Solche Müllhalden gibt es auch im Gazastreifen – das Café will etwas dagegen unternehmen

Solche Müllhalden gibt es auch im Gazastreifen – das Café will etwas dagegen unternehmen

Recycling-Projekt gegen die Umweltkatastrophe

Ein innovatives Café in Gaza verschreibt sich dem Kampf gegen Müllverschmutzung. Auch Gäste werden dabei in die Pflicht genommen.

GAZA (inn) – Auf einem Streifen Strand, den die Stadtbehörde von Gaza zur Verfügung gestellt hat, hat der palästinensische Künstler Ali Mhana ein Recycling-Café eröffnet. Es ist Teil der Initiative „Das Meer gehört uns“. Was aussieht wie eine riesige Schilfhütte, wurde auf Tonnen von Festmüll gebaut, darunter viele alte Autoreifen. Diese dienen auch als Sitze für die Gäste, die den Ort für private Feiern mieten können.

Als Bezahlung müssen sie lediglich am Strand Müll einsammeln oder welchen von zu Hause mitbringen. Dieser wird von Mitgliedern der Initiative aufgehübscht. Auf einem Video von Reuters ist zu sehen, wie junge Leute alte Gläser mittels einer Heißklebepistole mit Stoffresten bekleben und so Deko-Artikel herstellen. Das Café, das auch ein Theater und eine Bibliothek beherbergt, soll in der Bevölkerung ein Bewusstsein für Umwelt und Recycling schaffen. Mhana bezeichnet sich als „Arzt des Meeres“. Sein Büro betritt man durch eine alte Kühlschranktür. Gläserne Waschmaschinentüren dienen als Fenster.

Das alternative Café ist nicht Gazas einzige Recycling-Initiative. Die „Jerusalem Post“ zitierte einen Mitarbeiter der Umweltqualitätsbehörde mit der Aussage, dass über die Hälfte von 2.000 Tonnen täglichem Festabfall aus Haushalten der Stadt stamme. Tausende von Palästinensern verkauften Material an Recycling-Firmen und bestritten damit ihren Lebensunterhalt.

Bevölkerung müsste sich an Mülltrennung beteiligen

An der Islamischen Universität Gaza können Interessierte sogar Umweltingenieurwissenschaften studieren. Zudem hat die Stadt in drei Verwaltungsbezirken je ein Amt für Festmüllentsorgung. Dass sie trotz all dieser Bemühungen dem Verschmutzungsproblem nicht annähernd Herr werden, schieben die Verantwortlichen gern auf Israels „Blockade“ und auf Geldmangel.

Dabei wurden bereits Unmengen an Hilfsgeldern in neue Deponien und Entsorgungssysteme investiert. Die können nur nicht dazu beitragen, dass Firmen und Privatpersonen ihren Müll trennen. Alles landet zusammen auf Müllkippen, die die Bewohner einzelner Viertel bequem erreichbar vor ihren Haustüren errichten. Dort führen Biomüll und Industrieabfall zu gefährlichen Mischungen, die Luft und Wasser verseuchen. Laut UNO fließen aus Gaza täglich über hundert Millionen Liter hochgradig verschmutztes Abwasser ins Meer. Mhanas Café ist eine schöne Idee, dürfte aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Von: cs

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