LONDON (inn) – In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Künstler mit scharfer Kritik an Israel hervorgetan. Sie nutzten die Bühne von Festivals und Preisvergaben wie die Berlinale, um Israel den Vorwurf des Genozids zu machen. Andere nutzen Social-Media-Kanäle wie Instagram. So hatte Nemo, der Gewinner des Eurovision Song Contest, im Dezember dort angekündigt, er gebe seine Trophäe aus Protest gegen die Teilnahme Israels zurück.
Da mutet es fast schon als Gegenkultur an, was der britische Musiker Boy George auf der Social-Media-Plattform X verbreitete: Unter dem Hashtag „Schalom“ stellte der Sänger auf seinem Kanal am Montag ein Lied mit dem Titel „Od Nirkod“ vor. Dabei handelt es sich um den hebräischen Spruch zur Überwindung des Traumas nach dem Terrormassaker vom 7. Oktober: „Wir werden wieder tanzen“.
#Shalom pic.twitter.com/0BfHIrThzO
— Boy George (@BoyGeorge) July 26, 2026
Vorwurf und Gegenvorwurf
In dem Text des Liedes im Reggae-Stil stellt er sich gegen den Vorwurf des Völkermords: „Du sagst Genozid, ich sage Krieg.“ Die Armee sei zur Verteidigung eines Angriffes da, heißt es weiter. „Wird es hässlich? Jede Wette, wenn ich weiß, dass ihr auch den letzten von uns töten wollt.“
In dem Lied erhebt der Sänger seinerseits einen Vorwurf gegen die Kritiker des israelischen Militäreinsatzes im Gazastreifen: Diese würden nie den 7. Oktober erwähnen noch die Gräuel, die dabei stattfanden. „Ihr verurteilt Juden, mit selektiver Erinnerung. Musiker halten Flaggen, äußern sich wie Schafe.“
Im Refrain betont Boy George: „Vertrau mir, wir werden wieder tanzen … Wenn du jemals verwirrt sein solltest: Ich stehe zu den Juden.“ Die Lied schließt mit der Zeile: „Ich fühle mich nicht mutig, ich muss mich nur wie ein Mensch verhalten.“
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Zuspruch und Kritik
Mit der Veröffentlichung erntete Boy George Zuspruch sowie scharfe Kritik. Natalie Sanandaji schrieb auf X: „Von einer Nova-Überlebenden, danke“. Sanandaji gehört der Organisation Bewegung für den Kampf gegen Antisemitismus an (CAM). Die amerikanische Tochter einer Israelin schildert bei Auftritten ihre Erlebnisse auf dem Nova-Festival. Hamas-Terroristen hatten die Veranstaltung am 7. Oktober überfallen und dabei über 360 Teilnehmer getötet.
Der X-Nutzer „B.M.“ mit dem Handle „@ireallyhateyou“ hingegen, der sich als „unabhängiger Journalist“ vorstellt, erklärte seinen mehr als 84.000 Followern: „Die Geschichte wird sich an Boy George jetzt nur noch für seine aktive Unterstützung eines GENOZIDS (sic) erinnern, während dieser verübt wurde. Kein Künstler, sondern ein ärmlicher Propagandist.“
Der jüdischen Gemeinschaft verbunden
Boy George wurde als Sänger der britischen Band Culture Club in den 1980er Jahren bekannt. Der 65-Jährige hatte sich zuvor solidarisch zur jüdischen Gemeinschaft in Großbritannien geäußert. Er habe seit seinen Jugendjahren zahlreiche jüdische Freunde, die er schätze und die er nicht im Stich lasse. Der Nichtjude betonte, er habe seit Beginn seiner Karriere den Davidstern getragen.
Auf die Frage, ob Israel vom Eurovision Song Contest ausgeschlossen werden sollte, antwortete er im Frühjahr ausweichend: Er sei nicht unbedingt mit Israel verbunden, habe aber auch keine Meinung dazu. „Die Aufgabe der Musik ist es, Menschen zu verbinden.“
Er selbst nahm am diesjährigen Wettbewerb in Wien mit der Sängerin Senhit für San Marino teil, schied aber im Halbfinale aus. Danach wehrte er sich gegen Kritik und schrieb auf X: „Es ist gerade total angesagt, Israel zu hassen, aber ich habe immer gesagt: ‚Mode für die Zerbrechlichen, Stil für die Mutigen‘“.
Der nun veröffentlichte Song stellt nach Beobachtung der britischen Zeitung „Guardian“ eine „Intensivierung seiner Unterstützung Israels“ dar. Der „Daily Telegraph“ kommt zu der Einschätzung, der Song sei nicht der beste des Künstlers, aber sein mutigster. (df)
5 Kommentare
Super Boy George!!!! Schön,daß noch ein Künstler auf Israels Seite steht. Ich war zwar nie ein besonderer Fan von ihm,aber seine Lieder waren wie ein Ohrwurm. Und dieses Lied ist auch gut gemacht. Danke Boy George. 🫶🫶🇮🇱🇮🇱🇮🇱🇮🇱🇮🇱🇮🇱🇮🇱
Respekt für Menschen wie Boy George oder auch Volker Beck, deren Einstellung zu sexuellen Identitäten ich nicht teile, aber die sich kompromisslos zu Israel stellen.
Endlich Einer. Als Gegenreaktion die allseits bekannten Beleidigungen. Kommt mir irgendwie bekannt vor.
Eindrucksvoller schöner Song.
Danke.
Es gehört viel Mut dazu, sich gegen den antisemitischen Mob in der Künstlerbranche zu stellen. Sehr lobenswert!
Ein guter Musiker, Boy George, für Israel. Das haben wir gern.