Am Montagmorgen war es wieder zu gewaltsamen Tumulten auf dem Tempelberg gekommen

Am Montagmorgen war es wieder zu gewaltsamen Tumulten auf dem Tempelberg gekommen

Gewaltsame Unruhen auf dem Tempelberg

Auch am Montag protestieren Palästinenser weiter in Ostjerusalem. In Südisrael bestimmen Raketen und Brandballons aus dem Gazastreifen die Lage. Die Vereinten Nationen rufen Israel zu maximaler Zurückhaltung auf.

JERUSALEM (inn) – Nach einem Wochenende mit gewaltsamen Ausschreitungen und Raketenangriffen sind die Unruhen in Ostjerusalem am Montagvormittag weitergegangen. Ab etwa 8 Uhr Ortszeit warfen Palästinenser Steine auf die Mughrabi-Rampe, den einzigen Zugang zum Tempelberg für Nicht-Muslime.

Israelische Sicherheitskräfte betraten daraufhin das Areal und gingen gegen die Aufständischen vor. In den Auseinandersetzungen wurden etwas mehr als 300 Palästinenser verletzt, viele kamen ins Krankenhaus. Die Polizei sprach von neun verletzten Beamten, einer musste stationär behandelt werden.

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Auch auf den Straßen am Fuße des Tempelbergs kam es zu Gewaltszenen. Bilder einer Sicherheitskamera zeigen, wie Palästinenser das Auto eines jüdischen Fahrers nahe des Löwentors mit Steinen bewerfen. Dieser fährt rückwärts aus dem Bild und dann wieder vorwärts auf eine Fußgängerbarriere zu; offenbar hatte er die Kontrolle über das Auto verloren. Dabei erwischt er einen der angreifenden Palästinenser, der verletzt davonhumpelt. Andere setzen die Angriffe auf das Auto fort, bis ein israelischer Polizist heraneilt und Schüsse in die Luft abgibt.

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Fatah ruft zu Gewalt auf

Angesichts der Lage haben die zuständigen Behörden am Montagmorgen – noch vor Ausbruch der erneuten Gewalt – Juden verboten, das Tempelberg-Areal zu betreten. Am Sonntagabend begann der Jerusalem-Tag, mit dem Israel die Wiedervereinigung der Stadt feiert. Angesichts der Spannungen änderten die Behörden die Route der Flaggenparade; diese führt nun nicht mehr wie geplant durch das Damaskustor und durch das muslimische Viertel der Altstadt.

Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas, verurteilte am Montag erneut den „brutalen Sturm und Angriff auf Gläubige in der gesegneten Al-Aqsa-Moschee“. Dies stelle eine neue Herausforderung für die internationale Gemeinschaft dar. Abbas' Partei Fatah hatte am Wochenende zu einer Fortführung der Unruhen aufgerufen.

Tage der Gewalt

Bereits während des Wochenendes waren Palästinenser und israelische Sicherheitskräfte in Ostjerusalem schwer aneinander geraten. Mehr als 300 Palästinenser wurden verletzt. Zehntausende Muslime kamen am Samstagabend anlässlich der „Nacht der Bestimmung“ auf das Tempelberg-Areal. Laut Überlieferung empfing der muslimische Prophet Mohammed in dieser Nacht den Koran.

Auf Bildern ist zu sehen, wie die Muslime für den Kampf gegen israelische Sicherheitskräfte Steine mit Schubkarren heranschafften und zum Teil in der Al-Aqsa-Moschee horteten. Treppenaufgänge wurden mit Felsbrocken blockiert. Während der gewaltsamen Proteste waren zahlreiche Flaggen der Terror-Organisation Hamas zu sehen. Die Gläubigen verbarrikadierten sich zum Teil in der Moschee und griffen von dort die Sicherheitskräfte an.

Raketen und Terrorballons

Die angespannte Lage in Jerusalem war auch in Südisrael spürbar. Terroristen aus dem Gazastreifen feuerten am frühen Montagmorgen Raketen auf Israel ab. Bereits in den Nächten zuvor war mehrmals Raketenalarm zu hören, Menschen liefen in die Schutzbunker.

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In einer Reaktion auf diese Ereignisse beschossen Panzer Terrorziele in dem Küstenstreifen. Am Montagmorgen sperrte die Armee den Eres-Übergang wie auch die Fischereizone. Neben den Raketen ließen Palästinenser auch wieder zahlreiche Ballons mit Brand- und Sprengsätzen auf Israel fliegen. Die Feuerwehr bekämpfte über das Wochenende hinweg Dutzende Brandherde, allein am Sonntag waren es 20.

UN: Israel muss sich zurückhalten

UN-Generalseketär António Guterres rief Israel am Sonntag dazu auf, „maximale Zurückhaltung“ zu üben. Der Sicherheitsrat in New York plant am Montag um 9 Uhr Ortszeit, sich mit den Vorfällen in einer Sondersitzung zu befassen.

Im Laufe des Wochenendes riefen mehrere Länder zur Deeskalation auf. Die USA äußerten sich besorgt. Der Sicherheitsberater der israelischen Regierung, Meir Ben-Schabbat, wies die Äußerungen gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen Jake Sullivan zurück: Ein internationales Eingreifen würde die Aufständischen nur belohnen.

Der Staatenverbund Europäische Union rief bereits am Samstag „alle Seiten“ zur Zurückhaltung auf. Dem schloss sich die Deutsche Bundesregierung am Montag an. Jordanien verurteilte am Sonntag die „barbarischen Angriffe“ auf die Al-Aqsa-Moschee. Ähnlich äußerten sich die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Die Golfstaaten kritisierten zudem die geplante Zwangsräumung palästinensischer Familien in Ostjerusalem.

Umstrittene Zwangsräumung

An dieser drohenden Zwangsräumung entzünden sich derzeit die gewaltsamen Proteste. Betroffen sind rund 70 Einwohner im Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah. Juden hatten Besitzansprüche auf die Grundstücke geltend gemacht und vor Gericht Recht bekommen.

Der Fall landete beim Obersten Gericht. Dieses verschob jedoch die Anhörung, da vier der betroffenen Familien Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit gebeten haben, sich der Sache anzunehmen. Das Gericht gewährte ihm bis zum 8. Juni Bedenkzeit; solange ruht der Fall.

Der Vorwurf der Palästinenser bezieht sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1970. Demnach können Besitzansprüche wie im vorliegenden Fall wirksam gemacht werden. Die betreffenden Grundstücke haben vor Errichtung des Staates Israel jüdischen Vereinigungen gehört.

Von: df