Hat keine besondere Botschaft für Israel: Anur Gandhi (Archivbild)

Hat keine besondere Botschaft für Israel: Anur Gandhi (Archivbild)

Gandhi-Enkel plädiert für Respekt und Harmonie

Erstmals besucht Anur Gandhi Israel. Anlass ist das Buch über seinen berühmten Großvater, das auf Hebräisch erschienen ist. In einem Zeitungsinterview lässt er sich allerdings kaum konkrete Botschaften für die Leser entlocken. In einem Zeitungsinterview beharrt er auf seiner Kritik an der Erinnerungskultur in Israel.

TEL AVIV (inn) – Mit seinem berühmten Großvater Mahatma Gandhi verbrachte er einst zwei Jahre. Nun hat der Enkel Arun Gandhi ein Buch über seine Erlebnisse aus den Jahren 1946 bis 1948 geschrieben. Da es auch auf Hebräisch erschienen ist, besucht der 84-Jährige zum ersten Mal in seinem Leben Israel.

Auf die Frage, was ihn in das Land ziehe, antwortete er der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ in einem Interview: „Ich werde von jedem Land durch die Menschen angezogen. Wenn sie mich einladen, gehe ich, weil ich das Gefühl habe, dass ich ein wichtiges Erbe habe, das einen Unterschied in meinem Leben ausgemacht hat.“ Er wolle die Samen von Harmonie und Gewaltlosigkeit säen. „Ich bin nicht an einem Land als Land interessiert, nur an den Leuten als Mitmenschen.“

In seinem Buch stellt der sozio-politische Aktivist auch die elf wichtigsten Lektionen für sein Leben vor. Eine spezifische Botschaft für israelische Leser hat er nicht: „Als Schriftsteller würde ich mir wünschen, dass Leser jede Lektion aufnehmen, die ich mitgeteilt habe, aber Leser haben ihre eigenen Ansichten. Sie nehmen auf, was sie für sich wichtig finden. Mancher mag nichts Wertvolles finden und bedauern, dass er das Geld ausgegeben hat, um das Buch zu kaufen.“ Jeder habe ein Recht auf seine Glaubensüberzeugungen und Werte.

Der Progressivere geht den ersten Schritt zum Frieden

Zum Nahostkonflikt sagte Gandhi: „Die Geschichte zeigt, dass Palästinenser und Israelis glücklich zusammen auf dem gleichen Stück Land lebten. Warum also nicht jetzt?“ Welche Zeit er genau meinte, ließ er offen. Er fügte an: „Friede kommt nicht in die Region, indem man sich gegenseitig tötet, sondern, indem man mit Respekt, Verständnis, Akzeptanz und Wertschätzung miteinander redet. Wer in diesem Prozess die Initiative ergreift, hängt davon ab, wer sich selbst als progressiv, friedensbewegt und zivilisiert ansieht.“

Ferner nahm die Zeitung Bezug auf eine frühere Äußerung des Autors, Israelis sprächen zu viel über den Holocaust. Auf die Frage, was ihn zu dieser Äußerung gebracht habe, entgegnete er: „Wenn jemand ein Auto fährt und dabei die Augen auf den Rückspiegel geheftet hat, wird das zu einem katastrophalen Zusammenstoß führen. Ähnliches gilt hier: Wenn eine Nation von dem besessen ist, was in der Geschichte passiert ist, kann sie keine Zukunft schaffen.“

Können Indien und Israel voneinander lernen? „Außer industriellem Fortschritt und Materialismus gibt es nichts, was irgendein Land dem anderen beibringen kann“, ist Gandhis Ansicht hierzu. „Wo grundlegende Harmonie, Einheit, Respekt, Verständnis, Wertschätzung und Mitleid irrelevant geworden sind, gibt es keine Kultur, die es wert wäre, geteilt zu werden.“ Nur die Kultur der Gewalt teilten Nationen stolz miteinander. „Sie macht uns mächtig, arrogant und respektlos.“

Am 28. März liest der Enkel des bekannten Pazifisten im Habima-Theater in Tel Aviv aus seinem Buch. Es trägt den Titel „Wut ist ein Geschenk: Das Vermächtnis meines Großvaters Mahatma Gandhi“.

Von: eh

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