Finnland will israelisches Raketenabwehrsystem

Finnland erwirbt das israelische Raketenabwehrsystem Davidschleuder. Bei der Ausschreibung waren zuletzt zwei israelische Unternehmen im Rennen.
Von Israelnetz
Die israelische Raketenabwehr Davidschleuder, hier bei einem Testlauf im Jahr 2015

HELSINKI (inn) – Einen Tag nach seinem NATO-Beitritt hat Finnland am Mittwoch mitgeteilt, dass es das israelische Raketenabwehrsystem „Davidschleuder“ kaufen wird. Das System erweitere die operationale Reichweite der bodengestützten Luftabwehr „erheblich“, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die USA müssen den Deal allerdings noch genehmigen. Es wäre der erste Verkauf dieses Systems ins Ausland.

Die Kosten für den Erwerb belaufen sich auf 316 Millionen Euro. Der Vertrag enthält eine Option auf weitere Beschaffungen in einer Höhe von 216 Millionen Euro. Hierfür sei jedoch noch eine separate Entscheidung nötig.

Der Vertrag enthält zudem einen Abschnitt, in dem das israelische Verteidigungsministerium Nachschub für das System garantiert. „Das Arrangement stellt die Verfügbarkeit kritischer Systembestandteile in allen Sicherheitslagen sicher“, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Helsinki.

Dreischichtige Raketenabwehr

In Israel ist die Davidschleuder seit April 2017 im Einsatz. Sie stellt den „Mittelbau“ der Luftabwehr dar: Die Raketenabwehr Iron Dome deckt die unterste Schicht ab. Die Systeme Arrow 2 und Arrow 3 sind für Interkontinentalraketen zuständig. Sie erreichen auch den Weltraum.

Die Davidschleuder hat eine Reichweite von bis zu 300 Kilometer und schafft eine Höhe von 15 Kilometern. Neben Raketen kann sie auch Kampfflugzeuge, Marschflugkörper und Drohnen ins Visier nehmen. Entwickelt hat das System das israelische Rüstungsunternehmen Rafael im Verbund mit dem amerikanischen Rüstungsunternehmen Raytheon.

Am Dienstag hatte das Verteidigungsbündnis NATO Finnland als 31. Mitglied aufgenommen. Der Schritt erfolgte als Konsequenz aus dem Krieg Russlands gegen die Ukraine. Die Verkündung des Deals einen Tag später ist offenkundig auch eine Botschaft an Russland.

Doch die Entscheidung für den Erwerb eines Raketenabwehrsystems liegt weiter zurück: Schon im Oktober 2020 hatte die finnische Armee dafür Ausschreibungen veröffentlicht. Anfang März 2022 grenzte sie den Kreis der Kandidaten von fünf auf zwei Unternehmen ein, die beide aus Israel kommen: Neben Rafael erwogen die Militärs auch das Barak-System von Israel Aerospace Industries. (df)

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