Einige der Journalisten riskieren Strafverfolgung in ihren Ländern

Einige der Journalisten riskieren Strafverfolgung in ihren Ländern

Journalisten aus Israel und arabischen Ländern treffen sich online

Vor einigen Jahren wäre ein solches Gesprächsformat noch undenkbar gewesen, bemerkt ein Teilnehmer: Arabische Journalisten sprechen per Online-Konferenz mit israelischen Kollegen. Auch Medienschaffende aus Ländern, die offiziell keine Beziehungen zu Israel unterhalten, sind dabei.

LONDON / JERUSALEM (inn) – Mehr als ein Dutzend Journalisten und Akademiker aus Israel und arabischen Ländern haben sich am Montag zu einem Online-Gespräch getroffen. An dem zweistündigen Austausch beteiligten sich neben Kommunikationsexperten aus Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten auch Journalisten aus Ländern, die offiziell keine Beziehungen zu Israel pflegen, namentlich Saudi-Arabien, Sudan und Algerien.

Das Web-Seminar veranstaltete der Arabische Rat für Regionale Integration. Der Rat ist eine arabische Initiative, die gegen das in arabischen Staaten verbreitete Tabu kämpft, mit Israelis zu sprechen. Gegründet wurde er in London. Eingangs verlas der israelische Regierungssprecher für arabische Medien, Ofir Gendelmann, ein Grußwort von Staatspräsident Reuven Rivlin auf Hebräisch und Arabisch.

Rivlin: Mein Vater hat den Koran übersetzt

Darin erinnerte Rivlin an seinen Vater, Josef Joel Rivlin, der ein Gelehrter für arabische Sprache und Kultur war und den Koran ins Hebräische übersetzte. Sein Zuhause sei ein Ort gewesen, an dem jüdische, muslimische und christliche Gelehrte zusammenkamen: „Die Buchregale waren voll von religiösen Schriften des Islam und des Judentums.“ Den gleichen Geist erkenne er in der wachsenden Zusammenarbeit untereinander. Die Rolle der Medien bestehe darin, dies dem Publikum mit Klarheit und Genauigkeit zu vermitteln.

Zudem richtete Rivlin den Journalisten aus: „Habt große Träume!“ Er lud sie ein, Korrespondenten nach Israel zu schicken und äußerte die Hoffnung, dass auch israelische Medien Korrespondenten in die Länder entsenden dürften. Das nachfolgende Gespräch entspann sich auf Arabisch, Hebräisch und Englisch, während Moderator Joseph Braude übersetzte.

„Wir kennen uns zu wenig“

Mit dabei war der israelische Kooperationsminister Ofir Akunis, der Rivlins Wunsch nach arabischen Medienvertretern in Israel unterstrich: „Es führt kein Weg daran vorbei. Dies ist der Weg, über den Staat Israel aus der Nähe zu berichten.“ Auch Kommunikationsminister Joas Hendel machte sich für eine umfassendere Berichterstattung stark.

Der Herausgeber der emiratischen Tageszeitung „Alroeia“, Mohammed al-Hamadi, pflichtete bei: „Wir Araber kennen Israel nicht gut genug, nicht so gut, wie wir sollten. Vielleicht kennen auch die Israelis uns nicht gut genug.“ Er gab zu bedenken, dass viele Araber noch Vorurteile gegen Juden hätten und positive Berichterstattung über Normalisierung mit Israel somit zum Ziel von Hass werde.

Hohes Risiko

Die Präsidentin des bahrainischen Journalistenverbandes, Adeia al-Sajed, bestätigte, Journalisten würden in ihrem Land angefeindet, wenn sie das kürzlich geschlossene Abraham-Abkommen befürworten. Nebenbei bemerkte Mohammed Mubarak aus Bahrain, er könne etwa 30 Prozent der hebräischen Wortbeiträge verstehen: „Wir und unsere jüdischen israelischen Nachbarn haben mehr gemeinsam, als uns trennt.“

Der einzige Teilnehmer aus dem Sudan, Al-Nur Abdallah Dschadein, betonte die Rolle der Medien, „die Gesellschaft auf Frieden vorzubereiten“. Wie sein Journalistenkollege aus Algerien, Sami Basis, riskiert er in seinem Heimatland Strafverfolgung, da Kontakt zu Israelis verboten ist. Der Saudi mit ägyptischen Wurzeln Mustafa el-Desuki lobte die beiden für ihren Mut: „Sie brechen das Gesetz, um der ganzen Welt zu zeigen, dass die arabische Welt nicht nur aus gewalttätigen Menschen besteht, sondern dass es auch im Sudan und in Algerien junge Menschen gibt, die Frieden wollen.“

Von: tk