Der libanesische Präsident Aun sieht die Souveränität seines Landes in Gefahr (Archivbild)

Der libanesische Präsident Aun sieht die Souveränität seines Landes in Gefahr (Archivbild)

Spannungen zwischen Israel und dem Libanon

Der Libanon spricht inzwischen von einer „Kriegserklärung“: Das Land sieht sich durch israelische Schläge gegen Terrorziele in seiner Souveränität verletzt. Die Israelis bereiten sich indessen auf einen Angriff der Hisbollah vor.

JERUSALEM / BEIRUT (inn) – Nach dem israelischen Präventivschlag in Syrien bereitet sich die Armee auf eine Vergeltungsaktion der Terror-Organisation Hisbollah vor. Am Dienstag wies sie Militärfahrzeuge an, Fahrten auf den Wegen entlang der israelisch-libanesischen Grenze einzuschränken. Für Zivilfahrzeuge gibt es jedoch keine Beschränkung; der Sicherheitsapparat rechnet nur mit einem Angriff auf Militärziele.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hatte am Sonntag einen Vergeltungsschlag angekündigt. Dieser solle binnen weniger Tage erfolgen. Die Armee nimmt diese Drohung offenkundig ernst. Ein ungenannter Armeevertreter sagte dem Fernsehsender „Kanal 12“, eine Antwort auf einen Vergeltungsschlag werde „unproportional“ ausfallen. Eine ähnliche Botschaft habe Israel mittels der USA auch an die libanesische Regierung weitergegeben. Israel sieht Beirut als Komplizen der Hisbollah.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu rief Nasrallah am Dienstag dazu auf, „sich zu beruhigen“. „Nasrallah weiß sehr genau, dass sich Israel verteidigen kann“, betonte Netanjahu laut der Onlinezeitung „Times of Israel“. „Ich will ihm und dem Libanon (...) klarmachen: Seien Sie vorsichtig, was Sie sagen, und noch vorsichtiger, was Sie tun.“ In diese Botschaft schloss er auch den iranischen Kommandeur der Al-Quds-Brigaden, Hassan Sulaimani, ein. Sulaimani beaufsichtigte zuletzt den Plan, Israel mit Drohnen anzugreifen.

Libanon: Kriegserklärung Israels

Der libanesische Präsident Michel Aun hat Israel unterdessen am Montag vorgeworfen, seinem Land den Krieg erklärt zu haben. Anlass ist die Explosion zweier Drohnen in der Nacht zum Sonntag in Beirut. Eine Drohne krachte in ein Gebäude, in dem das Medienzentrum der Hisbollah untergebracht ist. Die andere Drohne explodierte über dem Gebäude und beschädigte es.

Der Ursprung der Drohnen ist nicht geklärt. Libanesische Politiker und die Hisbollah behaupten, sie gehörten zu Israel. Die israelische Tageszeitung „Yediot Aharonot“ schließt anhand der Bilder von den Drohnen jedoch auf einen iranischen Ursprung.

Die in London erscheinende Tageszeitung „The Times“ berichtete am Dienstagnachmittag, der Drohnenangriff sei auf ein militärisches Ziel gerichtet gewesen. In der Nähe des Gebäudes seien Maschinen gelagert gewesen, die zur Herstellung von Treibstoff für Präzisionsraketen dienten. Der Angriff habe das Vorhaben der Hisbollah, Präzisionsraketen gegen Israel einzusetzen, um ein Jahr zurückgeworfen.

Ein weiterer Anlass für die Rede von einer „Kriegserklärung“ ist ein offenbar israelischer Luftangriff am Montagmorgen auf Stellungen der „Volksfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando“ (PFLP-GC) nahe der Grenze zu Syrien. Das berichtet die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA. Die PFLP-GC hat ihren Sitz in Damaskus und ist Syrien und dem Iran eng verbunden. Sie ging 1968 unter Leitung von Achmed Dschibril aus der PFLP hervor, um sich stärker auf den praktischen Kampf gegen Israel zu konzentrieren.

Aun erklärte laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“, die Ereignisse gäben dem Libanon das Recht, seine Souveränität zu verteidigen. Nach Angaben der UN hat der nördliche Nachbar Israels auch einen Beschwerdebrief an die Weltorganisation gesandt. Der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. „Der Nahe Osten kann sich nicht noch mehr Chaos leisten.“

Zwischen dem Libanon und Israel gab es nie einen offiziellen Friedensschluss. Der Libanon hat Israel nicht anerkannt, und die beiden Länder betrachten sich als „Feinde“.

Von: df

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