Lagerfeuer stehen im Zentrum des Festes – manche Israelis braten daran auch Kartoffeln

Lagerfeuer stehen im Zentrum des Festes – manche Israelis braten daran auch Kartoffeln

Freudiger Einschnitt in der Trauerzeit

Der jüdische Feiertag „Lag Ba'Omer“ unterbricht eine siebenwöchige Trauerzeit. Lagerfeuer gehören in Israel und im Ausland dazu.

Das Fest kommt weder in der Bibel noch im Talmud vor, und seine Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Dennoch hat „Lag Ba'Omer“ mittlerweile seinen festen Platz im israelischen Kalender. Die Kinder haben schulfrei.

Der Name bedeutet „33. im Omer“. Dabei wird nicht das hebräische Wort für 33 verwendet, sondern die Kombination der Buchstaben, die auch für Zahlen stehen: Lamed (30) und Gimel (3), abgekürzt „Lag“. Nach dem jüdischen Kalender ist es der 18. Tag des Monats Ijar, der in diesem Jahr auf den 14. Mai fällt. Die Omer-Zeit beginnt nach dem Pessachfest und endet nach 49 Tagen mit dem Wochenfest Schawuot. „Omer“ heißt „Garbe“, kann aber auch eine Maßeinheit bedeuten. Diese entsprach etwa 3,6 Litern und maß die Gerste aus der ersten Ernte.

Die sieben Wochen zwischen den beiden Festen gelten als Trauerzeit. Juden dürfen in dieser Zeit keine Hochzeiten feiern und sich nicht die Haare schneiden. Der 33. Tag der Omer-Zeit unterbricht jedoch die Trauerwochen. Deshalb heiraten viele Juden an diesem Datum. Auf dem Berg Meron bei Zefat (Safed) im Norden Galiläas erhalten die dreijährigen Kinder der Ultra-Orthodoxen traditionell ihren ersten Haarschnitt. Bei den Jungen werden die Schläfenlocken ausgespart.

Zeitspanne zwischen zwei vorgeschriebenen Opfern

In 3. Mose 23,9–14 finden sich Erläuterungen zu den Erstlingsgarben: „Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage den Israeliten und sprich zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und die Ernte einbringt, so sollt ihr die erste Garbe eurer Ernte zu dem Priester bringen. Der soll die Garbe als Schwingopfer schwingen vor dem HERRN, dass sie euch wohlgefällig mache. Das soll aber der Priester tun am Tage nach dem Sabbat. (…) Und ihr sollt von der neuen Ernte kein Brot noch geröstete oder frische Körner essen bis zu dem Tag, da ihr eurem Gott seine Gabe bringt. Das soll eine ewige Ordnung sein bei euren Nachkommen, überall, wo ihr wohnt.“

Weiter heißt es in den Versen 15 und 16: „Danach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen. Bis zu dem Tag nach dem siebenten Sabbat, nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und dann ein neues Speisopfer dem HERRN opfern.“

Von einer Trauerzeit ist hier nicht die Rede, sondern nur von einem Zeitraum zwischen zwei bestimmten Opfern. Im Babylonischen Talmud gibt es eine konkretere Aussage dazu (Traktat Jebamoth 62b): „Man erzählt, dass Rabbi Akiwa zwölftausend Schülerpaare hatte, … und alle starben sie in einer Zeitperiode, weil sie einander keine Ehrung erwiesen … Es wird gelehrt: Alle starben sie zwischen dem Pessachfeste und dem Wochenfeste.“ Rabbi Akiwa selbst wurde 135 nach Christus von den Römern getötet.

Unterschiedliche Deutungen für Unterbrechung der Trauer

Doch warum wird die Trauerzeit am 33. Tag unterbrochen? Dazu schreibt Rabbi Menachem Hame’iri im 13. Jahrhundert: „Und die seligen Gelehrten fügten an, dass das Sterben am 33. Omer aufhörte. Und daher pflegt man an diesem Tage nicht zu trauern.“

Dies ist allerdings nicht die einzige Erklärung zu dem Freudenfest. Anhänger der Kabbalah bringen die Unterbrechung mit Rabbi Akiwas Schüler Rabbi Schim’on Bar Jochai in Verbindung. Er verbarg sich 13 Jahre lang in einer Höhle, um unbemerkt von den Römern die heiligen Schriften zu studieren. Ihm wird die Verfassung eines kabbalistischen Hauptwerkes, des „Sohar“, zugeschrieben. Der 33. Omer ist sein Todestag. Dass dieser als mystisches Freudenfest begangen wird, lässt sich vor allem auf die angenommene Autorenschaft des „Sohar“ zurückführen. Zentrum der Feiern ist seine Grabstätte auf dem Berg Meron bei Safed.

Nach einer anderen Überlieferung gab es bereits vor den jüdischen Aufständen gegen die Römer einen Feiertag am 33. Tag der Omer-Zeit. Dieses habe an die Rettung von Noah und seiner Familie aus der Arche erinnert. Doch der eigentliche Anlass sei in Vergessenheit geraten. Eine weitere Erklärung lautet, dass an jenem Tag Gott während der Wüstenwanderung begann, sein Volk Israel mit Manna zu versorgen.

Auch wenn der Grund für „Lag Ba'Omer“ nicht bekannt ist, feiern Juden in Israel das Fest begeistert. Landauf, landab entzünden sie Lagerfeuer – dieser Brauch ist auch in der Diaspora beliebt. Er erinnert an die Signalfeuer, mit denen in alter Zeit von Jerusalem aus der Neumond oder andere wichtige Ereignisse angekündigt wurden.

Von: Elisabeth Hausen

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