Ein großer Teil der Küstenstadt Naharia leidet unter Überschwemmungen

Ein großer Teil der Küstenstadt Naharia leidet unter Überschwemmungen

Überschwemmungen in Naharia, hoher Wasserstand am See Genezareth

Winterstürme und Starkregen prägen das israelische Wetter zu Beginn des Jahres 2020. Davon profitiert der See Genezareth. Doch Überschwemmungen richten vielerorts Schäden an, mehrere Menschen sterben.

JERUSALEM (inn) – Die Regenfälle im Januar brechen jahrzehntealte Rekorde. In manchen Regionen Nordisraels fielen binnen zwei Wochen mehr als 400 Millimeter Niederschläge – soviel wie seit 51 Jahren nicht mehr in einem solchen Zeitraum. Das teilte der Israelische Meteorologische Dienst (IMS) am Donnerstag mit.

Erst zweimal seit Beginn der Aufzeichnungen wurden in der Region überhaupt solche Werte gemessen: im Dezember 1951 und im Januar 1969. Manche Wetterstationen in West- und Obergaliläa verzeichneten gar über 450 Millimeter Regen. Der Durchschnittswert für Januar wurde in den ersten neun Tagen erreicht.

Auch in Südisrael regnete es ungewöhnlich viel: Teilweise maßen die Wetterstationen 122 Millimeter Niederschläge. Damit ging in manchen Regionen so viel Regen nieder wie seit 76 Jahren nicht mehr, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“.

Überflutungen: Vor allem Naharia betroffen

Doch der für die Landwirtschaft so nötige Niederschlag hat auch seine Schattenseiten. In mehreren Städten gab es Überflutungen. Bis zum Wochenende starben sieben Menschen. In Emunim im Landeszentrum mussten Kinder mit Traktoren und Schlauchbooten aus einer Schule evakuiert werden. Schnellstraßen waren wegen Überschwemmungen zeitweise gesperrt. Mehrere Frauen brachten ihre Kinder zu Hause zur Welt, weil sie ihre Häuser nicht verlassen konnten.

Besonders schwer getroffen ist die Küstenstadt Naharia südlich der Grenze zum Libanon. Bürgermeister Ronen Marley sagte im israelischen Rundfunk, umgerechnet mindestens 78 Millionen Euro Sachschaden seien dort entstanden. „Die Stadt wurde weggespült.“ Doch die Bewohner hätten sich „erstaunlich“ verhalten. Viele seien aus ihren Autos oder Häusern gekommen, um anderen zu helfen. Ohne die Anstrengungen von Laien hätten viel mehr Menschen sterben können.

Einer dieser Helfer war der 38-jährige Moti Ben-Schabbat. Er versuchte, eine Frau und deren kleine Tochter aus einem Auto zu befreien. Dabei wurde er von den Fluten mitgerissen, später wurde sein Leichnam entdeckt. Die beiden Insassinnen blieben unverletzt. Zu der Beisetzung kamen am Donnerstag etwa 1.000 Menschen. Bürgermeister Marley sagte, der Verstorbene sei „der Held des gesamten Landes“.

Auch Staatspräsident Reuven Rivlin gebrauchte diese Bezeichnung in einem Kondolenzschreiben: „Von Zeit zu Zeit, in kritischen Momenten, finden wir Helden, die auf uns herabscheinen. Seine Tapferkeit, seine Weigerung, ein unbeteiligter Passant zu sein, sein Mut haben unsere Herzen berührt – und sie sind Beispiele von Menschlichkeit und gegenseitiger Verantwortung höchsten Ranges.“ Am Sonntag machten sich Premierminister Benjamin Netanjahu, Außenminister Israel Katz, Innenminister Arje Deri und Wohnungsbauministerin Jifat Schascha Biton vor Ort ein Bild von der Lage. Sie statteten auch der trauernden Familie Ben-Schabbat einen Besuch ab.

Kampfflugzeuge beschädigt

Durch die Winterstürme wurden acht Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe beschädigt, als es am Stützpunkt Hatzor in Südisrael zu Überflutungen in einem Hangar kam. Die Luftwaffe räumte am Montag ein, sie habe es versäumt, die Flugzeuge rechtzeitig an einen sicheren Ort zu bringen.

Bei der Israelischen Versicherungsgesellschaft gingen bis Donnerstag 45.000 Anträge ein. Die Schadenssumme beläuft sich bislang auf knapp 390 Millionen Euro. Innenminister Deri kündigte an, die israelische Regierung werde rund 1,3 Millionen Euro Soforthilfe bereitstellen.

Pegel des Sees Genezareth deutlich gestiegen

Positive Auswirkungen hat das Wetter indes auf den Wasserstand des Sees Genezareth: Er stieg bis Donnerstagmorgen binnen 24 Stunden um 23 Zentimeter. Am Montagmorgen lag er 210,84 Meter unter dem Meeresspiegel – und damit etwa 2 Meter unterhalb der oberen Begrenzungslinie.

Von: eh

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