Antisemitischer Richard-Wagner-Brief versteigert

Den „zersetzenden Einfluss des jüdischen Geistes auf die Kultur“ prangert der weltberühmte Komponist Richard Wagner in einem Brief an. Das Dokument aus dem 19. Jahrhundert ist jetzt in Jerusalem für 28.000 Euro versteigert worden. Der Käufer ist unbekannt.
Der deutsche Komponist Richard Wagner ist mit Werken wie „Tristan und Isolde“ und „Der Ring der Nibelungen“ weltberühmt geworden – aber sein Antisemitismus ist ebenso berüchtigt

Foto: Franz Hanfstaengl, Wikipedia

Der deutsche Komponist Richard Wagner ist mit Werken wie „Tristan und Isolde“ und „Der Ring der Nibelungen“ weltberühmt geworden – aber sein Antisemitismus ist ebenso berüchtigt

JERUSALEM / BASEL (inn) – Ein antisemitischer Brief des deutschen Komponisten Richard Wagner ist für umgerechnet 28.000 Euro in Jerusalem versteigert worden. Das gab das Auktionshaus Kedem am Dienstag bekannt. Die Identität des Käufers bleibt anonym. Es soll nach Angaben des Auktionshauses ein jüdischer Sammler sein, der in der Schweiz lebt.

Laut des britischen Senders BBC handelt es sich um einen Brief, den Wagner am 25. April 1869 an den französischen Philosophen Édouard Schuré verschickte. Darin klärte der deutsche Komponist, der sich in Luzern aufhielt, Schuré darüber auf, dass die Franzosen „sehr wenig“ über die Juden wüssten. Wagner erläuterte, dass es die jüdische Assimilation in die französische Gesellschaft erschwere, den „zersetzenden Einfluss des jüdischen Geistes auf die moderne Kultur“ nachvollziehen zu können.

Die erste Seite des zweiseitigen Briefes, den Richard Wagner 1869 an den französischen Philosophen Édouard Schuré schickte Foto: Auktionshaus Kedem
Die erste Seite des zweiseitigen Briefes, den Richard Wagner 1869 an den französischen Philosophen Édouard Schuré schickte

Berüchtigtes Pamphlet „Das Judenthum in der Musik“ erläutert

Die Arbeiten des weltberühmten Komponisten Wagner beinhalten antisemitisches und rassistisches Gedankengut. Seine Musik ist in Israel aber nicht verboten, wobei sie öffentlich nicht gespielt werden kann, ohne dass es Proteste israelischer Bürger gibt. Der Komponist schrieb unter dem Pseudonym Karl Freigedank das antisemitische Pamphlet „Das Judenthum in der Musik“. 1869 ist es unter seinem richtigen Namen wiederveröffentlicht worden. Dieses Pamphlet versucht Wagner gegenüber Schuré im Brief zu erläutern.

Der Eigentümer des Auktionshauses, Meron Eren, sagte gegenüber der Online-Zeitung „Times of Israel“, dass es das erste Wagner-Objekt sei, in dessen Versteigerung er involviert gewesen ist. „Wagner hätte sich in seinem Grab umgedreht, wenn er wüsste, dass ein bärtiger Jude in Jerusalem einen Gewinn mit seinem Brief gemacht hat“, sagte Eren.

Israel und Richard Wagner

Richard Wagner war immer wieder Thema in Israel. Als der Dirigent der Berliner Staatskapelle, Daniel Barenboim, im Jahr 2001 auf einem israelischen Musikfestival in einem Encore ein Stück aus der Wagner-Oper „Tristan und Isolde“ aufführte, hagelte es Kritik. Barenboim wurde vorgeworfen, er habe sein Publikum „kulturell vergewaltigt“. Der Dirigent – 1942 als Sohn jüdisch-russischer Eltern in Argentinien geboren – hatte damals gesagt, die Verantwortung für die umstrittene Aufführung trage allein er, und nicht das deutsche Orchester.

Im Jahr 2011 spielte ein israelisches Orchester eine Komposition Wagners bei den Bayreuther Festspielen. Der damalige Dirigent des Orchesters, Roberto Paternostro, erklärte: „Obwohl Wagners Ideologie schrecklich ist, war es unser Ziel, den Künstler von seiner Kunst zu trennen.“

Von: mm

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