Fackelanzünder unter anderem aus Libyen und Tel Aviv

Sie überlebten, indem sie Spazierstöcke schnitzten, sich in Wäldern versteckten oder überraschend Hilfe erhielten: Die Gedenkstätte Yad Vashem strahlt am Montag die zentrale Zeremonie aus, bei der sechs Holocaustüberlebende die Fackeln anzünden.
Von Israelnetz
Die sechs Fackelträger am Jom HaSchoa

JERUSALEM (inn) – Die sechs Fackelanzünder für die Gedenkzeremonie am Jom HaSchoa stehen fest. Am Mittwoch hat die die Internationale Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem die Namen der vier Männer und zwei Frauen bekanntgegeben.

Saadja Bahat, Michael Sidko, Mirjam Bar Levi, Mosche Harari, Ilana Pelach und Avigdor Neuman stehen symbolisch für die rund sechs Millionen Juden, die im Holocaust ermordet wurden. Aufgrund des Irankrieges hat Yad Vashem die Eröffnungszeremonie in diesem Jahr schon vorab aufgezeichnet. Sie wird am Montag um 19 Uhr MESZ ausgestrahlt.

Das Leitthema dieses Jahr lautet: „Die jüdische Familie in der Schoa“. Bei der Gedenkfeier werden die sechs Überlebenden je eine Fackel entzünden.

Stöcke schnitzen zum Überleben

Der 98-jährige Saadja Bahat verlor seine Eltern in dem Ghetto von Vilnius. Er selbst kam zunächst in ein Lager in Estland und danach in das Konzentrationslager Stutthof in Polen. Dort wurde er als Zwangsarbeiter eingesetzt. Nebenher schnitzte er für Deutsche Spazierstöcke und erhielt dafür Brot. Im Februar 1946 reiste Bahat in das Mandatsgebiet Palästina aus. Nach der Staatsgründung Israels studierte er in Haifa Maschinenbau.

Michael Sidko stammt aus der Ukraine. Er musste zusehen, wie seine Mutter und zwei jüngere Geschwister bei dem Massaker von Babi Jar ermordet wurden. Zusammen mit seinem älteren Bruder konnte er den Nazis entkommen. Die beiden fanden Unterschlupf bei einer Frau und ihrer Tochter, die sie als ihre Söhne ausgab und so vor der Verfolgung rettete. Im Jahr 2004 zeichnete Yad Vashem die Frauen als Gerechte unter den Völkern aus. Der mittlerweile 90-Jährige lebt seit dem Jahr 2000 mit seiner Familie in Israel.

Miriam Bar-Lev kam in Tel Aviv zur Welt und zog als Kind mit ihrer Familie in die Niederlande. Nach der Besetzung des Landes brachten die Nazis sie in das Konzentrationslager Bergen-Belsen nördlich von Hannover. Dort erkrankte ihr Vater und starb. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde Bar-Lev mit ihrer Mutter in einen Zug Richtung Theresienstadt gesetzt, der später als der „verlorene Zug“ Bekanntheit erlangte. Seit 1946 lebt die 90-Jährige in Israel. Dort absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und war in der Armee als Ausbilderin und Zugführerin tätig.

Pogrome nach Befreiung

Der 92-jährige Mosche Harari stammt aus Polen. Als seine Familie im August 1942 deportiert werden sollte, gelang ihr die Flucht. Sie versteckten sich an verschiedenen Orten und lernten schließlich einen polnischen Bauern kennen, der ihnen gegen Bezahlung Unterschlupf gewährte. Nachdem die Rote Armee die Region 1944 befreit hatte, kehrte die Familie in eine feindselige Umgebung zurück. Bei einem Pogrom wurde ihr Haus geplündert und seine Mutter schwer verletzt. Der Vater fiel zuvor vermutlich einem Mordanschlag zum Opfer. Nach einem Aufenthalt in einem britischen Internierungslager auf Zypern konnte Harari mit Mutter und Schwester nach Israel einreisen.

Ilana-Lina Pelach wurde in der italienischen Kolonie „Italienisch-Libyen“ geboren. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs brachten die Nazis sie und ihre Familie in das Konzentrationslager Giado (südlich von Tripolis). Dort fanden zwei ihrer Schwestern den Tod. Anfang 1943 befreite die britische Armee das Lager und die Familie kehrte vorerst in ihre Heimatstadt zurück. Nach einer Welle von Pogromen wanderten sie schließlich 1949 nach Israel aus. Nach einem langen Berufsleben reist die 89-Jährige nun umher und berichtet als Zeitzeugin über die Verfolgung der Juden in Libyen.

Der 95-jährige Avigdor Neuman stammt aus Transkarpatien, eine Region, die zur Zeit seiner Geburt zur Tschechoslowakei gehörte und ab 1939 zu Ungarn. Im März 1944 marschierten die Deutschen dort ein und deportierten die Familie nach Auschwitz. Neuman und seine ältere Schwester waren die einzigen Überlebenden. Gemeinsam wanderten sie nach Israel aus, wo sich Neuman der Armee anschloss. Er kämpfte in allen Kriegen Israels bis zum Jom-Kippur-Krieg 1973. (mw)

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Ein Kommentar

  1. Es freut mich, dass die Fackeltraeger trotz des vielen Leides, dass sie erfahren mussten, ein hohes Alter erreicht haben.

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