Katholiken feiern Taufgedenken am Jordan

Eine Tradition lebt wieder auf: Nach einer Pause von mehr als einem halben Jahrhundert gedenken Katholiken am Jordan der Taufe Jesu. Das war zuvor wegen zahlreicher Landminen nicht möglich.

KASR AL-JAHUD (inn) – Erstmals seit mehr als 50 Jahren hat die katholische Kirche am Sonntag an der mutmaßlichen Taufstelle Jesu eine Prozession zum Gedenken an die Taufe Jesu durchgeführt. Der Ort namens Kasr al-Jahud (Burg der Juden) war in den Jahrzehnten zuvor wegen zahlreicher Landminen ein Sperrgebiet. Aufgrund der Corona-Pandemie war die Zahl der Teilnehmer auf 50 beschränkt.

Der katholische Provinzvertreter (Kustos) Francesco Patton sprach von einem „sehr wichtigen Tag für uns“. Erstmals seit 54 Jahren und drei Tagen habe die Kirche wieder die Gelegenheit, das Taufgedenk-Fest an Ort und Stelle zu feiern, sagte er laut der Onlinezeitung „Times of Israel“. An der Stätte haben verschiedene christliche Strömungen Gebäude errichtet. Den katholischen Franziskanern gehört eine Kapelle, die Johannes dem Täufer gewidmet ist.

Denkwürdige Stätte

Der Ort, etwa zehn Kilometer östlich von Jericho gelegen, erfreute sich seit dem 19. Jahrhundert bei christlichen Pilgern großer Beliebtheit. Bei den Kriegen von 1967 und 1973 war die Gegend jedoch ein Schlachtfeld. Etwa 6.500 Landminen wurden dort platziert, der Zutritt war seither verboten. Im Jahr 2018 begannen die Beseitigungsarbeiten. Nach den Worten Pattons drängte insbesondere der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin darauf. Die israelische Armee entminte das Gebiet im Verbund mit der britischen Organisation HALO Trust.

Katholiken gedenken der Taufe Jesu am Sonntag nach Epiphanias. Die Zeremonie ist relativ neu: In seiner heutigen Form ist das Fest seit 1970 im liturgischen Kalender verankert. Das Gedenken selbst hat ältere Traditionen. Die Taufe ist in allen vier biblischen Berichten über das Leben Jesu erwähnt; sie gilt als Beginn seines öffentlichen Wirkens.

Von: df