Der Zensor hat alle Hinweise auf israelisch-palästinensische Verträge gestrichen – eine Ausnahme bilden die Osloer Abkommen

Der Zensor hat alle Hinweise auf israelisch-palästinensische Verträge gestrichen – eine Ausnahme bilden die Osloer Abkommen

Verträge mit Israel bis auf Oslo-Abkommen nicht erwähnt

Einer Schulbuchreform der Palästinensischen Autonomiebehörde fallen viele Beiträge zu Abkommen mit den Israelis zum Opfer. Der Blau-Weiß-Chef Gantz sieht in der „Auslöschung der Vergangenheit“ einen schweren Fehler.

RAMALLAH (inn) – Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) hat ihre Schulbücher aktualisiert – und dabei historische Fakten gestrichen. Diese beziehen sich auf Friedensgespräche und -abkommen mit Israel. Betroffen sind Lehrbücher der Jahrgangsstufen 1 bis 12, also des gesamten Schulsystems. Sie werden im Westjordanland, dem Gazastreifen, Ostjerusalem und den Flüchtlingslagern genutzt.

Der Tageszeitung „Yediot Aharonot“ zufolge begann die Reform der Bücher vor drei Jahren. Nun ist sie beendet. In der neuen Fassung gibt es nur noch Hinweise auf die Osloer Abkommen. Interimsverträge wie das Kairoer Abkommen oder Gaza-Jericho-Abkommen (1994), das Wye-Abkommen (1998), die Roadmap (2003) oder die Ergebnisse der Konferenz von Annapolis (2007) finden keine Erwähnung. In Schulbüchern, die sich mit palästinensischer Geschichte befassen, hat das Bildungsministerium in Ramallah zwei Kapitel völlig gestrichen. Darin ging es um Friedenspläne und -initiativen.

Die neuen Lehrbücher behandeln die Osloer Abkommen weniger ausführlich und werten sie negativer. So wurde etwa ein Brief des damaligen Palästinenserführers Jasser Arafat an den ehemaligen israelischen Regierungschef Jitzchak Rabin von 1993 nicht mehr vollständig abgedruckt. In der aktualisierten Version fehlt der Abschnitt, in dem Arafat darlegt, dass „der Beginn eines Zeitalters der Koexistenz in Frieden ohne Gewalt und jeglicher Aktivität, die den Frieden gefährden kann“.

Israel nur in Klammern

Nur wenige Male erwähnen die neuen Bücher Israel. Dann steht der Name in Klammern. Dies ist vor allem bei Organisationen wie der Hamas oder dem Islamischen Dschihad üblich – es soll zeigen, dass sie Israel als illegitim betrachten. In den alten Büchern kam der Name ohne Klammern vor.

Zudem findet sich in den aktualisierten Lehrbüchern kein Hinweis mehr auf die historische jüdische Präsenz in Israel und Jerusalem. Von der Jerusalemer Altstadt erscheinen nur das muslimische, christliche und armenische Viertel. Das jüdische Viertel ist hingegen spurlos verschwunden. Ausgelassen hat die PA auch Kapitel zu König David, den Königreichen Juda und Israel sowie dem jüdischen Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer, der 135 endete.

Gantz: Bücher schaden palästinensischen Jugendlichen

Die Studie hat die Organisation „IMPACT-se“ erstellt. Deren Leiter Marcus Sheff sagte der Zeitung: „Der neue Lehrplan vernichtet jede Möglichkeit für Frieden mit Israel und verstärkt und fördert Gewalt und Hass mehr denn je.“

Auch der Vorsitzende der Partei Blau-Weiß, Benny Gantz, reagierte auf die Untersuchung: „Das schadet zuerst den palästinensischen Jugendlichen. Die Fähigkeit, eine bessere Zukunft zu erreichen, beginnt mit der Erziehung der kommenden Generationen zu Frieden, Toleranz, Koexistenz – und nicht mit Hetze und der Verherrlichung von Selbstmordattentätern. Die Auslöschung der Vergangenheit ist ein Anschlag auf die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.“

Von: eh

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