Auch mit deutscher Hilfe sollen Israelis im Ausland nach Hause ausgeflogen werden

Auch mit deutscher Hilfe sollen Israelis im Ausland nach Hause ausgeflogen werden

Deutsch-israelische Kooperation in Zeiten von Corona

Um ihre Staatsangehörigen nach Hause zu bringen, arbeiten Deutschland und Israel in der Coronakrise zusammen. Premier Netanjahu telefonierte am Dienstag mit Kanzlerin Merkel. Unterdessen verschärft Israel ein weiteres Mal seine Bestimmungen zur Eindämmung des Virus.

JERUSALEM / BERLIN (inn) – Deutschland und Israel arbeiten zusammen, um Staatsangehörige nach Hause zu bringen, die wegen der Corona-Krise im Ausland gestrandet sind. Nach Informationen des israelischen Journalisten Amichai Stein sollen 23 Israelis mithilfe eines deutschen Charter-Fluges aus Peru ausgeflogen werden. Gleichzeitig habe Israel einem deutschen Bürger geholfen, Bolivien zu verlassen. Deutschlands Botschafterin in Israel, Susanne Wasum-Rainer, bestätigte via Twitter entsprechende Bemühungen deutscher Diplomaten in Peru. Zu genauen Zahlen äußerte sie sich nicht. Der israelische Diplomat Avi Nir-Feldklein sprach von einer „außergewöhnlichen Geste“.

Unterdessen telefonierte Benjamin Netanjahu am Dienstag „ausführlich“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie ein Pressesprecher des Premierministers mitteilte. Dabei hielten die Regierungschefs fest, dass Experten beider Länder in ständigem Austausch bleiben sollen. Konkret sei es um eine finanzielle und ökonomische Kooperation sowie die Beschaffung medizinischer Materialien gegangen.

Parallel dazu beauftragte Netanjahu am Dienstag den Mossad und das Verteidigungsministerium, eine Kommandozentrale einzurichten, um medizinische Ausrüstung zu besorgen. Der israelische Auslandsgeheimdienst hatte bereits in der vergangenen Woche nach Medienberichten Tausende Corona-Testsätze ins Land gebracht.

Weitere Verschärfung der Beschränkungen

In der Nacht auf Mittwoch beschlossen israelische Regierungsvertreter nach mehrstündigen Diskussionen eine weitere Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, die am Mittag veröffentlicht wurden. Demnach wird die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt. So dürfen sich Angehörige eines Hausstandes nur noch für kurze Zeit und nur bis zu 100 Meter entfernt vom eigenen Wohnort aufhalten. Davon ausgenommen sind unter anderem Einkäufe, Gänge zum Arzt oder zur Arbeit, aber auch die Teilnahme an Demonstrationen. Verstöße sind strafbewehrt.

Der öffentliche Personenverkehr wird auf 25 Prozent des üblichen Betriebes heruntergefahren. In Privatautos dürfen sich nur noch zwei Personen gleichzeitig aufhalten. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für Taxis. Arbeitgeber werden verpflichtet, die Temperatur ihrer Angestellten zu messen.

Wie in Deutschland bleiben Betriebe des täglichen Bedarfs geöffnet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wäre eine Schließung von Supermärkten aber durchaus möglich. Allerdings handle es sich dabei um ein Extremszenario, das „derzeit nicht auf der Agenda“ stehe. Medienberichten zufolge bestehen grundsätzliche Unstimmigkeiten zwischen Gesundheits- und Finanzministerium bezüglich der Schärfe der Anti-Corona-Maßnahmen. Dabei geht es insbesondere um die Frage, inwiefern extrem negative Auswirkungen auf die israelische Wirtschaft im Sinne der Eindämmung des Virus hinzunehmen sind.

2.170 Infizierte, fünf Tote

Israel zählte am Mittwochmittag 2.170 Infektionsfälle und rangiert damit nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität auf Platz 20 der weltweiten Infektionszahlen. Fünf Personen sind an den Folgen des Virus gestorben. Laut Forschungsergebnissen aus Beraterkreisen der Regierung hat sich etwa die Hälfte der infizierten Israelis im Ausland angesteckt. Bei gut einem Drittel kann die Infektionskette auf einen Kontakt im öffentlichen Raum in Israel selbst zurückgeführt werden. Davon fingen sich die meisten – etwa 24 Prozent – den Erreger in Synagogen ein.

In den palästinensischen Gebieten registrierte die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) bisher 62 infizierte Menschen. Davon leben fast alle im Westjordanland. PA-Premierminister Mohammed Schtaje forderte am Dienstag alle in Israel arbeitenden Palästinenser auf, zum eigenen Schutz nach Hause zurückzukehren. Israel hatte palästinensischen Angestellten in wichtigen israelischen Wirtschaftssparten in der vergangenen Woche erlaubt, eine Zeit lang im Land zu bleiben, anstatt alltäglich in die Autonomiegebiete zurückzukehren. Palästinensische Politiker klagen jedoch über schlechte Lebensbedingungen.

Unterdessen verlangte das Außenministerium der PA die Freilassung palästinensischer Gefangener aus israelischen Gefängnissen. Die Behörde sieht die Gesundheit der Palästinenser vernachlässigt. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA wirft sie Israel deshalb eine Verletzung völkerrechtlicher Vorschriften vor. Die Forderung nach Freilassung tausender Gefangener hatte zuvor bereits die Arabische Liga erhoben.

Von: ser

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