Gedenktag an die Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern

Seit 2014 begeht Israel am 30. November einen Gedenktag an die jüdischen Flüchtlinge aus dem Iran und der arabischen Welt. Das Gesetz soll die Geschichten von Flucht und Vertreibung ins nationale, aber auch internationale Bewusstsein rücken.
Jemenitische Juden auf dem Weg zu einem Sammelpunkt, von dem aus sie ihre Flucht nach Israel fortsetzen können

Foto: Kluger Zoltan/Government Press Office

Jemenitische Juden auf dem Weg zu einem Sammelpunkt, von dem aus sie ihre Flucht nach Israel fortsetzen können

JERUSALEM (inn) – Die Existenz jüdischer Gemeinden in arabischen Ländern sowie im Iran reichte weit in vorislamische Zeit zurück. Hunderttausende Juden flohen im 20. Jahrhundert vor Diskriminierung, Enteignung und Pogromen. Viele von ihnen leben heute in Israel. In den anderen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens verblieben zwischen 0 und 10 Prozent der einstigen jüdischen Bevölkerung.

Schnelle Integration jüdischer Flüchtlinge

Die geschätzten 850.000 Juden, von denen die meisten nach der Staatsgründung Israels ihre muslimisch geprägten Heimatländer verlassen mussten, gelten auch nach internationalem Recht als Flüchtlinge. Es handelte sich damals nicht um eine Migrationsbewegung in einen neu geschaffenen Staat, sondern um Flucht vor Verfolgung aus Gründen der „Rasse oder Religion“. Dennoch hat ihr Schicksal lange Zeit kaum Beachtung gefunden.

Zum einen gelang dem jüdischen Staat sowie den USA und anderen Aufnahmeländern eine rasche Integration. Zum anderen überlagerte bald das palästinensische Narrativ der „Nakba“ (Katastrophe) das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge.

Keine Integration palästinensischer Flüchtlinge

Eine vergleichbare Anzahl Araber floh im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskrieges sowie späterer Kriege zwischen Israel in die heutigen Palästinensergebiete und Nachbarländer. Dort verblieben die meisten von ihnen in ihrem Flüchtlingsdasein, das die beteiligten arabischen Staaten künstlich aufrechterhalten und als politisches Druckmittel benutzen.

Im öffentlichen Bewusstsein gab es bald nur noch die palästinensischen Flüchtlinge sowie ihre tatsächlichen und vermeintlichen Rechte. Niemand sprach mehr davon, dass die Geschehnisse rund um die Staatsgründung viel mehr einem großen Bevölkerungsaustausch glichen als einer einseitigen Fluchtbewegung.

Richtigstellung eines einseitigen Narratives

Dieser Schieflage hat die israelische Regierung mit der Einrichtung des Gedenktages und weiteren Maßnahmen entgegengesteuert. Im Ausland können Interessierte über die Botschaften Informationsmaterial beziehen. Die Botschaft des Staates Israel in Berlin stellt eine Ausstellung zum Selbstdruck zur Verfügung. 15 Poster klären über die Geschichten der „vergessenen jüdischen Flüchtlinge“ auf

Tatsächlich werden die Stimmen der Flüchtlinge und ihrer Nachkommen in Israel heute bewusster wahrgenommen. Anders ist es bei der UNO: Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen erkennt die jüdischen Flüchtlinge zwar als solche an. Trotzdem hat die UNO bislang keine einzige Resolution zu ihnen verabschiedet. Demgegenüber stehen rund 200 Resolutionen zu palästinensischen Flüchtlingen.

Auf der internationalen Bühne gibt es also noch Aufklärungsbedarf. Allerdings besteht in Zeiten von Abraham-Abkommen die Hoffnung, dass sich in absehbarer Zukunft sogar arabische Staaten am Gedenken an ihre jüdische Geschichte beteiligen werden. Dass dies möglich ist, zeigt zum Beispiel das „Museum des marokkanischen Judentums“, das seit 1997 in Casablanca besteht.

Von: Carmen Shamsianpur

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