BERLIN (inn) – Bei der diesjährigen Berlinale sind mehrere Beiträge aus Israel zu sehen. Der israelisch-deutsche Spielfilm „Where to?“ (Wohin?) erzählt etwa die Geschichte des palästinensischen Uber-Fahrers Hassan, der regelmäßig Nachtschwärmer in Berlin von einer Party zur nächsten fährt. Zu seiner Tochter, die ihren deutschen Freund heiraten will, hat er keinen Kontakt mehr. Häufig fährt Hassan ziellos durch die Straßen. Eines nachts stolpert der israelische Tourist Amir, der sich auf der Suche nach seiner sexuellen Identität befindet, in Hassans Auto.
Einige Monate später zieht Amir nach Berlin und trifft Hassan erneut. Zwei Jahre lang setzen die beiden ihre nächtlichen Fahrten fort. Nach dem Ende einer Beziehung leidet Amir an Liebeskummer. Das Programm der Berlinale erklärt: „Hassan beginnt, in Amirs Kämpfen Spuren eines tief vergrabenen eigenen Schmerzes zu erkennen. Irgendwann gelingt es ihm, sich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen – und mit jenen Ereignissen, die dazu führten, dass er vor 30 Jahren seine Heimat verließ.“
Der Film ist in den Sprachen Englisch, Arabisch, Deutsch und Hebräisch gedreht. Er spielt in Berlin und Tel Aviv, den Wohnorten des Regisseurs und Drehbuchautor Assaf Machnes. Dessen Serie „Gimel“ war auf den Portalen von „Arte“ und „Ynet“ zu sehen wurde mehr als eine Million Mal gestreamt. Sie handelt von Soldaten, die sich selbst Verletzungen zufügen, um für einige Zeit vom Armeedienst suspendiert zu werden.
Komplexe Realität im „Gaza-Gürtel“
Ein weiterer Film aus Israel heißt „Effondrement“ (Zusammenbruch). Die Dokumentarfilmerin Anat Even kehrt zwei Wochen nach dem Massaker am 7. Oktober 2023 in ihre Heimat, den „Gaza-Gürtel“ zurück. Im ausgebrannten Kibbuz Nir Os filmt sie die Zerstörung, fährt das Gebiet am Sperrzaun ab, der seit Mitte der 1990er Jahre Israel schützen soll. Das Programm beschreibt: „Während auf ihrer Seite neben Bauern nun Panzer stehen, Trecker Saatrillen ziehen, und Kriegsmaschinerie das Ackerland übersät, werden jenseits des Zauns die Bombardierungen und Detonationen hörbar und sichtbar, die Gaza dem Erdboden gleich machen.“
Weiter heißt es: „Anat Even ist beobachtende Kritikerin, essayistische Kamerafrau. Im nachdenklichen Voiceover und im Dialog nähert sie sich der Wahrheit über das Verhältnis zu Gaza an – ihr eigenes, das anderer. Der Pariser Brieffreund Ariel bricht wegen ethischer Diskrepanz den Kontakt ab, Avichai schildert Israels zerstörerische Militärstrategie, der palästinensische Arzt Ezzideen Shehab appelliert aus Gaza City an die Welt. Ein Film über Wut und Verlust, Entmenschlichung und Diskriminierung, Krieg und Ohnmacht. Ein schmerzhafter Film, der Unmögliches versucht.“
Kurzfilm von iranischen Filmemacher
Bezug zu Israel hat auch der Kurzfilm „Fruits of Despair“ (Früchte der Verzweiflung). Das Werk, das die Berlinale in die Kategorie „Dokumentarische Form“ einordnet, handelt von einem iranischen Filmemacher, der während der Dreharbeiten über den Gazakrieg in seinem Heimatland selbst in einen Krieg hineingezogen wird – gemeint ist der Angriff Israels auf iranische Atomanlagen im vergangenen Juli.
Das Programm beschreibt: „In Fragmenten aus Nachrichten, privaten Aufnahmen und stillen Momenten des Nachdenkens dokumentiert der Filmemacher nicht nur den um sich greifenden Krieg, sondern auch sein eigenes inneres Ringen. Beim erneuten Blick auf die Geschichte seines ursprünglichen Themas offenbart sich eine verstörende Parallele: Die gegenwärtigen Ereignisse spiegeln die Erfahrungen seines Protagonisten vor 40 Jahren wider.“
Die Berlinale beginnt heute und endet am 22. Februar. Das internationale Filmfestival findet zum 76. Mal statt. (mh)
Eine Antwort
Diesjährige Berlinale wieder mal eine Bühne für Antisemiten und Israelhasser?