Wenn es nach dem Willen des Gerichtes geht, ist der Busbahnhof bald Geschichte (Archivbild)

Wenn es nach dem Willen des Gerichtes geht, ist der Busbahnhof bald Geschichte (Archivbild)

Tel Aviver Busbahnhof wird geschlossen

Der Brandschutz am Busbahnhof in Tel Aviv lässt zu wünschen übrig. Deshalb verfügt ein Gericht die Schließung. Doch eine Alternative ist noch nicht gefunden.

TEL AVIV (inn) – Der Tel Aviver Busbahnhof muss am 5. Dezember seine Tore schließen. Das hat das Bezirksgericht der Küstenmetropole beschlossen. „Ich glaube nicht, dass es angemessen ist, den Betrieb des Objekts ohne Genehmigung fortzusetzen, wenn die Weigerung der Feuerwehr und des Rettungsdienstes so nachdrücklich und erheblich ist“, schrieb Richter Benjamin Hirschel-Doron in seiner Entscheidung.

In dem Drehpunkt des Busverkehrs in Israel gibt es 400 Läden mit brennbaren Materialien, jedoch ohne angemessene Brandschutzvorkehrungen. Deshalb haben Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste und das Gesundheitsministerium vor Gericht auf eine Schließung des Busbahnhofs gedrängt.

Architektonisch gilt das riesige Gebäude im Süden von Tel Aviv als „weißer Elefant“. Auf dem Weg zu den Tausenden Überlandbussen, die auf mehreren Etagen dort andocken, können die Passanten nicht nur jegliche Waren einkaufen, sondern auch ein Kino oder Ausstellungen und ein Jiddisch-Museum besuchen. In einem verlassenen Tunnel gibt es sogar eine geschützte Fledermauskolonie.

Eigentümer kümmerten sich nicht um Genehmigungen

Der Busbahnhof befindet sich in einem Gerichtsverfahren, nachdem er keine Betriebsgenehmigung erhalten hat. Für die Lizenz mussten die Eigentümer des Bahnhofs die entsprechenden Genehmigungen der Feuerwehr und Rettungsdienste einholen und deren Anforderungen erfüllen.

Doch die Eigentümer hätten sich nicht um die Genehmigungen bemüht, hieß es. Nun ist die Stadtverwaltung verpflichtet, das Gebäude gemäß dem Gerichtsbeschluss zu schließen. Die Schließung hätte eigentlich bereits 2016 durchgesetzt werden müssen. Das riesige siebenstöckige Gebäude steht heute schon teilweise leer.

Niemand kann vorhersehen, wie nach der Schließung des Zentralen Busbahnhofs der Busverkehr in Israel abgewickelt werden soll. Zwar gibt es noch den „alten“ Busbahnhof rund um das große Gebäude, doch handelt es sich hier um enge geschäftige Gassen, die wohl kaum die riesige Menge großer Überlandbusse aufnehmen können. Alternativen gibt es keine.

In Israel gibt es zwar eine Eisenbahn, doch die ist störanfällig und hat sich noch längst nicht als als gängiges Transportmittel wie etwa in Deutschland durchgesetzt. Anfang des Monats kündigte Verkehrsministerin Merav Michaeli (Arbeitspartei) an, dass der Zentrale Busbahnhof von Tel Aviv bis 2023 geräumt werden solle. Sie erklärte, dass der Busbahnhof „in erheblichem Maße eine Umwelt-, Gesundheits- und Verkehrsgefährdung darstellt“.

Von: Ulrich W. Sahm