HERZLIA (inn) – Die Lebenshaltungskosten sind in Israel deutlich höher als in den wohlhabenden Ländern Europas. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Aaron-Instituts für Wirtschaftspolitik an der Reichman-Universität in Herzlia.
Nach Angaben des israelischen Wirtschaftsmagazins „Globes“ wird das vor allem im internationalen Vergleich deutlich: Obwohl Israels Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf niedriger ist als beispielsweise in Österreich, Schweden und den Niederlanden, ist das Leben für einen durchschnittlichen Haushalt um rund 21 Prozent teurer. Der Unterschied zu Ländern mit niedrigerem BIP ist sogar noch größer. Griechen, Spanier oder Italiener geben rund zwei Drittel weniger Geld für Nahrung und Wohnung aus als Israelis.
Die Forscher rund um Sarit Menachem-Kardi sprechen von einem „Extremwert“, der den Lebensstandard effektiv um 14 Prozent senkt. Das könne die Abwanderung aus Israel begünstigen. Zentrale Faktoren für diese Entwicklung sind insbesondere hohe Wohn- und Nahrungsmittelkosten. Für das Wohnen zahlen Israelis circa ein Viertel mehr verglichen mit Europäern aus wohlhabenden Ländern. Bei Nahrungsmitteln ist der Wert mit 27 Prozent sogar noch etwas höher.
So sind die Preise für Milchprodukte innerhalb von 20 Jahren um 47 Prozent gestiegen, für Obst und Gemüse sogar um 86 Prozent. Dabei sind frische Produkte von der Mehrwertsteuer ausgenommen.
Empfehlung: Marktregulierung abbauen
Das ist auf die politische Gestaltung der israelischen Wirtschaft zurückzuführen, schreibt „Globes“. Während in Europa Landwirte Subventionen und damit direkte Hilfen erhielten, unterstütze Israel den landwirtschaftlichen Sektor indirekt. Hohe Einfuhrzölle und behördliche Beschränkungen für die Einfuhr von Frischwaren regulieren den Marktpreis und treiben die Preise für lokale Erzeugnisse in die Höhe.
„Die Einschränkungen treffen auf eine gestiegene Nachfrage, die auf Bevölkerungswachstum und einen höheren Lebensstandard zurückzuführen ist“, erklärt Menachem-Karmi. Die heimische Produktion kommt dieser Entwicklung nicht hinterher. In den vergangenen 20 Jahren steigerte sie sich um gerade einmal 10 Prozent. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum wuchs die israelische Bevölkerung um 52 Prozent. „Die Israelis zahlen im Supermarkt für diese Lücke“, schreibt „Globes“.
Die Forscher plädieren für eine direkte Unterstützung des landwirtschaftlichen Sektors. Dabei dürften jedoch die „Pionier“-Landwirte nicht ins Hintertreffen geraten. Deshalb müsse die Politik sinnvolle Übergangsregelungen finden. Auch empfehlen die Experten, Importeinschränkungen zu lockern. (mw)
Ein Kommentar
Die heimische Produktion in den vergangenen 20 Jahren steigerte sie sich um 10 Prozent. Die israelische Bevölkerung wuchs um 52 Prozent. Das bedeutet, sagt Ernesto, unser Gärtner, dass in Israel kein Mensch in der Landwirtschaft arbeiten will.