In der Serie geht es um jüdisches Leben in Kuwait

In der Serie geht es um jüdisches Leben in Kuwait

Ramadan-Serie über Juden in Golfstaaten

Die diesjährige Ramadan-Serie „Hajat al-Fahad“ thematisiert das Leben einer jüdischen Familie in Dubai in den 1940er Jahren. Der Inhalt sorgt für Protest und den Vorwurf der „Normalisierung mit dem zionistischen Gebilde“ in der arabischen Welt.

KUWAIT (inn) – Der saudische Medienkonzern „Sendezentrum Nahost“ (MBC) hat zum diesjährigen Fastenmonat Ramadan eine Serie produziert, die das Leben und die Beziehungen zwischen Juden und Muslimen in den 1940er Jahren in Kuwait darstellt. Laut Angaben von Historikern lebten dort in dieser Zeit etwa 200 jüdische Familien, heißt es in der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“.

Die 71-jährige Schauspielerin aus Kuwait, Hajat al-Fahad, spielt in der Hauptrolle die jüdische Hebamme Umm Harun, Mutter des Aron. Sie kommt aus der Türkei und lebt zwischen dem Irak und dem Iran, bevor sie sich in Bahrain niederlässt.

Boykottaufrufe im Vorfeld

Die Serie trägt den Namen der Schauspielerin, Hajat al-Fahad, was soviel wie „Das Leben des Leoparden“ bedeutet. Zahlreiche Bürger aus arabischen Staaten riefen mbc im Vorfeld der Ausstrahlung dazu auf, die Serie nicht zu senden beziehungsweise zu boykottieren.

Auch in den Sozialen Netzwerken der arabischen Welt sorgte die Ankündigung der Serie für viel Ärger. Sie stelle „eine Form der Normalisierung mit dem zionistischen Gebilde dar“, lautete ein Vorwurf. Gemeint ist Israel. Außerdem entstehe in der Serie der Eindruck, Juden hätten unter „Ungerechtigkeiten in den arabischen Ländern“ gelitten.

„Wir haben viele erfolgreiche und heldenhafte Frauen in den Golfstaaten“, zitiert die „Jerusalem Post“ eine Userin. „Warum müssen wir ausgerechnet eine jüdische Frau als Heldin in unserer Serie darstellen?“ Ein anderer Kritiker schrieb: „Würde etwa Israel jemals eine Sendung über muslimische Frauen in Gefängnissen drehen? Warum produziert man keine Dokumentation über die Ungerechtigkeit gegenüber Palästinensern?“

Die „Jerusalem Post“ zitiert den Pressesprecher der Hamas im Ausland, Raafat Murra: „Die Figur der Umm Harun erinnert an (die ehemalige Regierungschefin) Golda Meir, als Kopf einer Besatzungsmacht. Sie war eine kriminelle Mörderin. Darin besteht das Ziel der Normalisierung: Hass, langsamer Mord und die innere Zerstörung. Die Serie hat zum Ziel, Geschichte zu verfälschen und den Golfstaaten das zionistische Projekt nahezubringen. Das geschieht in einer Zeit, in der sich einige arabische Regierungen um enge Beziehungen mit Netanjahu bemühen, nur um ihre eigene Macht zu sichern.“ Der Sender gehört zu 60 Prozent der saudischen Regierung.

Professor: Nur einzelne Juden vertrieben

Jusuf al-Mutairi, Professor für Zeitgeschichte an der Kuwait-Universität, sagte, dass die Debatte über die Serie ungerechtfertigt sei: „Arabische Juden sind Teil unserer Geschichte, sowohl in Ägypten als auch auf der arabischen Halbinsel. Dieser Umstand widerlegt nicht die Behauptung, sie seien nicht aus dem Golf ausgewiesen worden.“

Den Kritikern scheint Al-Mutairi dennoch recht zu geben. Der arabischen Nachrichtenseite „Al-Dschasira“ sagte er: „Die Vertreibung betraf aber nur Individuen, die in Aktivitäten eingebunden waren, mit denen die Gesellschaft nicht einverstanden war, wie zum Beispiel der Handel mit Alkohol. Wir müssen klar unterscheiden zwischen Zionismus und Judentum. Israel und alle, die dort leben, sind Zionisten. Mit dem Judentum haben wir jedoch kein Problem.“

Eine ähnliche Weltsicht scheint auch die Hauptdarstellerin Al-Fahad zu vertreten. Die saudische Nachrichtenseite „saudi24“ zitiert sie: „Meine Arbeit stellt für niemanden eine Beleidigung dar. Juden gibt es überall auf der Welt und ihr Buch ist von Gott gegeben, wir können ihre Existenz nicht bestreiten. Die palästinensische Sache ist immer noch unsere Hauptangelegenheit.“

Erst kürzlich hatten Äußerungen von Al-Farhad für Kritik gesorgt, als sie vorgeschlagen hatte, wegen der Corona-Pandemie alle ausländischen Arbeiter aus Kuwait auszuweisen. Die kuwaitischen Krankenhäuser müssten den Einheimischen vorbehalten sein.

Serien im Ramadan beliebt

Traditionell produzieren arabische Fernsehsender zum Fastenmonat Ramadan Serien, die in der muslimischen Welt sehr beliebt sind. An den Abenden sitzen Familien, Nachbarn und Freunde zusammen. Nach dem Fastenbrechen schauen sie häufig die aktuelle Serie. In Israel und den palästinensischen Gebieten beginnt der Fastenmonat Ramadan am kommenden Freitag. Gläubige Muslime verzichten für einen Monat von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. In diesem Jahr sind Muslime in Israel dazu aufgerufen, das Fastenbrechen nur mit der engsten Familie zu begehen.

Von: mh

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