Wie bereits während des ersten Lockdowns im April (Bild) kontrolliert die Polizei die Einhaltung der Corona-Maßnahmen

Wie bereits während des ersten Lockdowns im April (Bild) kontrolliert die Polizei die Einhaltung der Corona-Maßnahmen

Israel außer Kontrolle

Israel bewegt sich inzwischen im zweiten Lockdown – doch die Fallzahlen steigen weiter. Der Corona-Beauftragte Gamsu sieht Ende der Woche die Leistungsgrenze der Krankenhäuser erreicht.

JERUSALEM (inn) – Die Behörden in Israel, Gesundheitsministerium, Regierung und Polizei, sind zunehmend ratlos. Am Freitag um 14 Uhr Ortszeit begann eine fast totale Ausgangssperre. Die Bewohner dürfen sich maximal einen Kilometer von ihrer Wohnungstür wegbewegen. Wer nahe der Küste lebt, darf am Strand spazieren gehen. Aber im Wasser plantschen ist strikt verboten.

In Haifa musste die Polizei mehrfach anrücken, weil bei der Vischnitz-Synagoge große Menschenansammlungen gemeldet wurden – und zwar ohne Maske und ohne Distanzwahrung. Zudem löste die Polizei mehrere „Naturparties“ auf: Jugendliche hatten Lastwagen mit Generatoren, Verstärkern und Musikinstrumenten bestellt. Unter der Hand wurden die genauen Orte der Lichtungen weitergegeben, wohin man zum Tanzen und Singen kommen sollte. Die Polizei entdeckte mehrere dieser Veranstaltungen und verpasste den Organisatoren Strafzettel in Höhe von umgerechnet 1.200 Euro. Diesmal mussten auch die Teilnehmer jeweils 120 Euro Strafe entrichten.

Doch nicht nur Freiluftparties sorgten Ordnungsmaßnahmen: Insgesamt bestrafte die Polizei am Samstag laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ 2.802 Verstöße mit Bußgeldern. Bei der großen Mehrheit ging es um Personen, die sich zu weit von ihrem Zuhause entfernten, keine Masken trugen oder die Quarantäne nicht einhielten. 30 Bußgelder gingen an Geschäfte oder Restaurants, die unerlaubt öffneten.

Polizei im Einsatz

An anderen Fronten tun sich andere Probleme auf: Aufgrund von Polizeikontrollen kam es am Montagmorgen zu massiven Staus im Land. Viele Israelis kehrten nach dem Neujahrswochenende an ihre Arbeitsplätze zurück. Nach den Lockdown-Regeln darf jeder, sofern er Kunden nicht persönlich bedient, auf Arbeit gehen – die Polizei hat die Aufgabe, die Einhaltung dieser Vorgabe zu kontrollieren.

Auch unter dem neuen Lockdown setzten tausende Israelis die Demonstrationen gegen Regierungschef Benjamin Netanjahu in Jerusalem fort. Die Demonstranten protestierten nicht nur gegen Netanjahu, sondern auch gegen die neuen Stilllegungs-Maßnahmen. Am Sonntag kam es in diesem Zusammenhang wegen Ordnungswidrigkeiten zu elf Festnahmen. Demonstrationen sind auch im Lockdown erlaubt, sofern die Teilnehmer Gruppen von bis zu 20 Personen bilden und Abstände einhalten.

Weitere Maßnahmen im Gespräch

Am Montagmorgen lag die Zahl der Schwererkrankten bei 643, insgesamt sind mehr als 51.503 Infekte bekannt. Am Samstag und Sonntag kamen 31 Todesfälle hinzu, insgesamt liegt diese Zahl bei 1.260. Am Sonntag wurden bei 24.469 Tests 2.568 Infekte neu erkannt, was etwa einer Rate von 10,5 Prozent entspricht. Die durchschnittliche Rate der vorangegangenen Tage (Dienstag bis Samstag) liegt bei 9,4 Prozent. Nach ersten Testergebnissen am Montag beträgt die aktuelle Rate 11,9 Prozent.

Angesichts steigender Fallzahlen wies der israelische Corona-Beauftragte Roni Gamsu die staatlichen Krankenhäuser am Sonntag an, weitere Stationen für die Corona-Behandlung einzurichten. Er befürchtet, dass es bis Ende der Woche 800 Schwererkrankte geben wird – damit wäre die Kapazität der Krankenhäuser erreicht.

Kritik an Lockdown

Am Mittwoch hatten Vertreter privater Krankenhäuser einen erneuten Lockdown kritisiert. „Wir stecken Gesunde und Kranke zusammen. Nach dem Lockdown haben wir neue Super-Spreader“, sagte der Geschäftsführer der Hadassah-Krankenhäuser Se'ev Rotstein vor dem Knesset-Ausschuss für Staatsprüfung.

Bei den Beratungen kam in Regierungskreisen die Idee auf, ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, am Monatsende, alle Synagogen in Israel zu schließen. Das wäre eine unerträglicher Schlag gegen die Frommen im Land, die ausgerechnet an diesem Feiertag zur völligen Untätigkeit verurteilt sind. Sie strömen zu den Synagogen, um die traditionellen Gebete und das Blasen des Widderhorns (Schofar) zu hören.

Von: Ulrich W. Sahm / df

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