Auf diesem von der UNRWA ausgegebenen Arbeitsblatt geht es um „Städte in Palästina“. Auch die israelische Mittelmeerstadt Haifa wird hier aufgeführt.

Auf diesem von der UNRWA ausgegebenen Arbeitsblatt geht es um „Städte in Palästina“. Auch die israelische Mittelmeerstadt Haifa wird hier aufgeführt.

Neues UNRWA-Schulmaterial verherrlicht Terror

Eigentlich möchten die Vereinten Nationen in ihrer Bildungsarbeit Werte wie Toleranz und Respekt vermitteln. Das Schulmaterial der UNRWA ist davon jedoch weit entfernt – wie die Auswertung von Arbeitsblättern zeigt, die für den Heimunterricht während der Corona-Pandemie herausgegeben wurden. Die Organisation spricht von einem Versehen.

RAMAT GAN (inn) – Das Schulmaterial des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge UNRWA steckt offenbar voller Hass, Gewaltverherrlichung und Antisemitismus. Das hat eine umfangreiche Studie des „Instituts zur Überwachung von Frieden und kultureller Toleranz in der Schulbildung“ (IMPACT-SE) ergeben. Die im israelischen Ramat Gan ansässige Organisation untersucht Lehrpläne in Staaten das Nahen Ostens und darüber hinaus.

Die Mitte Januar veröffentlichte Studie zeigt: Sätze wie „Wir werden das Mutterland mit unserem Blut verteidigen“ oder „Der Dschihad ist eine der Türen zum Paradies“ gehören auch in neuen Arbeitsblättern des UN-Werks zum Lehrplan. Zusammenfassend kommen die Analytiker zu dem Ergebnis: „Dieses von der UNRWA erstellte Material ist stellenweise extremistischer als das Material der Palästinensischen Autonomiebehörde, das es ergänzt.“

Die Glorifizierung von Terroristen, die Verunglimpfung von Juden, Hass auf Israel und die Verherrlichung des heiligen Krieges kommen in den verschiedensten Fächern und allen Klassen vor, konstatiert IMPACT-SE. Das Existenzrecht Israels werde geleugnet, indem der jüdische Staat auf Landkarten gar nicht erst auftauche. Über die historische jüdische Präsenz in der Region oder die jüdische Kultur werde ebenfalls kein Wort verloren.

IMPACT-SE überprüft seit zwei Jahrzehnten Schulbücher der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Die Analysen hätten in den Lehrplänen über all die Jahre eine systematische Verherrlichung von Gewalt, Märtyrertum und Dschihad aufgezeigt, einschließlich der Verbreitung extremer nationalistischer und islamistischer Ideologien. Die Lerninhalte aus den Schulbüchern der PA würden auch in den palästinensischen UN-Schulen verwendet.

„Anreicherungsmaterial“ bei problematischen Inhalten

UNRWA-Vertreter verwiesen in diesem Zusammenhang immer wieder darauf, dass sie keine Befugnis hätten, die offiziellen Lehrpläne zu ändern. Jedoch würden diese regelmäßig überprüft. Sollten Bereiche auftauchen, die nicht mit UN-Werten übereinstimmen, würden ergänzende Materialien für die UN-Schulen zur Verfügung gestellt. Diese seien jedoch bisher nicht einsehbar gemacht worden, heißt es bei IMPACT-SE.

Die neue Analyse zeigt: Die UNRWA greift nicht nur für ihre regulären Schulbücher auf die Lehrpläne und den Wortlaut der PA zurück. Im vergangenen Jahr hat das Hilfswerk zahlreiche Arbeitsblätter für den Distanzunterricht aufgrund der Corona-Pandemie erstellt. Auch hier wurden gewaltverherrlichende und aufwiegelnde Formulierungen aus den PA-Lehrbüchern übernommen.

Keine Einhaltung der UN-Werte

Die Unterlagen wurden von IMPACT-SE auf Einhaltung der UN-eigenen Vorgaben für Bildungsmaterial überprüft. Respekt, Toleranz, Gleichberechtigung sowie eine Erziehung zum Frieden – frei von Hass und Aufrufen zu Gewalt – sind einige der Kernwerte der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO). Das Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) gibt zudem an, es habe Leitlinien entwickelt, mit denen verhindert werden soll, das Schulen zum Ort von Radikalisierung werden.

IMPACT-SE kommt in der neuen Studie zu dem Ergebnis, dass das von der UNRWA angefertigte Schulmaterial nicht den UN-Richtlinien entspricht. Gewalt werde nirgendwo verurteilt. Frieden, als erstrebenswertes Ziel, werde nicht erwähnt.

