Die Besucher des Festivals machten sich keine Gedanken über ihre Sicherheit

Die Besucher des Festivals machten sich keine Gedanken über ihre Sicherheit

Kiriat Schmonah feiert 70. Geburtstag

Die nordisraelische Stadt Kiriat Schmonah kommt meist wegen militärischer Zwischenfälle an der libanesischen Grenze in die Schlagzeilen. Doch in dieser Woche gibt es Anlass zum Feiern.

KIRIAT SCHMONAH (inn) – Mit einem großen Freilichtfestival hat die israelische Stadt Kiriat Schmonah am Mittwoch ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Vor möglichen feindlichen Angriffen war den Besuchern dabei nicht bange – obwohl die Stadt nahe der Grenze zum Libanon und zu Syrien liegt.

„Die Sicherheitslage? Aus meiner Sicht wacht der Herr über uns, wir haben keinen Grund zur Sorge“, sagte der Mitbetreiber eines nahegelegenen und zum Festival gut besuchten Campingplatz, Schaul Alkobi, der Tageszeitung „Yediot Aharonot“. „Im Land Israel, wo auch immer wir sind, haben wir göttlichen Schutz.“

Bürgermeister Avichai Steren verneinte angesichts der Vorfälle der vergangenen Tage die Frage, ob die angespannte Sicherheitslage in der Stadt zu spüren sei. „Ich denke, dass wir ein wenig verwirrt wurden.“ Nicht die Israelis müssten sich fürchten, sondern Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, der sich in einem Bunker im Libanon aufhält. „Klar führen wir diese Veranstaltungen in Abstimmung mit den Sicherheitskräften durch, und wenn die Gefahr bestünde, dass etwas passiert, hätte man uns so eine große Veranstaltung unter dem Himmelszelt nicht erlaubt“, räumte er ein.

Festfreude trotz jüngster Eskalation

Zigtausende kamen laut „Yediot Aharonot“ zum Fest, aus Kiriat Schmonah selbst und aus der gesamten Region. An dem Abend beschoss der Libanon israelische Drohnen, traf aber nach Angaben der israelischen Armee nicht. Der Angriff war eine Reaktion auf zwei Drohnen, die über einem Hisbollah-Gebäude in der libanesischen Hauptstadt Beirut explodiert waren.

Die Festfreude konnten die Spannungen indes nicht trüben. Steren wurde auf der Facebookseite seiner Stadtverwaltung mit den Worten zitiert: „Es ist erstaunlich, die Tausenden zu sehen, die gekommen sind, um mit uns 70 Jahre Kiriat Schmona zu feiern, bei der ersten derartigen Veranstaltung. Ich verspreche, die Tradition des Festivals fortzuführen und danke den Tausenden Bewohnern für das Vertrauen.“

Geschichtlicher Hintergrund

Wo heute Kiriat Schmonah liegt, befand sich früher eine arabische Ortschaft namens Chalssa. In der Nähe gründeten Juden 1918 Tel Chai, eine der drei nördlichsten jüdischen Ansiedlungen im späteren britischen Mandatsgebiet Palästina

Damit sich die wenigen Bewohner arabischer Angriffe erwehren konnten, wurde Josef Trumpeldor nach Tel Chai geschickt. Er war 1880 im Kaukasus geboren. Im russisch-japanischen Krieg verlor er seinen linken Arm. In japanischer Gefangenschaft wurde er zum glühenden Zionisten, heißt es auf der Webseite der Stadt Kiriat Schmonah. Er machte 1912 Alija und gründete eine zionistische Brigade, die im Ersten Weltkrieg auf der Seite der Briten kämpfte.

Am 1. März 1920 fiel er mit sieben anderen Kämpfern, die Tel Chai gegen Araber verteidigen wollten. Seine letzten Worte sind überliefert: „Nichts zu machen: Es ist gut, für unser Land zu sterben.“

Name erinnert an Trumpeldor und Kameraden

Nach der israelischen Staatsgründung 1948 wurde Chalssa im Unabhängigkeitskrieg geräumt und zerstört. Da die Bevölkerung in Israel nach dem Krieg durch Einwanderung stark zunahm, beschloss die Regierung, auf den Trümmern der arabischen Ortschaft eine Entwicklungsstadt zu bauen. Die ersten Bewohner waren jemenitische Einwanderer. Sie nannten die Stadt im Gedenken an Trumpeldor „Kiriat Josef“ – „Stadt Josefs“. Doch schon bald wurde der Vorname Josef durch die Zahl acht ersetzt – „Schmonah“. Dies erinnert an die acht Kämpfer, die bei der Verteidigung von Tel Chai ihr Leben gelassen hatten.

Die ersten Bewohner lebten in Zelten, nur öffentliche Gebäude waren aus Holz. Doch nach wenigen Jahren setzte ein Bauboom ein. 1955 gab es die ersten Kommunalwahlen. Eine ständige Bedrohung war der Beschuss aus Syrien, der 1967 nach der Eroberung der Golanhöhen im Sechs-Tage-Krieg ein Ende fand. Doch die Angriffe aus dem Libanon gingen weiter, so dass 1982 die Regierung die Operation „Frieden für Galiläa“ beschloss. Dabei diente Kiriat Schmonah als Ausgangsbasis für Soldaten.

Nach den militärischen Auseinandersetzungen ging es ein paar Jahre friedlich zu: Libanesen besuchten ihre Verwandten in der Region, manche fanden auch Arbeit in Kiriat Schmonah.

Doch immer wieder feuerte die Hisbollah-Miliz Katjuscha-Raketen auf das Gebiet ab. Im Mai 2000 zog Israel unter Premier Ehud Barak seine Truppen aus dem Südlibanon ab – sehr zum Unmut der Bewohner von Kiriat Schmonah. Denn die Zahl der Angriffe erhöhte sich wieder. Im Zweiten Libanonkrieg 2006 schlugen 25 Prozent der rund 4.000 von der Hisbollah abgefeuerten Geschosse in und um die Stadt ein. Bis heute erhält jeder Neubau einen Schutzraum. Die meisten Familien nutzen ihn als Kinderzimmer.

Sportlicher Erfolg

Fußballfreunde kennen die Stadt von einem ungewöhnlichen Erfolg: Direkt nach dem Wiederaufstieg gewann der Club Hapoel Ironi Kiriat Schmonah 2012 gleichzeitig die Meisterschaft und den Totocup. Als israelischer Fußballmeister stand die Mannschaft, zu der auch sechs Araber gehörten, damals bereits fünf Spieltage vor Saisonende fest. Von diesen Erfolgen ist der Verein allerdings heute weit entfernt: Zum Abschluss der vergangenen Saison belegte er den 9. von 14 Plätzen.

Von: eh

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