Arabische Knesset-Abgeordnete verteidigen Corbyn

Der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn (Labour) sieht sich immer wieder Vorwürfen des Antisemitismus ausgesetzt. Jetzt springen ihm arabische Knesset-Abgeordnete bei.
Steht immer wieder in der Kritik: der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn
Steht immer wieder in der Kritik: der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn

LONDON / JERUSALEM (inn) – Arabische Knesset-Abgeordnete vom Parteienbündnis „Vereinigte Liste“ haben sich am Sonntag in einem öffentlichen Brief für den britischen Oppositionsführer Jeremy Corbyn eingesetzt. In der britischen Tageszeitung „The Guardian“ verteidigen sie den Vorsitzenden der Labour-Partei gegen die seit Monaten schwelenden Antisemitismus-Vorwürfe.

Den Brief hatten die Abgeordneten Ahmad Tibi, Masud Ganaim, Jussef Dschabarin und Dschamal Sahalka im Namen der 13 Knesset-Abgeordneten der „Vereinigten Liste“ unterzeichnet. Darin heißt es: „Corbyn zeigt eine langanhaltende Solidarität für alle unterdrückten Menschen dieser Welt, wozu seine entschlossene Unterstützung der Palästinenser gehört.“ Der Brite sei ein „prinzipientreuer linker Führer“, der Frieden und Gerechtigkeit anstrebe und sich jeder Form von Rassismus widersetze – egal, ob er gegen Juden, Palästinenser oder andere Gruppen gerichtet sei.

„Antizionismus kein Antisemitismus“

Die arabischen Abgeordneten kritisierten die „britische politische Klasse, welche die historische Notlage der Palästinenser“ ignoriere. Diese Klasse greife auch diejenigen britischen und europäischen Führer an, die sich für Frieden und Freiheit der Palästinenser einsetzten. „Solange die Klasse die Bemühungen zeigt, antijüdische Stimmungen in Großbritannien zu verringern, die sich nur auf die bloße Zugehörigkeit zu einer Minderheitengruppe bezieht, hat sie unsere volle Unterstützung.“ Sobald aber die Labour-Partei zu einer Antisemitismus-Definition gezwungen werden soll, die weit über antijüdische Absichten hinausgehe und den Anti-Zionismus mit einschließe, müssten die arabischen Abgeordneten ihre Stimme erheben.

Seitdem Corbyn der Vorsitzende der Labour-Partei im Jahr 2015 geworden ist, sah er sich immer wieder Anschuldigungen ausgesetzt: Er toleriere etwa antisemitische Haltungen einzelner Abgeordneter in seiner Partei. Als Reaktion auf die Proteste traf sich Corbyn mit jüdischen Gemeindemitgliedern und versicherte, dass Juden in seiner Partei willkommen seien. Er entschuldigte sich auch für antisemitische Äußerungen von einzelnen Parteimitgliedern.

Labour-Abgeordnete nennt Corbyn Antisemit

Die jüdische Labour-Abgeordnete Margaret Hodge hatte ihren Chef im Juli „einen Antisemiten“ genannt, weil die Parteiführung nicht die allgemeine Antisemitismus-Definition der „Internationalen Allianz zum Gedenken des Holocaust“ (IHRA) akzeptieren wollte. Auch der langjährige Labour-Abgeordnete Frank Field beschuldigte seine Parteiführung, „eine Kraft für Antisemitismus“ geworden zu sein. Deswegen wolle er fortan nicht mehr mit seiner Partei im Parlament stimmen.

Zudem warnte der ehemalige britische Oberrabbiner Jonathan Sacks davor, dass jüdische Briten darüber nachdenken würden, das Land auch wegen der uneindeutigen Haltung von Corbyn zum Antisemitismus zu verlassen. Die israelische Arbeitspartei setzte im April die Zusammenarbeit mit Labour in Großbritannien aus. Corbyn sanktioniere Antisemitismus und zeige eine Feindlichkeit gegenüber der israelischen Politik, hieß es von der israelischen Arbeitspartei.

Im August gab Corbyn zu, dass er bei der Kranzniederlegung einer Gedenkveranstaltung für Palästinenser war, die mit dem Olympia-Attentat von 1972 in Verbindung standen. Damals töteten Palästinenser der Terror-Organisation „Schwarzen September“ elf Mitglieder des israelischen Olympiateams und einen deutschen Polizisten in München.

Die nächsten Wahlen in Großbritannien finden im Jahr 2022 statt. Umfragen sehen Labour aktuell auf Augenhöhe mit der konservativen Partei der Premierministerin Theresa May.

Von: mm

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