Hingegen würden bekannte Terroristen wie Dalal Mughrabi verherrlicht. Dabei habe die UNRWA in einer früheren Erklärung betont, die von der PA verwendeten Übungen, in denen die Terroristin verherrlicht werde, dürften in den UN-Schulen nicht verwendet werden. Die Palästinenserin Mughrabi hatte 1978 bei einem Anschlag in nördlich von Tel Aviv 39 Israelis getötet, darunter 13 Kinder.

Einseitige, palästinensische Sichtweisen

Das UNRWA-Material enthalte zudem lediglich palästinensische Sichtweisen in Bezug auf die Geschichte. So heiße es unter anderem, das Ziel des Zionismus habe darin bestanden, palästinensisches Land an sich zu reißen. Die Kreuzzüge würden als willkürlicher Krieg Europas gegen muslimische Länder bezeichnet, jüdische Israelis ausschließlich negativ dargestellt. Israel werde selten beim Namen genannt, sondern meist als „Feind“ oder „Besatzer“ bezeichnet. Das Schulmaterial verhindere damit Toleranz, Respekt und Verständnis, heißt es in der Analyse.

IMPACT-SE belegt seine Untersuchungsergebnisse mit zahlreichen Beispielen. So enthalte Material für Achtklässler im Gazastreifen im Fach „Arabische Sprache“ Grammatikübungen mit Sätzen wie „Die Palästinenser sind Löwen im Kampf gegen die Feinde“ oder „Dschihad ist eine der Türen zum Paradies“.

In Arbeitsmaterial desselben Fachs für Sechstklässler im Gazastreifen heißt es unter anderem: „Der Widerstandskämpfer hat die feindliche Position angegriffen“ oder „Der Palästinenser starb als Märtyrer, um sein Mutterland zu verteidigen“.

Von der UNRWA erstellte Arbeitsblätter für Achtklässler im Fach „Arabische Sprache“ im Westjordanland enthalten Beispielsätze wie „Die Palästinenser werden dieses Land nie verlassen, wie hoch der Preis auch ist“.

Auf den Landkarten des UN-Materials taucht Israel nicht auf. „Palästina“ reicht hier von der jordanischen Grenze bis zum Mittelmeer.

Auf den Landkarten des UN-Materials taucht Israel nicht auf. „Palästina“ reicht hier von der jordanischen Grenze bis zum Mittelmeer.

In Material für das Fach Sozialkunde für Schüler der siebten Klasse werden die Wüste Negev in Israel oder israelische Städte wie Jaffa, Be’er Scheva und Haifa ausdrücklich als Teil „Palästinas“ bezeichnet. „Palästina“ grenze an Syrien, den Libanon, die Sinai-Halbinsel und das Mittelmeer, heißt es dort weiter.

Korrekturen inkonsequent und zufällig

Positiv vermerkt IMPACT-SE, dass einige Redewendungen, die bereits in früheren Studien zu anderen Büchern kritisiert worden waren, verändert wurden. So sei mehrmals „Zionistische Besatzung“ in „Israelische Besatzung“ geändert worden. In einem anderen Beispiel sei nicht mehr von „Arabisch-Zionistischen Kriegen“, sondern „Arabisch-Israelischen Kriegen“ die Rede. Die Änderungen seien jedoch nicht konsequent durchgezogen und scheinen eher zufällig.

In einigen wenigen Fällen seien problematische Inhalte aus Schulbüchern der PA für das neu erstellte UNRWA-Material verändert oder gestrichen worden. Dazu gehöre die Aussage, Zionisten hätten die Al-Aqsa-Moschee in Brand gesteckt, der Aufruf zum Boykott israelischer Produkte sowie mehrere Koran-Verse, die zum heiligen Krieg aufrufen.

UNRWA verweist auf „Versehen“

Die Veränderungen ließen darauf schließen, dass bei der UNRWA tatsächlich eine Vorgabe existiert, wie mit problematischen Formulierungen umzugehen ist. Allerdings sei unklar, wie genau diese Methode aussieht, wie sie angewandt wird und wer dafür verantwortlich ist.

Wie die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet, hat die UNRWA mittlerweile gegenüber der österreichischen Tageszeitung „Kurier“ zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Es sei richtig, dass wegen der Covid-19-Pandemie eigene Lehrmaterialien gedruckt worden seien. „Eine gründliche Überprüfung des Selbstlernmaterials, das UNRWA-Schüler während des Lockdowns erhielten, folgte innerhalb weniger Wochen. Dabei zeigte sich, dass versehentlich auf Seiten nationaler Lehrbücher des Gastgebers verwiesen worden war, die die Agentur zuvor als unangemessen gekennzeichnet hatte“, heißt es in der Erklärung. Für Hass und Gewaltverherrlichung gebe es keine Toleranz.

Die USA hatten ihre Finanzhilfen für die UNRWA im Jahr 2018 eingestellt. Deutschland gehört noch immer zu den größten Geldgebern des Hilfswerkes.

Von: dn