Fast unvorstellbare Grausamkeit: Die Ermordung einer 13-Jährigen

Der brutale Anschlag auf die 13-jährige Hallel Jaffa Ariel erschütterte vor zehn Jahren Israel. Die Palästinensische Autonomiebehörde feierte den Mörder als „Helden“.
Von Israelnetz
Ein Blutbad: Ein 17-jähriger Palästinenser hat ein israelisches Mädchen in dessen Kinderzimmer mit mehreren Messerstichen getötet

KIRIAT ARBA (inn) – Vor zehn Jahren ereignete sich einer der brutalsten Morde im arabisch-israelischen Konflikt: Ein Terrorist überwand am Morgen des 30. Juni 2016 den Sicherheitszaun der Siedlung Kiriat Arba bei Hebron. Er drang in ein Haus und dort in ein Kinderzimmer ein – und stach viele Male auf eine 13-jährige Jüdin ein, die noch schlief: Hallel Jaffa Ariel.

Hallel war eine begeisterte Tänzerin. Am Vorabend des Attentats hatte sie eine Aufführung in Jerusalem. Deshalb durfte sie länger schlafen – und blieb allein zu Hause. Der Mörder, der 17-jährige Muhammad Taraire, stieg durch das Kinderzimmerfenster.

Der Palästinenser versuchte nach dem Angriff zu fliehen. Dabei stach er auf einen Wachmann ein, der dem Mädchen zu Hilfe gekommen war. Dessen Vater und Sicherheitskräfte erschossen den Angreifer.

Foto: Privat
Hallel Jaffa Ariel wurde nur 13 Jahre alt

Die grausame Tat des palästinensischen Teenagers erschütterte Israel ebenso wie Juden in der Diaspora. Doch für viele Medien war der Mord eine Randnotiz, wie die Londoner Ökonomin Yvette Alt Miller feststellte.

Auf der jüdischen Website „Aish“ schrieb sie: „Als ich von Hallels Ermordung las, konnte ich nicht anders, als mir vorzustellen, dass dies – möge Gott es verhüten – meiner eigenen 13-jährigen Tochter passieren würde. Ich zitterte vor Furcht angesichts der fast unvorstellbaren Grausamkeit. Doch für viele wurde Hallels Tod nicht als menschliche Tragödie berichtet, sondern nur als die jüngste politische Entwicklung.“

„Hardliner-Siedlung“ und Psychoanalyse des Mörders

So habe der US-Sender „NBC News“ angemerkt, Hallel habe in einer „jüdischen Hardliner-Siedlung“ gelebt – „als würde das ihre Ermordung entschuldigen oder zumindest erklären“. Die Nachrichtenagentur „Reuters“ lenkte Alt Miller zufolge die Aufmerksamkeit von der 13-Jährigen ab und konzentrierte sich auf deren Mörder. Die Schlagzeile habe entsprechend gelautet: „Palästinenser tötet Teenager in israelischer Siedlung, wird dann erschossen“.

Die „New York Times“ wiederum habe den Mörder psychoanalysiert: Dieser habe möglicherweise „versucht, eine junge Frau aus seiner Heimatstadt nachzuahmen – oder vielleicht ihren Tod zu rächen“, nachdem sie getötet wurde, als sie israelische Juden töten wollte.

Die Ökonomin beklagte: „In all der Berichterstattung über ihren Tod ging Hallel verloren – reduziert auf eine Karikatur, ein Symbol. Eine ‚Siedlerin‘. Ein Hindernis für Frieden. Jemand, dessen Leben austauschbar war, dessen Tod keinen Einfluss auf uns hat.“

Die Sicht der Palästinensischen Autonomiebehörde

Die Zeitung „Al-Hajat al-Dschadida“ ist ein offizielles Organ der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA). Am 1. Juli 2016 schrieb sie über den Terroranschlag:

„Der Jugendliche Muhammad Taraire, 17, aus der Stadt Bani Na’im, ist als Märtyrer gestorben und eine Siedlerin ihren Verletzungen erlegen bei einer Messerangriff-Operation in der Siedlung (Givat) Harsina, östlich von Hebron. Ein weiterer Siedler wurde sehr schwer verwundet. Die Besatzungsarmee erklärte, dass der Jugendliche durch den Sicherheitszaun in die Siedlung eingedrungen sei und das Haus der 13-jährigen Siedlerin Hallel Jaffa Ariel betreten habe, während sie in dem Haus schlief, gegen 8:30 morgens. Das Sicherheitspersonal der Siedlung kam zu dem Haus und schoss auf den Jugendlichen. Er schaffte es, auf einen von ihnen mit einem Messer einzustechen, bevor er als Märtyrer starb, gemäß der Stellungnahme der Besatzung.“

