Sängerin Netta hat mit ihrem Sieg in Portugal den ESC nach Israel geholt

Sängerin Netta hat mit ihrem Sieg in Portugal den ESC nach Israel geholt

Künstler fordern ESC-Boykott in Israel

Mehr als 100 Kulturschaffende haben den Boykott des Eurovision Song Contest in Israel gefordert. Der Wettbewerb sollte Israel entzogen und stattdessen in einem Land mit „besserer Menschenrechtsbilanz“ ausgetragen werden, heißt es in einem offenen Brief.

LONDON (inn) – Dutzende internationale Künstler haben zum Boykott des Eurovision Song Contest (ESC) 2019 in Israel aufgerufen. Als Begründung nennen sie angebliche Menschenrechtsverletzungen gegen die Palästinenser.

Bislang 140 Kulturschaffende unterzeichneten ein Schreiben, das auf der Internetseite der britischen Zeitung „The Guardian“ veröffentlicht wurde. Unter ihnen ist Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters, der die anti-israelische Organisation „Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen“ (BDS) unterstützt. Weitere Unterzeichner sind der Sänger Helmut Lotti (Belgien), die Schriftstellerin A. L. Kennedy (Großbritannien) sowie die Musiker Nick Seymour (Australien) und Brian Eno (Großbritannien). Letzterer wurde jüngst wegen seines Einsatzes für die BDS-Bewegung von einem Düsseldorfer Musikfestival ausgeladen.

Auch Israelis unterzeichnen Aufruf

Auch sechs israelische Künstler sind auf der Liste vertreten. Aus Deutschland gibt es bislang keine Unterstützung für den Boykott-Aufruf.

Im Mai hatte die israelische Sängern Netta mit dem Lied „Toy“ den europäischen Musikwettbewerb in Portugal gewonnen. Dadurch wird der ESC 2019 in Israel ausgetragen.

Die Künstler rufen die Europäische Rundfunkunion (EBU) dazu auf, die Austragung des ESC in Israel zu streichen. Der Wettbewerb sollte stattdessen in ein anderes Land „mit einer besseren Menschenrechtsbilanz“ verlegt werden. In dem Schreiben heißt es: „Wir, die unterzeichnenden Künstler aus Europa und darüber hinaus, unterstützen den aufrichtigen Appell palästinensischer Künstler, den von Israel veranstalteten Eurovision Song Contest 2019 zu boykottieren. Solange die Palästinenser nicht Freiheit, Gerechtigkeit und gleiche Rechte genießen können, sollte es keine Geschäfte mit dem Staat geben, der ihnen ihre Grundrechte verweigert.“

NDR lehnt Israel-Boykott ab

Der für die deutsche ESC-Beteiligung zuständige Leiter des Programmbereichs Fiktion & Unterhaltung beim NDR Fernsehen, Thomas Schreiber, wies Forderungen nach einem Boykott zurück. „Heute beginnt das jüdische Neujahrsfest Rosch HaSchana, es zählt zu den wichtigsten Feiertagen für Juden in aller Welt. Aus diesem Anlass zum Boykott des Eurovision Song Contest in Israel aufzurufen beziehungsweise die EBU aufzufordern, dem israelischen Rundfunksender Kan das Recht auf die Ausrichtung des ESC zu entziehen, ist durchschaubar“, sagte Schreiber am Sonntag in Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. Der israelische Rundfunksender habe das Recht und die Pflicht zur Ausrichtung des Wettbewerbs übernommen. „Wir freuen uns auf den ESC 2019 in Israel“, fügte Schreiber hinzu.

Von: dn

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