Hier kocht niemand mehr: Eine geräumte Küche in Amona

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Räumung fast abgeschlossen

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen haben sich am Donnerstag in Amona fortgesetzt. Schon am Mittwoch kippte ein Gericht den zwischen Regierung und Siedlern erzielten Kompromiss um eine neue Bleibe.

JERUSALEM / AMONA (inn) – Sicherheitskräfte haben am Donnerstagnachmittag die besetzte Synagoge in Amona geräumt. Dort hatte sich der Kern der Demonstranten gegen die Räumung des Außenpostens verschanzt. Vor der Räumung sprachen die Gemeinschaftsführer ein letztes Gebet in dem Versammlungshaus. Aufrufe der Polizei, das Gebäude freiwillig zu räumen, blieben erfolglos. Gegen 13 Uhr Ortszeit drangen sie schließlich in die Synagoge ein.

Infolge der gewaltsamen Auseinandersetzungen seit Dienstag kamen 57 Personen ins Krankenhaus, darunter 42 Sicherheitsbeamte. Der Abgeordnete Bezalel Smotrich, der sich auch an den Protesten beteiligte, verurteilte die Gewalt. Die Demonstranten hätten damit eine „rote Linie“ überschritten. „Es ist eine Schande, dass eine kleine Minderheit dies tut und so einen gerechten und notwendigen Kampf verhindert“, sagte der Politiker von der Partei „Jüdisches Haus“ laut der israelischen Onlinezeitung „Times of Israel“.

Kompromiss obsolet

Unterdessen hat das Hohe Gericht am Mittwoch infolge einer palästinensischen Petition den Kompromiss zwischen Regierung und Bewohnern für ungültig erklärt. Denn auch das benachbarte Gebiet, wo 25 der 41 Familien hinziehen sollten, ist nach Ansicht der Richter palästinensisches Privatland. Die Bewohner hatten sich aufgrund dieser Wohnmöglichkeit zur Räumung bereiterklärt.

Die israelische Rechtsorganisation „Jesch Din“, die die Petition im Namen der betroffenen Palästinenser vor Gericht gebracht hatte, begrüßte das Urteil. Das Hohe Gericht habe sich nicht dem politischen Druck gebeugt und einen illegalen Plan für ungültig erklärt. Die siedlerfreundliche Organisation „Regavim“ beklagt jedoch Ungleichbehandlung. Das Hohe Gericht sei nachlässiger, wenn es um Beduinen geht, die auf jüdischem Land gebaut haben. Das Urteil vom Mittwoch erschüttere das Vertrauen in das israelische Justizsystem.

Rabbi Chaim Druckmann, ein Wortführer der Protestbewegung, beschuldigte die „linksgerichtete Minderheit“, die ihre politische Agenda an Gerichten durchsetze. Druckmann hatte in den vergangenen Wochen mit anderen zu gewaltlosem Protest gegen die Räumung aufgerufen. Seiner Ansicht nach ist eine finanzielle Entschädigung der palästinensischen Landbesitzer gangbar; Amona bestehe immerhin seit 20 Jahren. „Was, wenn jemand das Land beansprucht, auf dem die Asrieli-Türme in Tel Aviv stehen? Würde man dann sagen: ‚Reißt die Türme ab’?“

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu versprach, für die Familien neue Bauten auf Staatsland zu errichten. „Wir teilen den großen Schmerz der Familien“, sagte Netanjahu laut der Tageszeitung „Ha'aretz“ bei einem Besuch in der Siedlung Ariel. „Wir arbeiten daran, das so schnell wie möglich geschehen zu lassen.“

Von: df

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