Frauen im Gazastreifen haben Schwierigkeiten, eine Arbeitsstelle zu finden

Frauen im Gazastreifen haben Schwierigkeiten, eine Arbeitsstelle zu finden

Viele Palästinenserinnen im Gazastreifen ohne Arbeitsplatz

Die Arbeitslosigkeit im Gazastreifen ist vor allem unter Frauen hoch. Dies hat verschiedene Ursachen. Eine ist die zunehmende Bildung.

GAZA (inn) – Die israelische Tageszeitung „Yediot Aharonot“ beschäftigt sich mit der Lage der Frauen im Gazastreifen. In dem Beitrag geht es vor allem um die drastisch gestiegene Arbeitslosigkeit. Diese liegt aber nicht nur an der eingeschränkten Bewegungsfreiheit. Anlass für den Artikel ist der Weltfrauentag am 8. März.

Das Blatt weist auf die unterschiedlichen Aspekte hin, die das Leben in Gaza erschweren: die Blockade, Einschränkung der Bewegungsfreiheit, militärische Aktionen, der nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnete Grenzübergang Rafah nach Ägypten sowie Sanktionen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Im Jahr 2016 waren 35 Prozent der Männer und 66 Prozent der Frauen arbeitslos. Einerseits sei in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Arbeitsplätze zurückgegangen. Gleichzeitig habe sich die Zahl der Frauen, die erwerbsfähig sind und Arbeit suchen, um mehr als 200 Prozent erhöht.

Dem Bericht zufolge werden Männer bei Bewerbungen bevorzugt. Auch hätten Palästinenser aus Gaza nicht mehr die Möglichkeit, in Israel zu arbeiten – was die Arbeitsplätze zusätzlich einschränke.

Weiterbildung im Westjordanland in Einzelfällen

Für die Organisation „Aischa“ leitet Mariam Abu al-Ata mehrere Projekte zum Schutz von Frauen und Kindern. Sie sagte der Zeitung: „Die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen, Männern und Frauen ist sehr hoch, aber auch diejenigen, die als arbeitend gelistet sind, stehen vor großen Schwierigkeiten.“ Die Mehrheit der Stellen sei auf einen bis fünf Monate befristet. „Oft kommt das Gehalt viele Monate, nachdem die Arbeit ausgeführt wurde.“

Viele Palästinenserinnen suchten nach Arbeit in Bereichen, die in der Vergangenheit als „männlich“ galten, wie Bankwesen, Investitionen oder Management. Manchmal erlaube Israel einer Frau die Ausreise für eine Weiterbildung im Westjordanland. Es handele sich aber um Einzelfälle im Vergleich zur Nachfrage. Auch die Möglichkeiten einer Arbeit im Ausland für Frauen seien gering. Abu al-Ata selbst hat Architektur studiert und sich jahrelang vergeblich um einen passenden Arbeitsplatz bemüht. Sie habe auch erwogen, in ein anderes Land auszuwandern, sich jedoch „nach vielen inneren Kämpfen“ entschieden, ein Stellenangebot in den Vereinigten Arabischen Emiraten auszuschlagen. „Ich wollte in Gaza bleiben und einen Beitrag für meine Gesellschaft und meine Gemeinde leisten.“

Die Palästinenserin stellt fest: „Die schwere wirtschaftliche Lage drängt Hochschulabsolventen in Drogen, Gewalt, Depressionen und sogar Selbstmord. Sie verlieren die Hoffnung und haben das Gefühl, dass ihr Leben keinen Sinn hat. Die seelische Belastung und die Traumata, die das Leben im Gazastreifen kennzeichnen, sind besonders hart für Frauen.“

Palästinensergebiete: Mehr Mädchen als Jungen in der Oberstufe

Im Gazastreifen und im Westjordanland zusammengenommen beträgt die Arbeitslosenquote indes 47,4 Prozent bei den Frauen und 22,3 Prozent bei den Männern. Das geht aus Zahlen hervor, die das Palästinensische Zentrale Statistikbüro am Mittwoch veröffentlicht hat. Die Alphabetisierungsquote wurde mit 95,6 bei den Frauen und 98,6 Prozent bei den Männern angegeben. 60,5 Prozent der palästinensischen Jungen und 80,4 Prozent der Mädchen waren im Schuljahr 2016/17 in der Oberstufe eingeschrieben, wie die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtet.

Der Anteil der Frauen weist je nach Tätigkeitsfeld Unterschiede auf. So waren im Jahr 2016 rund 17 Prozent der Richter in den Palästinensergebieten weiblich und 82,7 Prozent männlich. Unter den registrierten Ingenieure hingegen fanden sich 32,3 Prozent Frauen.

Von: eh

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