Früherer Minister Segev soll für den Iran spioniert haben

Der Iran konnnte offenbar auf seine Dienste zählen: Der frühere Energieminister Segev soll sensible Informationen an die Islamische Republik weitergegeben haben. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Eine Todesstrafe ist dabei nicht ausgeschlossen.
Umtriebiger Politiker: Gonen Segev wurde wegen Spionage angeklagt

Foto: GPO/Saar Yaacov

Umtriebiger Politiker: Gonen Segev wurde wegen Spionage angeklagt

JERUSALEM (inn) – Der frühere israelische Minister Gonen Segev steht im Verdacht, für den Iran spioniert zu haben. Im Mai wurde er deswegen festgenommen. Untersuchungen führten dann am 15. Juni zur Anklage vor dem Jerusalemer Bezirksgericht. Das teilte der Inlandsgeheimdienst Schabak am Montag mit.

Der Schabak hat nach eigenen Angaben Hinweise darauf, dass Segev Informationen an iranische Kontakte preisgegeben hat, die im Vorgehen gegen Israel nützlich sein könnten. Dabei geht es um Aspekte des Energiesektors, um Sicherheitsstandorte sowie um Gebäude und Beamte in Sicherheitsgremien. Segev soll zudem versucht haben, Kontakte zwischen iranischen Agenten und israelischen Bürgern herzustellen, indem er letzteren vormachte, es handele sich um iranische Geschäftsleute.

Feindkontakt in Afrika

Der iranische Geheimdienst hatte Segev nach Informationen des Schabak rekrutiert. Unter anderem wurde im Jahr 2012 ein Kontakt zwischen dem Israeli und iranischen Botschaftsvertretern in Nigeria hergestellt; Segev hatte die letzten Jahre in dem afrikanischen Land verbracht. Zweimal sei er in den Iran gereist. Zudem habe er Wohnungen und Hotels in aller Welt aufgesucht, von denen der Schabak glaubt, dass sie für geheime iranische Aktivitäten genutzt werden.

Die Festnahme gelang mithilfe Äquatorialguineas. Das Land verweigerte Segev aufgrund von kriminellen Aktivitäten die Einreise. Auf Ersuchen der israelischen Polizei wurde er nach Israel überstellt und bei seiner Ankunft von Polizei und Schabak festgenommen. Vertreter des Justizministeriums teilten der Onlinezeitung „Times of Israel“ mit, dass lebenslange Haft als Strafmaß möglich sei, aber auch die Todesstrafe könne nicht ausgeschlossen werden.

Kriminell umtriebig

Der 62-Jährige war von 1992 bis 1996 Knesset-Abgeordneter. Zunächst trat er für die inzwischen aufgelöste Zomet-Partei des früheren Mossad-Agenten Rafi Eitan an. Im Februar 1994 gründete er mit zwei weiteren Zomet-Abgeordneten die kurzlebige Partei Jiud, die Anfang 1995 der Regierung beitrat. Gonen wurde Minister für Energie und Infrastruktur. Die Stimmen der Jiud-Partei waren im Oktober 1995 mitentscheidend für die Zustimmung der Knesset zum Oslo-II-Abkommen.

Nachdem er die Politik verlassen hatte, betätigte sich Segev als Geschäftsmann. Im Jahr 2004 wurde er wegen Drogenschmuggels festgenommen und zu einer Haftstrafe verurteilt. 2007 wurde ihm seine Zulassung als Arzt wegen seiner kriminellen Umtriebe aberkannt. Er verließ Israel und arbeitete als Arzt in Nigera, wo er auch israelische Diplomaten behandelte. 2016 soll er sich laut der Tageszeitung „Ha’aretz“ darum bemüht haben, seine Arztzulassung für Israel wieder zu bekommen, „um etwas zu tun für die israelische Gesellschaft und das Land, das ich liebe“.

Von: df

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