Drei Jahre nach dem Mord wies die israelische Medienbeobachtungsstelle „Palestinian Media Watch“ (PMW) auf die „Terrorrenten“ für die Hinterbliebenen des Attentäters hin. Demnach hatte die PA seit dem Anschlag mehr als 15.000 Euro an die Familie gezahlt.

Die Mutter wurde mit den Worten zitiert:
„Mein Sohn ist ein Held. Er hat mich stolz gemacht. Mein Sohn starb als Märtyrer, während er Jerusalem und die Al-Aqsa verteidigte. Preis sei Allah, dem Herrn der Welten.“ Er habe sich den „Märtyrern“ vor ihm angeschlossen. „So Allah will, mögen alle diesem Pfad folgen, die gesamte Jugend von Palästina.“

Bei der Beerdigung sprach Hallels Mutter Rina Ariel die Mutter des Mörders direkt an: „Ich stehe hier mit meinem schmerzenden Herzen und wende mich an Sie, die arabisch-muslimische Mutter, die Sie Ihren Sohn losgeschickt haben, um zu erstechen. Ich habe meine Tochter Lieben gelehrt. Sie und Lehrer wie Sie lehren Hass.“

Parallelen zum Massaker

Rina und ihr Ehemann Amichai Ariel sehen Parallelen zum Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. In einem Interview der Nachrichtenseite „Arutz Scheva“ sagte sie 2025: „Unser Haus ist sehr nah am Sicherheitszaun. Ein Terrorist dringt ins Haus ein, schlachtet Hallel im Bett ab.“

Foto: Hadas Parush/Flash90
Hallels Eltern äußern sich nach dem gewaltsamen Tod ihrer Tochter vor Journalisten

Zudem nimmt sie einen Bezug zum Jerusalemer Tempelberg wahr, wo die Al-Aqsa-Moschee steht. „Al-Aqsa-Flut“ nannte die Hamas das Massaker. Rina Ariel erklärte, sie habe diese Verbindung schon nach dem Anschlag auf ihre Tochter erkannt: „Der Mord an Hallel war Teil eines satanischen Planes, den Berg und dann auch das gesamte Land zu besetzen. Ein Plan des Sieges über uns, des Sieges des Islam.“

Dem möchte sie etwas entgegensetzen. Deshalb geht sie regelmäßig mit anderen Frauen auf den Tempelberg. Dort dürfen an sich nur Muslime beten. Anfangs „war es fast verboten, zu atmen, und sicher nicht erlaubt, irgendeine religiöse Tätigkeit zu verrichten“, erzählte sie anlässlich des zehnten Jahrestages der Nachrichtenseite „Makor Rischon“. Doch mittlerweile sprechen sie Gebete – und hoffen, dass dort eines Tages wieder eine jüdische Kultstätte entstehen wird. Den einzigen Zugang für Nicht-Muslime nennen sie Hallel-Tor statt Mughrabi-Tor.

„Man kann weitermachen“

Für Rina Ariel bleibt ihre Tochter immer 13 Jahre alt. Deren Freundinnen seien teilweise schon verheiratet, sagte sie in dem „Arutz Scheva“-Interview. Alles verändere sich. Hallel war die Älteste, nun seien ihre kleinen Schwestern groß geworden.

Nach dem Mord sei etwas in ihrer Seele eingefroren, doch das Leben gehe weiter. Die eingefrorenen Bereiche müsse man öffnen und das befreien, was darin sei. Tröstlich ist für die Mutter indes, dass der Terrorist Hallel vor dem Mord nicht gequält habe.

Rina Ariel unterstützt Familien, die ebenfalls einen lieben Menschen durch Terror oder Krieg verloren haben. Sie besucht sie bewusst nicht während der Trauerwoche, sondern danach – „wenn das Haus leer ist“. Den Trauernden versuche sie zu vermitteln: „Man kann weitermachen.“ (eh)

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