Idyllisch gelegen ist das Haus der Ghettokämpfer in Galiläa. Das Gebäude umfasst zahlreiche Informationen zum jüdischen Leben in Europa vor und während der Zeit des Holocausts.

Idyllisch gelegen ist das Haus der Ghettokämpfer in Galiläa. Das Gebäude umfasst zahlreiche Informationen zum jüdischen Leben in Europa vor und während der Zeit des Holocausts.

Spannende Ausstellungen im Haus der Ghettokämpfer

Das Haus der Ghettokämpfer nutzt den Internationalen Holocaustgedenktag, um neue Dauerausstellungen zu eröffnen. Dabei sind viele Informationen zu der Zeit vor, während und nach der Scho'ah besucherfreundlich aufbereitet.

NAHARIJA (inn) – Drei neue Dauerausstellungen eröffnet das Haus der Ghettokämpfer anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar. Drei neue Ausstellungen ergänzen nun die etablierten.

Jüdisches Leben in Polen

Die Ausstellung „Jüdisches Warschau – eine Geschichte des menschlichen Geistes“ beleuchtet die Geschichte des jüdischen Lebens in Warschau vor dem Holocaust. In zahlreichen Glasvitrinen sind Fotos, Bilderbücher, Fahnen von Sportvereinen und politischen Parteien, Judaika und andere Gegenstände ausgestellt. Zwischen den Vitrinen sind auf großen Wänden Originalfilme projiziert, die das damalige Leben beleuchten sollen.

Idan Sakkai arbeitet seit drei Jahren im Museum. Er ist sichtlich gerührt, als er die Ausstellung vorstellt: „Das jüdische Leben in Polen war so so reich und vielfältig. Wir trauern ja nicht nur um den Verlust von Menschen. Wir trauern auch um den Verlust von Kultur, Geschichte und Kreativität. Von etwa einer Million Einwohner waren mehr als 360.000 Juden.“ In der Ausstellung wird deutlich, wie die Juden in Polen sich ihrer Heimat verbunden fühlten und vollständig in die Kultur-, Bildungs- und politische Landschaft des Landes eingebunden war. Janusz Korczak, Pädagoge und Leiter eines jüdischen Waisenhauses, ist nur ein Beispiel davon.

Die Identität wiedergeben

Die Ausstellungen im Haus der Ghettokämpfer sollen humanistische Werte vermitteln. Daher geht es nicht ausschließlich um die Erinnerung an das, was den Juden im Holocaust geschehen ist. Die neue Ausstellung „In Memoriam“ war vorher in Amsterdam zu sehen. Sie befasst sich mit deportierten und ermordeten jüdischen Kindern sowie mit Kindern der Sinti und Roma zwischen 1942 und 1945. Mehr als 19.000 Kinder wurden in 102 Transporten aus den Niederlanden deportiert. Etwa 18.000 wurden in den Gaskammern ermordet. Anne Frank war eine von ihnen.

Ermordeten Kindern soll ihre Identität wiedergegeben werden

Ermordeten Kindern soll ihre Identität wiedergegeben werden

Es ist ein schwacher Trost: 17.964 der ermordeten Kinder konnten ihre Namen und Geburtsorte wieder zugeordnet werden. Anat Livne, die Leiterin des Hauses der Ghettokämpfer, sagt: „Die Nazis wollten die Erinnerung an diese Kinder nehmen. Doch wir haben es geschafft, einigen der Kinder ihr Gesicht wiederzugeben und die Erinnerung an sie zu bewahren.“ Außerdem zeigt die Ausstellung etwa 3.000 Kinderfotos. „Auf diese Weise bekommen die Kinder ein Stück ihrer Identität zurück.“

Um den Glaskasten

„Die Halle ist voll von Blut, frei von Angst, frei vom Plädoyer und sie ist voller Worte“, das waren die Worte des israelischen Dichters Haim Guri, als er 1961 für eine Zeitung über den Prozess von Adolf Eichmann berichtete, der ihm wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vor dem Jerusalemer Bezirksgericht gemacht wurde. Nur ein Raum ist der Ausstellung „Um den Glaskasten“ gewidmet, die den Prozess beleuchten möchte. In seinem Zentrum steht der originale Kasten, in dem Adolf Eichmann damals saß. Kuratorin Jaara Galor sieht in dem Kasten das Symbol für die ganze Schuld: „Jeder im Saal wartete darauf, dass ein Monster in den Kasten steigt. Doch dann kam ein kleiner Mann herein und setzte sich hin. Die Banalität des Bösen wurde hier so deutlich.“

Die Philosophin Hannah Arendt, der Schriftsteller Harry Mulisch, der Journalist Uri Avery und Haim Guri – sie alle waren damals als Prozessbeobachter dabei. In einem Bereich des Raumes werden die Texte von vier Prozessbeobachtern zu einem konstruierten Dialog entgegengesetzt. Der Besucher soll ein Gespür für die Atmosphäre bekommen, die damals im Gerichtssaal bestimmend war.

Haus der Ghettokämpfer dokumentiert

Das Haus der Ghettokämpfer befindet sich im Kibbutz Lochamej HaGeta’ot (Ghettokämpfer), der an der Küste zwischen Akko und Naharija liegt. 1949 wurde der Kibbutz von Überlebenden aus dem Warschauer Ghetto sowie Untergrundkämpfern in Partisanen-Einheiten gegründet. Das Museum dokumentiert die Verfolgungsgeschichte der Juden im 20. Jahrhundert. Für die Gründer symbolisierten die Errichtung des Kibbutz und der Bau des Museums die Wiederbelebung der jüdischen Nation und des Staates Israel. Neben dem Hauptmuseum gibt es das Jad laJeled, ein Museum, das kindgerecht über Kinder im Holocaust berichtet. „Auf außergewöhnliche Weise werden die Geschehnisse von damals hier für Kinder dargestellt, durch die sie das Geschehen akzeptieren und am Ende sogar gestärkt aus dem Museum gehen können“, so Livne.

Livne weist auf das umfangreiche Archiv des Hauses hin: „Die Gründer haben sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken zu bewahren. Sie wollten den jüdischen Widerstand dokumentieren. So ist das Haus zum ersten Holocaust-Gedenkmuseum weltweit geworden.“ Das Haus der Ghettokämpfer lade ein zu Dialog und Diskussion. „Bildungsarbeit ist uns wichtig. Durch die Erinnerung wollen wir verhindern, dass sich ähnliches wie der Holocaust wiederhole.“ Wer das Museum besucht, sollte Zeit einplanen. Es gibt viel spannend aufbereitetes Material, dessen Fülle manchmal fast zu erschlagen droht. Doch die weite Fläche des benachbarten Amphitheaters sowie das nahegelegene römische Aquädukt helfen nach dem Rundgang, die eigenen Gedanken zu sortieren.

Von: mh