Turnen in Glasgow. Aus Israel nahmen insgesamt 44 Sportler an den Wettkämpfen teil.

Von: mm

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